Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Connect the BoP“ der GIZ habe ich letzten Mittwoch am Webinar zu „ICT for Microfinance & Microinsurance“ teilgenommen. Dabei ging es um die Frage: Wie einkommensschwache Menschen (Base of the Pyramid, BoP) auf der ganzen Welt Zugang zu wichtigen Dienstleistungen, wie Versicherungen und Krediten, bekommen können?

Die Handynutzung in Afrika ist in den letzten zwölf Jahren von 1 Prozent auf über 54 Prozent gestiegen. Handys sind in Entwicklungs- und Schwellenländern weit verbreitet, sie stellen die technologische Infrastruktur für den Zugang zu innovativen Dienstleistungen. So können Kleinbauern per Handy Marktpreise in entfernten Städten abrufen, Patienten medizinische Beratung einholen oder Kleinhändler Finanztransaktionen per SMS kostengünstig abwickeln. Vier Experten zum Thema Mobile Microfinannce & Microinsurance stellten ihre innovativen und erfolgreichen Produkte und Business Modelle vor. Peter Gross, von MicroEnsure sprach über einige Erfolgsbeispiele von Handy Mikroversicherungen in Tansania, Ghana und Senegal. „In einigen afrikanischen Ländern gibt es einen regelrechten Boom von Mikroversicherungen, die an die Handynutzung gekoppelt sind“,  mit Wachstumsraten bis zu 200 Prozent. Dabei gilt es vor allem Produkte auf die Bedürfnisse der Kunden und die örtlichen Gegebenheiten zuzuschneiden und Prozesse stark zu vereinfachen. Für die Mikroversicherungen gibt es keine komplizierten Antragsformulare, „nicht einmal eine ID Karte ist notwendig“. Versicherungsansprüche können unproblematisch per Anruf oder SMS eingefordert werden. Dafür gilt der Versicherungsschutz nur für eine begrenzte Zeit (max. ein bis zwei Jahre). Das erste Produkt von MicroEnsure war die Tigo Family Insurance in Ghana, das 2012 mit dem „Most Innovative Mobile Product Award“ ausgezeichnet wurde – und ein case bei uns im Trendreport ist. Eugene Danilkis von Mambu stellte verschiedene cloud-basierte Software Produkte für Mikrofinanzinstitute vor. Danilkis betonte, „durch Web- und Cloud basierte Produkte kann Geld für Infrastruktur und Administration gespart werden“. Benjamin Njenga von Kilimo Salama stellte Mikroversicherungen für Landwirte in Ostafrika vor, die beispielsweise vor Ernteausfällen schützen sollen und Sonja Oestmann von Intelecon fasste die Chancen und Herausforderungen für Mobiltechnologien und Mikro-Kredite und Versicherungen zusammen. Es gibt enormes Potenzial im Bereich Mobile Microfinance & -insurance in Entwicklungs- und Schwellenländern. Über 90% der Beschäftigten arbeiten oder betreiben selber small business. Um dieses Potenzial auszuschöpfen muss vor allem der Zugang zu diesen Dienstleistungen erweitert werden, die Kosten gesenkt und Vertrauen aufgebaut werden und Prozesse müssen einfach und verständlich sein. Internet und Handys können dabei helfen diese Herausforderungen zu meistern. Cool, dass die GIZ diesem Thema mehr Raum bietet und Menschen an unterschiedlichen Orten der ganzen Welt (u.a. Kenia, Singapore, Deutschland) digital zusammenbringt. Das Webinar dient dem fachlichen Austausch von Experten auf der ganzen Welt und als Teilnehmer kann man die Experten im Chat mit Fragen löchern. Dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr Interaktion von Seiten der anderen Teilnehmer gewünscht.