Das Schicksal der Flüchtenden in der aktuellen Krise hat zu einem Engagement geführt, das es in dieser Form noch nie gegeben hat. Menschen helfen nicht nur mit ihrem Geld und ihrer Zeit, sondern zeigen sich unternehmerisch, in dem sie neue, oft digitale Lösungen bauen. Hier geben wir einen Überblick der wichtigsten Initiativen.

Die Dynamik in der Flüchtlingshilfe ist enorm. Menschen auf der Flucht fehlen wichtige Informationen: Wie Asyl beantragen? Wo gibt es Unterkünfte, medizinische Versorgung, Orientierung und Unterstützung bei der Integration? Bislang gibt es für all diese Bedürfnisse nicht die eine Lösung.

Allerdings haben sich bereits Gruppen von oft jungen, internet-affinen Menschen gebildet, die wild entschlossen sind, digitale Lösungen zu finden. Im Laufe der letzten Monaten sind zahlreiche Initiativen im Bereich der „Digitalen Flüchtlingshilfe“ entstanden, und es kommen jede Woche neue hinzu. Oft entwickeln unterschiedliche Teams parallel die gleiche Lösung – und machen dabei die gleichen Fehler.

Seit September sammeln wir alle Cases in einem Google-Doc, das wir jetzt hier offenlegen, und wollen so zur Analyse und zum Austausch beitragen.

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Was gibt es bisher?

Bis heute haben wir 76 Initiativen identifiziert und kategorisiert. Momentan enthält die Liste eine sehr diverse Mischung an Projekten. Diese umfasst sowohl Hilfsangebote in Deutschland als auch welche, die während der Flucht helfen: Websites zur Orientierung, wenn man in Lesbos ankommt, Hardware-Innovationen, die für W-LAN in Flüchtlingslagern sorgen, themenspezifische Crowdfunding-Portale oder Projekte zur Familienzusammenführung, die  schon seit mehreren Jahren in Ostafrika sehr aktiv sind.

Mit unserer Tabelle wollen wir die Entwicklungen im Bereich der digitalen Flüchtlingshilfe zeigen und verstehen lernen. Deshalb werden wir sie regelmäßig aktualisieren und mit Daten ergänzen, auch wenn diese häufig nicht leicht zu beschaffen sind. Auf den Homepages zu den Initiativen lässt sich z. T. schwer erkennen, ob es sich um ein Freizeitprojekt von ein paar motivierten Studenten handelt oder ob es bereits große finanzielle Unterstützung durch Dritte gab.

 

Wie geht’s weiter?

In den kommenden Monaten wird es viele Fragen zu klären geben. Eine zentrale ist, wann auf die Explosion neuer Initiativen (besonders in Deutschland) die Konsolidierung folgt. Vorgestern wurde z. B. die Plattform GoVolunteer gelauncht und im Erklärungsvideo sagt deren Gründer, GoVolunteer solle die zentrale Koordinationsplattform für Flüchtlingshilfe in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden. Das Projekt sieht beeindruckend aus, und so stehen die Chance gar nicht schlecht. Jedoch können diesem Anspruch eben nicht alle Initiativen gerecht werden; das Monopol kann immer nur einer haben. Es ist jedoch noch unklar, ob und wann sich eine Monopolstellung unter den Projekten herauskristallisieren wird. Mehrere Veranstaltungen in nächster Zeit (einige davon gestalten wir im betterplace lab mit) versuchen, diesen Prozess zu beschleunigen und die Kräfte auf einzelne Initiativen zu bündeln.

Wir möchten weiter forschen. Wir interessieren uns dafür, inwiefern die Initiativen und Gruppen, die jetzt entstehen, neue Akteuere darstellen, oder ob diese vielmehr bestehende Netzwerke aktivieren und adaptieren (wie z. B. clarat). Werden diese sich internationalisieren oder bleibt es bei nationalen und regionalen Initiativen, die weitgehend getrennt und parallel agieren? Wir sehen hier ein großes Potenzial für Vernetzungen und Synergien zwischen den Projekten.

Wenn Du eine weitere Initiative kennst, die es noch nicht in unsere Tabelle geschafft hast, freuen wir uns auf einen Hinweis in den Kommentaren.