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von Isabel Gahren
23. Juni 2025
Für mehr Sichtbarkeit, Vernetzung und nachhaltige Strukturen im feministischen Engagement

Für mehr Sichtbarkeit, Vernetzung und nachhaltige Strukturen im feministischen Engagement

Was brauchen feministische und intersektionale Organisationen, um in diesen Zeiten gestärkt zu sein und gesund zusammenzuarbeiten? Und welche Rahmenbedingungen sind dafür nötig? Wie wichtig feministische Förderpraxis ist, um  bestehendes feministisches Engagement sichtbar zu machen und zu unterstützten, war zentrales Thema unseres Netzwerktreffens am 7. Juni 2025 im Spreefeld in Berlin.

Dort haben wir uns mit den geförderten, engagierten Initiativen, Aktivist*innen und Vertreter*innen von Stiftungen ausgetauscht, die eines verbindet: Der Einsatz für feministische und demokratische Werte.

Das Programm L’Echelle ist ein Programm zur Stärkung von Organisationen, die sich für intersektionale und feministische Themen engagieren. Zusammen mit der Fondation CHANEL begleiten wir darin zehn Organisationen bei ihrer Stärkung und Konsolidierung, sowie ihren Vorhaben, ihre Themen zu platzieren und Projekte umzusetzen. 

In Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt und Gleichberechtigung unter Druck geraten, braucht es darüber hinaus mutige Allianzen – zwischen Zivilgesellschaft, Fördernden und politisch Handelnden. 

Wir haben darüber gesprochen, wie Förderung nicht nur finanziell, sondern auch strukturell und solidarisch gestaltet werden kann. Wie Vertrauen entsteht. Und wie feministische Perspektiven und Demokratiestärkung zusammengedacht werden können, um aus der "Nische" zu kommen.

Denn feministisches und intersektionales Engagement leistet zentrale Arbeit für gesellschaftlichen Wandel – und bleibt dennoch oft unsichtbar. Um das zu ändern, braucht es gezielte Öffentlichkeitsarbeit, starke Kampagnen und Zukunftsutopien, die Hoffnung stiften. Aus Ideen müssen wir Narrative entwickeln – für mehr Sichtbarkeit und gesellschaftliche Wirksamkeit. Wichtig: Diese Kommunikationsarbeit darf nicht unbezahlt „on top“ passieren – sie muss finanziert und eingeplant sein.

Im Folgenden findet ihr die Zusammenfassung der Erkenntnisse des fruchtbaren Tages. Und es zeigt: viele gute und wichtige Gedanken zur strukturellen Stärkung feministischen und damit demokratischen Engagements entstehen, wenn engagierte Köpfe im Raum sind, denen unsere Gesellschaft am Herzen liegt. 

So erfordert die Stärkung feministischen und intersektionalen Engagements gezielte Maßnahmen auf mehreren Ebenen:

1. Sichtbarkeit schaffen & Narrative stärken

Feministisches Engagement muss sichtbarer werden – durch kluge Öffentlichkeitsarbeit, kreative Kampagnen und das Entwickeln positiver Zukunftsutopien. Aus Ideen für eine gerechtere Welt können starke Narrative entstehen. Intersektionale Vernetzung – innerhalb der Zivilgesellschaft, mit anderen Organisationsthemen, Medien und Journalist*innen – ist deshalb zentral für Reichweite und Wirkung. Doch sie kostet Kapazitäten. Wichtig ist deshalb: Diese Arbeit darf nicht „on top“ passieren – sie muss finanziell und personell mitgedacht werden, sonst bleibt sie Stückwerk..

2. Vernetzung ausbauen & Bündnisse fördern

Der Aufbau intersektionaler Netzwerke und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen, Medien und Journalist*innen sind essenziell – kosten aber Zeit und Energie. Auch diese Vernetzungsarbeit braucht gezielte Finanzierung, um wirksam zu sein.

3. Strukturelle Förderung sichern

Statt kurzfristiger Projektlogik („Projektitis“) braucht es flexible, langfristige Förderungen – auch in Notfällen. Kernfinanzierungen helfen Organisationen, sich nachhaltig zu stabilisieren. Ebenso wichtig sind niedrigschwellige Anträge, Partizipationsmöglichkeiten und echte Mitgestaltung an Konzepten. Lokale feministische Strukturen und Stimmen sollen gestärkt werden. Und nicht zuletzt: Selbstfürsorge ist kein Luxus. Psychosoziale Unterstützung für Mitarbeitende sollte fest eingeplant werden.

3. Strukturelle Förderung ernst nehmen

Aktuell führen politische Kürzungen besonders im feministischen Bereich zu Unsicherheit. Es braucht grundlegende strukturelle Veränderungen in der Förderlandschaft:

  • Langfristig statt kurzfristig: Einjährige Kleinprojekte binden mehr Energie für Anträge und Berichte, als sie bringen. Organisationen brauchen langfristige, flexible Mittel.
  • Flexibilität sichern: Finanzierungspläne sollten Spielraum lassen für Planänderungen und Notfälle.
  • Ressortübergreifende Förderung: Feminismus darf kein Nischenthema mehr sein – es muss als Querschnittsaufgabe ressortübergreifend gefördert werden.
  • Kritik ermöglichen: Abhängigkeit von staatlicher Förderung schränkt oft die kritische Stimme von Initiativen ein. Unabhängigere Finanzierungsmodelle sind nötig.
  • Overhead mitdenken: Projektförderungen müssen Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Miete und Personal realistisch abdecken – nicht nur konkrete Maßnahmen.
  • Selbstfürsorge einplanen: Psychosoziale Unterstützung für Mitarbeitende sollte selbstverständlich sein.

Feministisches Engagement ist Demokratieförderung – aber wie stärken wir es nachhaltig?

Feministisches und intersektionales Engagement ist kein Randthema – es ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Dennoch bleibt die strukturelle Förderung dieses Bereichs hinter seinem gesellschaftlichen Wert zurück. Wie also schaffen wir es, feministische Arbeit langfristig zu stärken – finanziell, inhaltlich und strategisch?

1. Langfristig fördern – statt nur kurzfristig reagieren

Feministische Organisationen arbeiten in einem chronisch unterfinanzierten Sektor. Was sie brauchen, ist echte Planungssicherheit: langfristige und flexible Förderungen statt Projekt-Hopping. Denn demokratiestärkende Arbeit – wie Organisationsentwicklung oder strukturelle Konsolidierung – braucht Zeit, Vertrauen und Ressourcen.

2. Feministisches Engagement als Demokratieförderung sichtbar machen

Feministische, intersektionale Arbeit ist kein Nischenthema – sie ist ein Bollwerk gegen soziale Spaltung. Es lohnt sich, ihre Wirkung auf den Erhalt demokratischer Strukturen deutlich zu machen und diese Perspektive stärker ins Zentrum der Förderdiskussion zu rücken.

3. Sprache öffnen, Brücken bauen

Viele feministische Organisationen arbeiten mit Begriffen und Konzepten, die nicht sofort überall anschlussfähig sind. Deshalb braucht es Übersetzungsarbeit:

  • Wie kann feministisches Engagement anschlussfähig an bestehende Förderlogiken werden?
  • Beispiel: Frauenhäuser schützen nicht nur Frauen*, sondern auch Kinder – das öffnet Türen zu Stiftungen mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendhilfe.

4. Neue Zugänge & Schnittmengen finden

Um Förderpartnerschaften auszubauen, ist es zentral, gemeinsame Werte und Ziele zu identifizieren. Unterschiedliche Geschichten aus diversen Perspektiven helfen, Engagement greifbar zu machen. Unterschiedliche Sprachen für das gleiche Anliegen können Brücken schlagen – zwischen Organisationen und Stiftungen, zwischen privaten Geldgeberinnen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen.

5. Innovative Modelle fördern & multiplizieren

Initiativen wie die Alliance for Gender Equality zeigen: Förderlogiken lassen sich neu denken. Etwa durch Modelle wie ein „Förderticket“ mit narrativem Einstieg, das auch andere Geldgeber*innen einlädt mitzumachen – aus FOMO (Fear of Missing Out) wird Empowerment.

Fazit: Räume öffnen, Sprache teilen, Strukturen stärken

Wer feministische und intersektionale Arbeit fördert, stärkt die Demokratie. Es braucht dafür neue Allianzen, offene Gespräche, strategische Übersetzungsarbeit – und den Mut, auch ungewohnte Wege zu gehen.

Danke an alle, die ihre Erfahrungen, Visionen und Kritik geteilt haben – und an alle, die tagtäglich für eine gerechtere Gesellschaft einstehen. Wir freuen uns auf euer Feedback oder Anmerkungen hierzu an: support@betterplace-lab.org.

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Die erste Folge in der Resilienz-Reihe