Der Frühling ist da und die Natur erwacht – überall sprießt und blüht es. Die Situation auf dem Spendenmarkt hingegen zeigt sich wenig frühlingshaft. Klar, der übliche post-weihnachtliche Kater ist jedes Jahr bei den spendensammelnden Non-Profits zu spüren, denn grundsätzlich wird das Allermeiste immer zum Ende des Jahres rund um die Weihnachtszeit gespendet. Aber dieses Jahr fühlt es sich noch einmal anders an, so als könnte sich der typische saisonale Abschwung bei den Spenden zu einem chronischen Abwärtstrend entwickeln. Wieso? Ausgehend von der aktuellen Datenlage sollen in diesem Beitrag Veränderungen bei den privaten Geldspenden aufgezeigt werden. Dabei liegt der Fokus auf den spendenstarken Top-Verdienenden, deren Spendenverhalten wir bereits vor zwei Jahren in einer Kurzstudie analysierten und für das wir nun neue Zahlen haben.
Die Spenden und das freiwillige Engagement sind in einer Rezession
Die jüngst veröffentlichten Daten des Spendenrats zu den privaten Geldspenden für das Jahr 2025 (Spendenrat, 2026) zeigen sehr klar, dass die Bereitschaft zum Spenden weiterhin rückläufig ist. Das private Spendenvolumen ist im vergangenen Jahr deutlich geschrumpft und befindet sich nunmehr auf dem Niveau von 2013 – und dies in nominaler Sicht, also ohne Berücksichtigung der Inflation in den vergangenen 12 Jahren. Noch alarmierender: Die Spendenbeteiligung hat mit nur noch 24 Prozent den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2004 erreicht. Immer weniger Menschen spenden! Zwar leisten diejenigen, die spenden, höhere Beträge und verhindern damit einen noch stärkeren Rückgang des Spendenvolumens. Aber dies zeigt auch, dass immer weniger Personen für einen wichtigen Teil der Finanzierung vieler Tausender gemeinnütziger Organisationen aufkommen.
Diese Entwicklung stützen auch die Ergebnisse des neusten Freiwilligensurveys (FWS, 2025), der alle fünf Jahre das zivilgesellschaftliche Engagement in Deutschland abfragt. Weiterhin engagieren sich zwar sehr viele Menschen in Deutschland, aber es sind deutlich weniger als in den letzten beiden Erhebungen vor fünf und zehn Jahren. Auch hier gilt: Diejenigen, die sich engagieren, spenden dann auch gleich mehr, in diesem Fall Zeit. So arbeiteten Engagierte zuletzt mit größerem Stundeneinsatz und häufiger ehrenamtlich für die Zivilgesellschaft als bei den vorherigen Befragungen. Genau wie die Geldspenden werden also auch Zeitspenden von immer weniger Menschen erbracht. Da wir aus Untersuchungen (z.B. FWS, 2022) wissen, dass besonders diejenigen Zeit spenden, die auch Geld spenden, zentriert sich das gesamte Engagement damit immer stärker auf eine zunehmend schrumpfende Gemeinschaft.
Handelt es sich nur um ein vorübergehendes Phänomen?
Diese Spendenmüdigkeit wird oft als ein eher temporäres Phänomen verstanden. Wirtschaftliche Unsicherheit, Kaufkraftverlust durch gestiegene Lebenshaltungskosten oder das Fehlen großer Katastrophenereignisse werden zur Erklärung der sinkenden Zahlen herangezogen. Allerdings zeigt die Zahlenhistorie, dass all diese Argumente früher auch nicht unbedingt zu einem Rückgang der Spenden geführt haben. Private Geldspenden entwickelten sich in der Vergangenheit eher unabhängig von den verfügbaren Einkommen (siehe Abbildung 1). Und auch in Jahren, in denen es keine großen Notkatastrophen gab, wie etwa in 2018 und 2019, sind die Spenden nicht gleichermaßen gesunken wie zuletzt. Gerade im Jahr 2022, als die Inflationsrate wegen der Energiekrise am allerhöchsten war, wurde gleichzeitig noch sehr viel gespendet. Ein wesentlicher Treiber dafür war der Beginn des Ukraine-Konflikts. Aber selbst wenn dieser Sondereffekt herausgerechnet wird, kam es zu keinem deutlichen Rückgang bei den Spenden. Die verfügbaren Einkommen in Deutschland sind – zumindest nominal – weiter gestiegen, die Sparquoten (bis auf die Corona-Jahre) recht konstant geblieben und die Konsumausgaben selbst in preisbereinigter Sicht nicht eingebrochen. Rein vorübergehende „konjunkturelle“ Argumente können den Spendenrückgang seit 2021 anscheinend nicht hinreichend erklären.
Deshalb muss der Blick stärker auf längerfristige, strukturelle Veränderungen gelenkt werden, die sich schon seit vielen Jahren anbahnen und die möglicherweise dazu beitragen können, die Entwicklungen besser einzuordnen. Unser Fokus soll dabei auf den so genannten Top-Verdienenden liegen; das sind Personen, die mehr als 500.000 Euro Einkünfte im Jahr steuerlich veranlagen. Ihre Spendentätigkeit haben wir bereits vor zwei Jahren anhand von Daten aus der Lohn- und Einkommenssteuerstatistik in einer Studie untersucht. Mittlerweile konnten wir die entsprechenden Zahlen für zwei weitere Jahre auswerten und damit unsere Betrachtungen von damals auf den Zeitraum 2012 bis 2021 ausweiten.
Besonders Top-Verdienende haben großen Einfluss auf die privaten Spenden
Warum sind die Top-Verdienenden so wichtig für den Spendenmarkt? Zunächst einmal sind sie diejenigen, die am allerwahrscheinlichsten spenden, denn sie haben eine sehr hohe Spendenbeteiligung von rund 79 Prozent, während bei den darunter liegenden Einkommensklassen mit einer Beteiligung von 39 Prozent nur etwa halb so viele Personen spenden. Zudem tragen die Top-Verdienenden absolut gesehen einen überproportional großen Beitrag zu den Privatspenden bei. Mit weniger als einem Prozent der Steuerpflichtigen stemmen sie rund 18 Prozent des Spendenvolumens in Deutschland. Dies entsprach im Jahr 2021 einem Beitrag von 1,5 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass es immer mehr von ihnen gibt. Über unseren Beobachtungszeitraum hinweg hat sich die Anzahl der Top-Verdienenden auf rund 120.000 Personen mehr als verdoppelt. Dabei war die Entwicklung in allen dazu gehörenden Einkommensklassen ähnlich dynamisch (siehe Abbildung 2). Angesichts der positiven Vermögensentwicklung und der Erbschaftswellen in den letzten Jahren sollte sich diese Entwicklung fortgesetzt haben.
Aber in der Corona-Krise ist ihre Spendenbereitschaft gesunken…
Tatsächlich steigt der Anteil der Personen, die Geld spenden, mit zunehmendem Einkommen deutlich an – und zwar von rund 15 Prozent in der niedrigsten Einkommensklasse auf die bereits schon erwähnten 79 Prozent bei den Top-Verdienenden (siehe Abbildung 3). Allerdings zeigt sich auch, dass dieser Anteil gerade für die Top-Verdienenden im Jahr 2021 im Vergleich zu 2012 und auch zu 2019 gesunken ist. In den unteren Einkommensklassen hat sich die Spendenbeteiligung zwischen 2012 und 2019 zwar ebenfalls leicht verringert, aber es ist auffällig, dass sie im „Corona-Jahr“ 2021 wieder deutlich angestiegen ist. Gerade also in Zeiten größter Unsicherheit und Krise, in denen die Zivilgesellschaft mehr denn je auf Unterstützung angewiesen war, haben sich die Top-Verdienenden offenbar eher ein wenig von ihrer Spendentätigkeit zurückgezogen.
Dies unterstreicht auch die Entwicklung des Spendenvolumens im Zeitablauf (siehe Abbildung 4). Zwar ist die Spendentätigkeit bei den Top-Verdienenden im Trend dynamischer verlaufen als bei den anderen Einkommensklassen. Allerdings zeigt sich hier insgesamt weniger Kontinuität im Zeitablauf und zudem ausgerechnet im ersten Corona-Krisen-Jahr 2020 auch ein leichter Rückgang. Genau in diesem Jahr nahm das Spendenvolumen bei den Einkommen unter 500.000 Euro hingegen besonders stark zu und konnte die Gesamtentwicklung der Spenden damit aufgefangen.
…und auch ihre Spendenleistung war schwächer
Auch der Blick auf die relative Spendenleistung im Vergleich zum verfügbaren Einkommen weist in eine ähnliche Richtung. Wie wir in unserer Studie vor zwei Jahren aufgezeigt haben, spenden die Top-Verdienenden gemessen an ihrer Leistungsfähigkeit in den meisten Einkommensklassen einen vergleichsweise geringen Anteil ihrer Einkommen. Den größten Teil ihrer Einkommen spenden hingegen Personen in den unteren Einkommensklassen. Dieser C-förmige Zusammenhang zwischen relativer Spendenleistung und Einkommen, den wir damals für den gesamten Beobachtungszeitraum von 2012 bis 2019 festgestellt haben, hat sich für die Jahre 2020 und 2021 ebenfalls bestätigt. Zusätzlich zeigt sich, dass während der Corona-Krise auch die relative Spendenleistung bei den Top-Verdienenden zurückgegangen ist (siehe Abbildung 5).
Festzuhalten bleibt somit, dass während der Corona-Krisenjahre 2020 und 2021 weniger Top-Verdienende gespendet haben und diejenigen von ihnen, die gespendet haben, einen geringeren Anteil ihrer Einkommen abgaben. Dies hätte – zumindest im Jahr 2020 – zu einem rückläufigen Spendenvolumen geführt, wären nicht genau hier die Spendenden der Einkommensklassen unter 500.000 Euro in die Bresche gesprungen, um diesen Rückgang mit einer höheren Spendenleistung ihrerseits auszugleichen. Einmal mehr stützt dieser Sachverhalt die These, dass gerade in Krisenzeiten weniger wohlhabende Menschen ein größeres prosoziales Verhalten zeigen und hilfsbereiter, großzügiger und wohltätiger agieren als manche Vermögende (betterplace lab, 2024). Einige Erklärungsansätze für die insgesamt und besonders in Krisen verhaltene Spendenleistung von vermögenden Menschen, haben wir vor kurzem in unserem Beitrag Mehr haben, weniger geben. Wieso beteiligen sich Vermögende so wenig – und immer weniger – an der Finanzierung der (Zivil-)Gesellschaft? zur Diskussion gestellt.
Spenden werden größtenteils von den über 65-Jährigen getragen
Neben dem Einkommen hat auch das Alter einen großen Einfluss auf die Spendenleistung. Mit zunehmendem Alter steigt die Spendenbeteiligung und es wird mehr gespendet. Während bei den Top-Verdienenden nur jede zweite Person (49 Prozent) der unter 30-Jährigen spendet, haben die über 65-Jährigen eine Spendenbeteiligung von rund 84 Prozent. Wenig überraschend ist deshalb, dass der Anteil am Spendenvolumen vor allem bei den Älteren groß ist. Erstaunlich ist jedoch, dass bei den Top-Verdienenden allein die über 65-Jährigen im Jahr 2021 mehr als die Hälfte aller Spenden leisten (siehe Abbildung 6). Im Gegensatz zu allen anderen Altersklassen spenden sie überproportional viel im Vergleich zu ihrem Anteil an dieser Gruppe, der nur knapp 19 Prozent beträgt.
Diese Altersdominanz der Spenden ist bei den Top-Verdienenden noch einmal deutlich größer als in der gesamten Bevölkerung. Wenn man die Zahlen des Spendenrats aus dem gleichen Jahr 2021 heranzieht, die sich auf ein repräsentatives Panel der deutschen Bevölkerung beziehen, zeigt sich zwar ebenfalls, dass die über 60-Jährigen etwa 61 Prozent des Spendenvolumens schultern. Aber das leisten sie mit 47 Prozent der Spendenden – also längst nicht so überproportional wie dies bei den Top-Verdienenden der Fall ist (siehe Abbildung 7). Zudem fällt auf, dass die beiden folgenden, jüngeren Altersgruppen, also die 40-bis-59-Jährigen, nahezu in dem Umfang Spenden erbringen, der auch ihrem Anteil an den Spendenden entspricht. Bei den Top-Verdienenden hingegen ist die Spendenleistung in diesen Altersgruppen verhältnismäßig sehr gering. Die Spendenverantwortung tragen hier also ganz klar die Ältesten. Wenn die nachrückende sehr große Gruppe der 50-bis-60-Jährigen diese Verantwortung zukünftig übernehmen würde, wäre die positive Entwicklung des Spendenvolumen bei den Top-Verdienenden selbst bei einer insgesamt sinkenden Spendenbeteiligung wohl vorerst gesichert.
Baby-Boomer scheinen Spendenmuffel zu sein
Leider legen die Zahlen jedoch den Verdacht nahe, dass gerade die so bevölkerungsstarken Jahrgänge der Babyboomer nicht unbedingt ähnlich viel und dynamisch spenden werden, wenn sie in die üblicherweise spendenstärkste Gruppe der über 65-Jährigen aufrücken. Im Jahr 2021 umfasste die Kohorte der 50-bis-65-Jährigen die Geburtenjahrgänge 1956 bis 1971 und damit nahezu genau die zahlenmäßig am stärksten besetzten Jahrgänge in Deutschland.* Wie bereits aufgezeigt, leisteten die Top-Spendenden dieser Altersklasse jedoch nur einen verhältnismäßig kleinen Beitrag zum Spendenvolumen in 2021. Im Vergleich zum Jahr 2012 lässt sich zudem feststellen, dass dieser prozentuale Beitrag fast gleich geblieben ist, obwohl sich ihre Anzahl um etwa 10 Prozent vergrößert hat. Offensichtlich tragen die Babyboomer verhältnismäßig wenig zu den Geldspenden bei.
Auch bei den privaten Geldspenden im Panel des Spendenrates ist über die Jahre hinweg der Beitrag zum Spendenvolumen in der Gruppe der über 60-Jährigen rückläufig. Während sie, wie bereits erwähnt, im Jahr 2021 noch 61 Prozent des Spendenvolumens beitrugen, waren es im Jahr 2025 nur noch 58 Prozent (Spendenrat, 2025). Dies ist umso erstaunlicher, da der Anteil der über 60-Jährigen an der Bevölkerung seit vielen Jahren kontinuierlich wächst. Also: Obwohl immer mehr Menschen zu der Altersklasse 60+ gehören, in der traditionell die Spendenbeteiligung am höchsten ist, nimmt ihr Beitrag zum Spendenvolumen ab. Ausgerechnet in der Kohorte der Babyboomer sehen wir also abnehmende Geldspendenbeiträge. Dies entweder, weil sie kleinere Beträge spenden, oder weil ihre Spendenbeteiligung sinkt, also eine geringe Anzahl von ihnen überhaupt spendet.
Spenden haben weniger zugelegt als Top-Einkommen und Steuerpflichtige
Stellen wir die mittlere Veränderungsrate der Spenden nach Altersgruppen über den Zeitraum 2012 bis 2021 der Entwicklung der Anzahl der Spendenden und deren Einkommen gegenüber, zeigt sich ein eher ernüchterndes Bild für die Entwicklung der Geldspenden bei den Top-Verdienenden (siehe Abbildung 8). Insgesamt sind die Einkommen im Beobachtungszeitraum um knapp 9 Prozent gestiegen, aber die Spenden nur um rund 7 Prozent. In den meisten Altersgruppen wurde deutlich unterproportional zur Entwicklung der Einkommen gespendet. Bei den 50-bis-65-Jährigen ist dieser Abstand jedoch besonders groß. Zwar wird eine gegenläufige Entwicklung bei den 30-bis-40-Jährigen sichtbar, die durchaus Hoffnung machen kann. Allerdings nimmt dies auf das Spendenvolumen lediglich einen geringen Einfluss, da der Gesamtbeitrag dieser Altersklasse nur knapp fünf Prozent ausmacht (siehe Abbildung 6 oben). Alle wirklich relevanten Gruppen ab 40 Jahren aufwärts zeigen eine vergleichsweise geringe Spendenleistung im Beobachtungszeitraum. Bedenkt man nun, dass in der gleichen Zeit die Einkommen bei den 40-bis-60-Jährigen stärker gestiegen sind als die Anzahl der Steuerpflichtigen, also die Pro-Kopf-Einkommen hier sogar noch mehr zugelegt haben, ist die Spendenentwicklung entsprechend noch enttäuschender einzuordnen.
Auch bei den Top-Verdienenden sinkt die Spendenbeteiligung kontinuierlich
Zusätzliche verfügbare Einkommen führten also in der Vergangenheit nicht im gleichen Maße zu einem Anstieg der geleisteten Spenden. Aber immerhin konnten diese einen Zuwachs verbuchen, der ja einer mittleren Wachstumsrate von rund 7 Prozent entsprach. Wie die Abbildung 4 weiter oben zeigt, haben wir es insgesamt nicht mit einem Rückgang des Spendenvolumens bei den Top-Verdienenden zu tun – zumindest noch nicht. Die wachsende Gruppe der Top-Verdienenden ermöglicht ein weiterhin zunehmendes Spendenvolumen, selbst wenn ein kleinerer Teil vom Einkommen gespendet wird. Problematisch ist hier jedoch, dass zusätzlich zur verhältnismäßig kleinen und zudem perspektivisch prozentual rückläufigen Spendenleistung auch die Spendenbeteiligung abnimmt. Tatsächlich sinken die Spendenquoten bei den Top-Verdienenden in allen Altersgruppen und in allen Einkommensklassen kontinuierlich. Diesen Trend haben wir vor zwei Jahren bereits gesehen, und leider hat er sich auch für die Jahre 2020 und 2021 bestätigt (siehe Abbildung 10). Vor allem bei den jüngeren Top-Verdienenden ist der Anteil der Personen, die spenden, zuletzt deutlich zurückgegangen. Aber selbst bei den spendenstarken über 65-Jährigen und zudem auch in den Altersgruppen der Babyboomer (50-bis-65-Jährige) zeigt sich ein weiterer Rückgang bei den Spendenden.
Angesichts der dynamischen Entwicklung der Steuerpflichtigen hat dies derzeit noch keinen Rückgang des Spendenvolumens zur Folge. Wenn sich der Trend so fortsetzt, wird das Spendenvolumen aber zukünftig sinken. Damit würde für die Non-Profit-Organisationen eine wichtige finanzielle Stütze ihrer Arbeit wegfallen, denn durchschnittlich 20 Prozent ihrer Einnahmen stammen aus privaten Spenden. Gerade viele kleine Non-Profits sind sogar fast ausschließlich auf Spenden angewiesen. Ein rückläufiges Spendenvolumen würde die Existenz zahlreicher gemeinnütziger Projekte bedrohen und könnte ein enormes Problem für die Zivilgesellschaft darstellen.
Kurz zusammengefasst
Im Hinblick auf die Top-Verdienenden haben sich alle Entwicklungen, die wir in unserer Studie vor zwei Jahren für den Beobachtungszeitraum von 2012 bis 2019 festgestellt haben, auch in den Jahren 2020 und 2021 fortgesetzt oder zum Teil sogar noch verstärkt. Nach wie vor stellen die Top-Verdienenden eine wachsende, relevante Zielgruppe für die spendensammelnden Non-Profit-Organisationen dar, weil sie eine immer noch vergleichsweise große Spendenbeteiligung zeigen und einen überproportional großen Anteil am Spendenvolumen leisten. Insgesamt ist die Spendenentwicklung über den beobachteten Zeitraum (2012-2021) hinweg im Trend positiv und zudem dynamischer gewesen als bei den niedrigeren Einkommen.
Allerdings spenden Top-Verdienende nach wie vor keineswegs gemäß ihrer Leistungsfähigkeit: Der Anteil der Spenden am Einkommen ist eher noch geringer geworden. Zudem scheint ihre Spendenleistung nicht unbedingt krisensicher zu sein, denn genau während der Corona-Jahre sank ihre Spendenbeteiligung und damit auch das von ihnen erbrachte Spendenvolumen. Problematisch ist auch, dass die Spenden der Top-Verdienenden immer stärker von der Altersgruppe 65+ erbracht werden. Bei den Jüngeren zeigt sich wenig Spendenbegeisterung: Sie spenden vergleichsweise geringe Anteile von ihren üppig wachsenden Einkommen. Die Boomer-Generation, wird oft als Hoffnungsträger des Spendenmarkts gesehen, da sie mit großer Personenzahl nun zunehmend in die spendenstärkste Altersgruppe aufrückt. Dennoch ist auf sie hier offensichtlich wenig Verlass. Sie spendet relativ wenig im Vergleich zu ihrer zahlenmäßigen Entwicklung, und ihre Spendenbeteiligung sinkt kontinuierlich. Es ist daher keineswegs sicher, dass die Top-Verdienenden auf Dauer zu einer positiven Entwicklung bei den Spenden beitragen und so als „Retter des Spendenmarktes“ aktiv sind.
Am meisten alarmierend ist: Für alle Altersgruppen und für alle Einkommensklassen bei den Top-Verdienenden zeigt sich, dass immer weniger Personen spenden. Auch die vom Spendenrat für die gesamte deutsche Bevölkerung ermittelte Spendenbeteiligung ist seit 20 Jahren immer weiter geschrumpft. Allein diese Entwicklung weist klar in Richtung eines langfristigen Abwärtstrends bei den privaten Geldspenden in Deutschland, wenn sie sich auch in den nächsten Jahren weiter fortsetzt. Wir beobachten eine merkliche Abkehr vom Spenden und damit eine immer stärker werdende Nicht-Beteiligung an der Finanzierung der Zivilgesellschaft. Dieses Phänomen zu analysieren, zu verstehen und zu verändern, stellt eine wesentliche Aufgabe dar. Nur so können wir erreichen, dass unsere Zivilgesellschaft weiterhin auch durch private Spenden gestützt wird und inmitten multipler Krisen und Konflikte handlungsfähig bleibt.
* Die Boomer-Jahrgänge werden in den Jahren 1957-1968 verortet (Pötsch & Nieden, 2024).
Literatur: