Für das betterplace lab habe ich mich auf der Social Media Week Berlin auf die Suche nach Neuigkeiten im Sozialen Sektor gemacht. Die Veranstaltung „Open Sourcing a New Nation – Giving Voices to the Voiceless“ am Donnerstag war da natürlich Pflichtprogramm. Thema war der Südsudan als die jüngste Nation Afrikas und die Rolle Sozialer Medien für die Staatsbildung und die nationale Identität. Auf dem Podium diskutierten der Medienexperte Steven Kovats, die Botschafterin des Südsudan Sitona Abdulla Osman und Annette Weber von der Stiftung für Wissenschaft und Politik.

Hat ein neu gegründetes Land in einer Konfliktregion nicht wichtigere Bedürfnisse, als sich um Social Media und Open Source Technologien zu kümmern? Steven Kovats stellte erst einmal vorweg: „Es gibt keine Zukunft ohne diese Techniken. Die Menschen aus dem Südsudan müssen mit diesen Werkzeugen vertraut gemacht werden, damit sie Teil der Weltgemeinschaft werden. Technologie-Kompetenz ist genau so wichtig wie Lesen und Schreiben zu können.“ Als Beispiele für die rasant wachsende Technologisierung Afrikas zitierte er Ushahidi (wir haben einen Insight dazu) und iHUB, eine Innovations-Plattform aus Kenia. „Wir wollen ein globales Dorf werden“ Auch die Botschafterin des Südsudan Sitona Abdulla Osman glaubt an die Innovations-Kraft ihres neu gegründeten Landes: „Viele Menschen haben so tolle Ideen. Aber weil sie in entlegenen Regionen leben, werden sie nicht gehört. Wir brauchen also Medien, Strukturen und Technik für unsere Dörfer. Wir wollen ein globales Dorf werden.“ Wichtig für die Identität der  Südsudanesen sei der Dialog und „Social Media sind dafür besonders gut geeignet“. Dieser Meinung war auch Annette Weber, die als Sudan-Expertin betonte, dass heftige Diskussionen und Hate-Speech zwischen beteiligten Stämmen und Bevölkerungsgruppen auch einen berechtigten Platz in den neuen Online-Communities und Kommentarspalten der Online-Zeitungen des Südsudans hätten: „Es  ist wichtig, dass es diesen Dialog überhaupt gibt. Er ist zwar nicht positiv per se, aber Teil eines langen Prozesses“. Am Ende der langen Gesprächsrunde ist mir vor allem eines klar: Im Südsudan steht alles noch am Anfang. Demenstprechend habe ich auch leider keine konkreten Beispiele und Initiativen mitgenommen. Aber bei diesen optimistischen Zukunftsprognosen der Teilnehmer und diesem großen Enthusiasmus dürften aus Juba, Wau und Malakal bald die ersten Cases für den Trendreport eintrudeln.