Es ist wie mit allem. Am Anfang ist es aufregend, ungewiss, verlockend; in der Euphorie schrauben sich die Erwartungen in ungeahnte Höhen, das Büro färbt sich rosa. Man verliebt sich und investiert sich. Doch dann schleicht sich allmählich der Alltag ein – vollgestopft mit Arbeit. Der Laden muss laufen, wir müssen funktionieren. Nach dreieinhalb Jahren „New Work“ haben sich etliche Strukturen, Abläufe und das Miteinander eingeschliffen. Das ist auch wichtig, um routiniert und effizient die Arbeit zu bewältigen.

  • Kompetenzbasierte Hierarchien ohne Chef: check
  • Selbstmanagement und Selbstverantwortung: check
  • Potenzialentfaltung und Innovationsfähigkeit: check

Ganz so einfach sollten wir es uns nicht machen. Denn eines ist uns (schmerzlich) klar geworden: Geteilte Führung ist kein Kinderspiel und braucht eine ganze Menge an Selbstkontakt, Reflexion, Austausch und geteilte Vision. So viel zu den einschlägigen Schlagworten. Aber wie können wir uns weiter verbessern, stärkere Ergebnisse erzielen und fröhlichere Mitarbeiter, gar Menschen sein? Bisher haben wir uns dafür einmal die Woche für eine Stunde den Raum gegeben. Bei uns heißt das Format Teamfrühstück. Manchmal geht es darin um Projekte und Themen, meistens allerdings um akute Fragestellungen aus dem Maschinenraum – eigentlich nie ums Frühstück selbst. Zuletzt hatten wir Sessions zu Teamzuwachs, Remote Arbeiten im lab oder Wertschätzung. Darauf aufbauend wollen wir nun einmal im Monat ein Teamfrühstück zur Supervision ausbauen.

Spitzen-Durchblick dank Supervision

In der Supervision arbeiten wir – jetzt kommt das Zauberwort – kontinuierlich am Überthema Geteilte Verantwortung, geteilte Führung und all seinen Ausprägungen im lab. Die Sessions leitet unser Coach Bettina, die uns seit dreieinhalb Jahren durch die Transformation begleitet.

Zum Auftakt haben wir von ihr ein Blatt zur Selbsteinschätzung erhalten: „Wo stehe ich mit mir in Bezug auf“… Strategie, Projektsparring, Entscheidungsfindung, Feedback, Finanzexpertise usw. Damit wollen wir Leerstellen identifizieren, wo es uns im lab also an Kompetenz fehlt bzw. aufdecken, an wen man sich wenden kann, um Unterstützung zu erhalten. Einige der Qualitäten laufen auch ineinander (Klarheit, Überblick, The Big Picture, Strategie, Wirkungsrahmen).

 

Das hat jeder für sich im Vorfeld ausgefüllt und mitgebracht. Und siehe da: Sieht ja gar nicht so schlecht aus. Wir haben bei jeder der Qualitäten mindestens zwei Personen, die sich stabil und selbstbewusst fühlen und auf die die Anderen zurückgreifen können. Auch schön ist, dass sich an irgendeiner Stelle jedes Teammitglied mal wiederfindet und Halt geben kann. Gleichmäßig ist es jedoch nicht verteilt – muss es ja auch nicht sein; vor allem Leute, die schon länger im lab arbeiten, werden häufiger als Stützen ausgemacht.

Die Frage ist jedoch, warum wir dann gefühlt in vielen Situationen nicht auf diese Qualitäten im Team zugreifen können. Warum entsteht ein Mangel, wenn wir doch genug haben? Klingt fast wie Kapitalismus-Kritik.

Hausaufgabe: Raus auf den Balkon!

Die These von Bettina lautet: Wir brauchen eine höhere Dialogqualität. Eventuell schaffen wir es nicht, in den jeweiligen Situationen, auf der einen Seite den Mangel anzusprechen und auf der anderen Halt und Hilfestellung anzubieten. Aber das kann man ja lernen, man muss nur üben, üben, üben. Zum Beispiel mit einer Übung namens Balkon und Tanzsaal: Während der täglichen Zusammenarbeit befinden wir uns gemeinsam – bildlich gesprochen – auf dem Dance Floor und legen eine flotte Sohle aufs Parkett. Im engen Miteinander geht schnell mal die Übersicht verloren. Deswegen versuchen wir nun, uns immer mal wieder auf den Balkon zurückzuziehen. Von oben hat man einen ganz anderen Blick auf das Geschehen: Tanzen alle im Takt? Und wer gibt hier überhaupt den Takt an? Wer freestylt, wer steht an der Bar? Wer tritt wem auf die Füße? Ihr wisst, was ich meine.

Für die Übung ist es wichtig, dass man kurz aus dem Geschehen zurücktritt, indem man sich z. B. in oder nach einem Meeting kurz die Zeit zur Reflexion nimmt. Dann versucht man, seine Eindrücke abzugleichen, aber ohne direkt zu interpretieren. Also: „Waren alle im Takt?“ und nicht „Stephan war nicht im Takt, vermutlich weil…“

Das ist die Herausforderung. Sehen wir das gleiche? Das und zu welchen Übungen wir als nächstes tanzen (Waldorfschüler im Vorteil) erfahren wir in unserer kommenden Supervision.