Der Ruf der Digitalisierung hat im vergangenen Jahr stark gelitten. Trump habe dank Social Media und schlauer Algorithmen das Rennen gemacht. Begriffe wie Social Bots und Cambridge Analytics geisterten durch Netz, Funk und Fernsehen. Viele Menschen hatten den Eindruck: Das Internet ist schuld an Populismus und Radikalisierung.

Gleichermaßen gibt es die Hoffnung, mit Tech dagegen zu halten. Wir haben digitale Lösungen gesammelt, die genau das tun: Zivilgesellschaft und Demokratie stärkenViele dieser Tools gibt es nicht erst seit Trump mit Twitter Börsenkurse zu Fall bringt oder alternative Fakten verbreitet, sondern schon seit einigen Jahren und in verschiedenen Ländern. Die Initiative PESACHECK macht es beispielsweise seit über fünf Jahren für Tansania, Kenia und Uganda vor: Sie prüft Zahlen und Statistiken, die Politiker verbreiten, und ordnet Aussagen ein. Wir vom betterplace lab beobachten derzeit einen positiven Trend, ja eine Welle an digitalen Werkzeugen, die in die gleiche Richtung gehen: Sie wollen aufklären, Fakten sammeln, Mythen und Gerüchte widerlegen, politische und gesellschaftliche Partizipation ermöglichen und bei Entscheidungen helfen.

 

Welche Tools gibt es bisher?

Bisher haben wir 75 digitale Werkzeuge und Initiativen gesammelt und kategorisiert. Die Liste reicht von Apps, die Anonymität im Netz garantieren (Anti Censorship Shelter, Open Whisper Systems), bis Websites, die Partizipation und Transparenz fördern (DemTools, politik.de). Es gibt hoax- und fact-checking-tools (Snopes, New Helper), Diskussionsplattformen und Werkzeuge, die bei politischen Entscheidungen helfen (Fupol, vote.org). Dazu zahlreiche Ansätze aus Wissenschaft und Journalismus (GeschichtsCheck, schmalbart), und Initiativen, die ihren Anlass im Netz finden, dann aber vor allem draußen und offline aktiv sind (#nichtEgal, Wall Of Us).

Wir wollen diese Google-Docs-Liste hier teilen, damit sie allen zugänglich ist und sich weiterentwickelt. Wir wünschen uns, dass sich Initiativen vernetzen und glauben, dass die Macherinnen und Macher voneinander lernen können. Also: Wenn ihr was kennt, freuen wir uns über einen Hinweis!

75 digitale Werkzeuge und Initiativen zur Digitalen Demokratieförderung

75 digitale Werkzeuge und Initiativen zur Digitalen Demokratieförderung

 

Wie geht es weiter?

Wir wollen weiter zu „Tech for Democracy“ forschen und dabei herausfinden, wie das Netz der Zivilgesellschaft helfen kann, mit Echokammern, Falschmeldungen, der Umdeutung von Social Media zum Propaganda-Instrument und rechtspopulistischem Gedankengut umzugehen.

Wir glauben, dass digitale Werkzeuge demokratische Systeme langfristig stärken können. Es stehen mehrere europäische Wahlkämpfe vor der Tür. Wir sind gespannt, wie diese Tools dabei helfen und eingesetzt werden: faire Methoden, die die freie Willensbildung stärken und Menschen motivieren, sich an politischen Debatten konstruktiv zu beteiligen.

Wir glauben, dass viele Initiativen und Ideen das Potenzial haben, Menschen mitbestimmen zu lassen. Wie wunderbar demokratiefördernd digitale Tools und Plattformen sein können, durften wir schon erleben: Der World Development Report 2016 betont zu Recht, dass auch dank Social Media Proteste im Arabischen Frühling koordiniert, Anti-Kriegs-Demos in den USA auf die Straße gebracht und Bürgerinnen und Bürgern in afrikanischen Ländern mobilisiert wurden. Wir sind gespannt, was der nächste große Coup in der digitalen Demokratieförderung ist. Dazu wollen wir forschen und erzählen. In diesem Sinne: Raus aus der Filterbubble!