Wir arbeiten am Inneren und Äußeren. Und manchmal malen wir es auch.

 

Ein Jahr betterplace lab liegen hinter mir und ich resümiere. Ich habe angefangen als Elternzeitvertretung. Dann war ich Teammitglied, das bleiben wollte. Dann Teammitglied das gehen wollte. Dann wieder bleiben. Nun gehe ich. Es fiel mir nicht leicht, denn es war ein bewegendes Jahr voller neuer und toller Erfahrungen, Erkenntnisse und Möglichkeiten. Es war aber auch ein Jahr mit emotionalen Höhen und Tiefen und viel dazwischen. Wo fange ich an? Am besten bei mir selbst:

Ich war bislang nie gut darin, auf mein Bauchgefühl zu hören, auch wenn ich es immer irgendwie gespürt habe. Im lab gelang mir das zum ersten Mal und ich war verblüfft, wie gut ich mich darauf verlassen konnte und hier auch den Raum hatte, es zu dürfen. Denn im Team war das Bauchgefühl meistens das, was unsere guten Entscheidungen geleitet hat. Wir sprachen auch regelmäßig über dieses instinktive Gefühl, zu dem die meisten einen sehr guten Draht haben. Das richtige Bauchgefühl hat mir das erste halbe Jahr den Zugang zur Arbeit im lab erleichtert, die doch sehr anders war zu dem, was ich aus meiner vorherigen Unilaufbahn gewohnt war. Viel schneller, viel lauter, viel agenturiger, viel quirliger, kreativer, verrückter, unberechenbarer, spannender. Ich tauchte ein in ein für mich gänzlich neues Umfeld aus Social Entrepreneurs und positiv getriebenen Menschen mit Mut und Willen, die Welt zu verbessern. Dieser Spirit war ebenfalls im lab Team vorhanden, auch wenn es eher die beobachtende und beforschende Rolle inne hat, indem es andere Akteure in ihrem digital-sozialen Tun analysiert und unterstützt.

Aber mit dem Beforschen anderer war es uns nicht genug. Wir wollten auch uns selbst als lab-Organismus besser kennen lernen um zu verstehen, wie wir mit größtmöglichen Freiheiten das Beste in uns und unserer Arbeit freilegen. Sei es bezüglich unseres kreativen Potenzials, unserer Selbstwahrnehmung oder auch unserer Kompetenzausbildung im Team. Kurzum, wir befanden uns im Prozess des Team Transformers und wir hatten uns viel vorgenommen. Dazu organisierten wir regelmäßig Retreats, die uns zweimal im Jahr nach Frankreich in die Abgelegenheit der nizzaischen Berge oder auch mal nach Paretz bei Berlin führten, wenn es nur ein Wochenende werden sollte. Wir tauchten ein in die Prozesse des outer und inner work nach Laloux und dem New Work Modell der Teal Organization, des maximalen Selbstmanagements und der Selbstorganisation, die nach Ganzheit und Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit strebt, ohne den Menschen dahinter aus dem Blick zu verlieren.

Ich habe gelernt, dass New Work viel harte Arbeit ist, die sich am Ende auszahlen kann, wenn man für die Sache brennt. Ja, es war toll. Es war emotional. Es war auf und ab. Es war hart. Es war viel. Zu viel für meinen Geschmack. Ich war überfordert. Zu viel inner work, ohne das outer work schon genug zu kennen. Auf einmal war das Bauchgefühl weg. Wo war es hin? Ich spürte, dass ich mich selbst nicht mehr spürte und die Verbindung zu meinem Inneren trotz oder aufgrund von inner work verloren hatte. Ich war verwirrt und frustriert. Ich hatte das Gefühl, wir verlieren auf dem Weg zur vollkommenen Organisation nach Laloux unsere Leichtigkeit, die wir für den kreativen Wahnsinn und den Raum für Rotz, wie wir es genannt haben, brauchten. Wir begannen, uns selbst zu ernst zu nehmen und drohten, uns von unseren überfrachteten Rollen und den damit verbundenen Aufgaben erdrücken zu lassen. Das forderte seinen Tribut. Wir waren verunsichert, einige Teammitglieder entschlossen sich, zu gehen. Es schien keine gemeinsame Marschrichtung mehr zu geben. Alle waren irgendwie für einen Moment erstarrt. Wie sollte es weiter gehen? Wie konnten wir gegensteuern? Sollten wir denn gegensteuern? War es ein natürliches Gesundschrumpfen, das seine Tribute fordert? Und half uns dieser Scheideweg die individuellen Bedürfnisse besser einordnen und im Team abstimmen zu können?

Ein kleines Team hat den Vorteil, dass es agil ist und schnell handeln und nach neuen Wegen und Möglichleiten suchen kann, um eine ungute Situation aufzulösen. Auch wenn die Teamveränderungen zeitweise als irritierend wahrgenommen wurden was unser New Work-Modell anging, entstand dadurch gleichzeitig eine Nachjustierung der Werte und Bedürfnisse im verbleibenden Team, die sich in einer anderen Form von New Work mit einer Prise Holokratie beschreiben lassen. Aufgaben wurden neu verteilt, Profile geschärft, Verständnis und Anspruch an die gemeinsame Arbeit und Anforderungen an jeden einzelnen im Team und neue Teammitglieder konkreter formuliert.

Dennoch verspürte ich diesen positiven Wind nicht mehr für mich. Ich habe gemerkt, dass ich im lab und seinem Team Transformer nur kurzzeitig ein Zuhause gefunden hatte, dass ich meinen Spielplatz aber mehr in der ökologisch-politischen Nachhaltigkeitsarbeit sehe. Mit dem lab habe ich ein agiles Arbeitsumfeld mit für mich wertvollen menschlichen Begegnungen kennen und schätzen gelernt. Die Erfahrung zeigt, dass man sich bei betterplace immer mindestens zweimal trifft. Man geht nicht einfach, sondern bleibt Teil des Netzwerkes im betterplace-Universum und kommt immer wieder mal vorbei geflogen. Wie ein Bumerang. Danke für ein unglaublich intensives Jahr, liebes lab! Du bist was Besonderes!