Stakeholder Feedback
Wie können wir herausfinden, was Hilfsprojekte für die Begünstigten eigentlich bewirken? Indem wir sie fragen! Im Bereich Stakeholder Feedback experimentieren wir mit SMS-, Video- und Online-Technologie, um jenen Menschen eine Stimme zu geben, die sich bislang nicht beschweren konnten – oder bedanken.
Zusammenfassung
Woher wissen wir, was Hilfsleistungen für die Empfänger bewirken? Dieser Frage nähern wir uns im Projekt Stakeholder-Feedback, was mit Beteiligten-Rückmeldung übersetzt werden kann. Wir testen technologiegestützte Feedbacksysteme wie SMS, Video oder Twitter, um herauszufinden, ob und wie es möglich ist, Begünstigte mitbestimmen zu lassen. Die Begünstigten können so Bewertungen über Qualität und Wirkung der Projekte direkt und vor Ort abgeben. Die neuen Feedback-Mechanismen werden wir nach einer Pilotierungsphase allen auf betterplace.org registrierten Projekten zur Verfügung stellen.
Die Empfänger der Hilfe sollen sich äußern können
betterplace.org setzt schon jetzt verschiedene Vertrauensmechanismen wie Freundes- und Besucheraussagen, Spendensiegel und anerkannte Gemeinnützigkeit ein. Das Ziel des Stakeholder-Feedback-Projektes ist es, dieses bereits bestehende Web of Trust systematisch zu erweitern, vor allem hinsichtlich seiner Aussagekraft, welche Projekte tatsächlich qualitativ hochwertig sind – und zwar für die, die sie betreffen. Dehalb stehen dabei für uns die Begünstigten, also die eigentlichen Nutzer der entwicklungspolitischen Initiativen und Programme im Mittelpunkt. Sie selbst sollen Feedback über positive und negative Wirkungen des jeweiligen Hilfsprojektes abgeben können. Für solche Feedbackschleifen testen wir vor allem Kommunikationstechnologien wie SMS oder Video.
Unsere Annahme: besseres Wirkungsmonitoring führt zu höherer Spendenbereitschaft
Das Team von betterplace.org geht davon aus, dass durch größere Transparenz und umfassendere Evaluations- und Vertrauensmechanismen effektiveren Organisationen und Projekten mehr Ressourcen zukommen werden als ineffektiven. Unterstützer werden transparente und vertrauensstärkende Projekte bevorzugen. Stärkeres Wirkungsmonitoring wird dazu führen, gute Projekte von besseren zu unterscheiden.
Soziale Projekte sollen punktgenau und schnell angepasst werden können
Das Internet eröffnet neue Feedback-Möglichkeiten. Auf kosteneffiziente Weise kann Feedback von allen relevanten Beteiligten eingeholt und so aggregiert werden, dass es übersichtlich zugänglich wird – etwa durch SMS-Feedback, das ähnlich wie twitter-Nachrichten an einer öffentlichen virtuellen Pinnwand gelistet wird. Diese Akkumulierung von Meinungsbildern bezeichnet man auch als Crowdsourcing. Als komplementäre Wirksamkeitsbelege zu Berichten, die "von oben" und von externen Evaluatoren aus den Zentralen der Hilfsorganisationen kommen, setzen solche Feedback-Systeme "unten“ an. Sie beziehen diejenigen mit ein, auf die die Projekte direkt wirken. Weil das Feedback in Echtzeit übermittelt wird, können laufende Programme punktgenau und schneller angepasst werden.
Stakeholder Feedback führt zu:
- besserer Problemerkennung durch verschiedene Meinungen
- Mitwirkung der Betroffenen an Problemlösungen
- gezielterer Verteilung von Ressourcen
- Einführung eines neuartigen Echtzeit-Wirkungsmonitorings
- schnellerem Aufdecken von Missmanagement und Betrug
- Echzeitkommunikation direkt mit Begünstigten von Hilfsprojekten
- authentischen Zusatzinformationen für Geldgeber
- besseren Antworten auf die Frage nach der Wirksamkeit von sozialen Projekten
Welche Technologie eignet sich für Stakeholder Feedback?
Wie hilfreich einzelne Technologien für die Sammlung von Feedback sind, variiert nach Land und Kommunikationsanlass. Begünstigten-Feedback über Mobiltelefonie hat v.a. in Entwicklungsländern ein großes Potenzial. Dort ist das Internet und die Festnetzinfrastruktur bei weitem nicht so entwickelt wie lokale Mobilnetze. Über 73% aller Handynutzer befanden sich Ende 2010 in Entwicklungsländern. Mobilmärkte vieler afrikanischen Länder verzeichnen sehr hohe Wachstumsraten: In Kenia hat sich die Anzahl der Mobilnutzer zwischen 2005 (ca. 5,3 Mio) und 2010 mehr als vervierfacht (ca. 22 Mio): "Das Handy ist Afrikas PC". Einige Entwicklungsorganisationen, NGOs und Regierungen in Entwicklungs- und Schwellenländern haben dieses Potenzial bereits erkannt. Immer mehr Initiativen versuchen die Reichweite der Mobiltechnologie für Crowdsourcing zu benutzen, z.B. im humanitären Krisenmanagement und dem "mobilen Gesundheitswesen" (mHealth). In der Entwicklungszusammenarbeit ist dies noch kaum der Fall. Könnte die oben beschriebene technologische Basis helfen, Begünstigten eine andere Stimme im Entwicklungsprozess zu geben? Diese Fragen erforschen wir im Rahmen unserer Arbeit.
Doch nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch hierzulande könnte ein SMS-basierter Feedbackmechanismus an Bedeutung gewinnen. Unsere Pilot-Erfahrung in Deutschland aus der ersten Projektphase (siehe nächster Absatz) zeigte, dass dies vor allem mit jugendlichen Projektzielgruppen funktioniert.
Aktuell
- Zweite Pilotierungsphase: Ende Mai 2011 haben wir unsere erste Pilotierungsphase abgeschlossen. Gefördert durch die Robert-Bosch Stiftung mit 15 000 EUR, entwickelten wir mit unserem Projektpartner TickerTXT ein SMS-Gateway und testeten die Technologie in 3 Pilotfällen: zwei Projekte mit dem Anne Frank Zentrum in Deutschland und ein Projekt in Indien. Über die Projektergebnisse und unsere Erkenntnisse könnt Ihr im Abschlussbericht lesen: Unsere Projektergebnisse und das wachsende Interesse vieler internationaler Organisationen an Begünstigten-Feedback haben uns in unserem Ziel bestärkt, das Projekt zu skalieren. Aufbauend auf die bisherigen Erkenntnisse haben wir das Projektkonzept justiert und weiterentwickelt - insbesondere um Ansätze ergänzt, die die größten Herausforderungen (Partizipationsanreize für Begünstigte und Promotionsmaßnahmen) zu bewältigen versuchen. Im nächsten Schritt möchten wir zwei weitere Piloten durchführen: 1) eine Entwicklungsinitiative hauptsächlich in Subsahara-Afrika mit Begünstigten-Feedack unterstützen, und 2) ein Pilotprojekt in Deutschland durchführen. Für den letzteren haben wir bereits einen interessierten Partner im Bildungsbereich gefunden: buddY E.V.
- Internationaler Überblick: Wir haben 2010 einen internationalen Überblick erarbeitet, der zeigt, welche Ideen bereits wo umgesetzt, welche Standards entwickelt und welche relevanten Themen erforscht werden.
Die folgenden pdfs sind Mindmaps, in denen Sie die Firefox bzw. GoogleChrome-Symbole anklicken können, um direkt auf die verlinkten Webseiten zu gelangen.- Accountability Standards:

- Einsatzbereiche digitalen Feedbacks:

- Pilotprojekte für Begünstigten Feedback in der Entwicklungszusammenarbeit (nach Sektoren gegliedert):

- Impact Measurement:

- Accountability Standards:
- Interviews: Seit 2010 führen wir Interviews mit internationalen Experten aus dem Bereich Feedback Systeme in Wirtschaft, Entwicklungsorganisationen und Softwareentwicklung.
- Wissenschaftliche Publikationen: Im Herbst 2011 planen wir erste grössere Publikationen zum Thema Stakeholder Feedback in deutsch- und englischsprachingen Fachjournals zu veröffentlichen.
- Workshop: Gemeinsam mit der Humboldt Viadrina School of Governance haben wir am 3. September 2010 einen Workshop zum immer wichtiger werdenden Thema Vertrauensökonomie veranstaltelt. Nutzergetriebene Feedbacksysteme sind Teil dieses Themas. Hier haben wir den Workshop reflektiert.
- Video: Zusammen mit dem US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmen Cisco haben wir 2010 einen Video-Feedback-Wettbewerb durchgeführt. Mit kleinen, einfachen FLIP-Kameras dokumentierten ausgewählte betterplace.org-Projekte die Wirkung ihres sozialen Engagements.
- SMS Schnittstelle auf betterplace.org: Wir planen langfristig, eine SMS-Feedback-Schnittstelle auf betterplace.org zu implementieren. Dort soll SMS-Feedback von Begünstigten direkt und transparent abgebildet werden.
Für die Durchführung unseres Projektvorhabens suchen wir nach Förderern, die Interesse an Entwicklungszusammenarbeit und digitalen Medien haben. Erstens möchten wir den Ansatz Stakeholder Feedback im Rahmen eines längeren Pilotprojektes in einem Entwicklungsland umsetzen. Zweitens möchten wir ein Begünstigten-Feedback-Programm für buddY E.V. im Bildungsbereich in Deutschland starten. Drittens möchten wir eine technologische Schnittstelle für betterplace.org etablieren.
Methoden
Wir sind davon überzeugt, dass wir beständig pilotieren und testen müssen, um die geeignete Technologie für verschiedene Nutzer in verschiedenen Gesellschaften zu finden. Dazu nutzen wir Methoden der Anthropologie, Sozialwissenschaften, Software-Entwicklung, Evaluationswissenschaften und dem interdisziplinären Design Thinking. Wir verstehen uns als Suchende in Aktion und experimentieren mit unterschiedlichen Methoden in unterschiedlichen Kontexten. Denn es gibt verschiedene Formen von Hilfsorganisationen, Kulturen und Gesellschaften, usw. Wenn wir eine gute Lösung finden, skalieren wir das Pilotprojekt zu einer größeren Anwendung, damit es weite Verbreitung findet. In diesen Methoden spiegelt sich wider, wie das betterplace lab arbeitet.
Bei Fragen können Sie sich gerne an und wenden. Oder Sie nutzen unser Kontaktformular.
