Wir werden immer älter: Mitte dieses Jahrhunderts wird jeder zweite Mensch in Deutschland über 50 Jahre alt sein. Damit das Leben auch im Alter noch möglichst lange unbeschwert und selbstbestimmt ist, sind Netzwerke wichtig. Über sie können sich ältere Menschen miteinander verbinden und Hilfe im Alltag wird leichter. Damit das gut funktioniert, sind innovative Ansätze gefragt, die die Bedürfnisse der älteren Generation in den Vordergrund stellen. Hier stellen wir einen Ansatz vor, der seit 5 Jahren in Großbritannien umgesetzt wird.

Vor einigen Jahren fragte man sich im Londoner Bezirk Southwark, wie eine bessere Versorgung und eine höhere Lebensqualität für die älteren Einwohner erreicht werden kann. Interviews und Beobachtungen zeigten: Besonders wichtig war für die meisten soziale Kontakte zu haben, weiterhin geistig fit zu bleiben und Hilfe bei den praktischen Alltagsherausforderungen zu erhalten. Auf dieser Basis wurde 2009 das Netzwerk „The Circle“ für den Bezirk Southwark gegründet. Es folgten weitere Londoner Bezirke sowie die Städte Nottingham und Rochdale. Jeder Einwohner, der über 50 Jahre alt ist, kann bei seinem Circle gegen Zahlung eines recht überschaubaren Jahresbeitrags von umgerechnet etwa 40 Euro Mitglied werden. Geben und Nehmen: Mitgliederkapazitäten werden genutzt Die Idee von The Circle ist, eine Gemeinschaft zu schaffen, die sich im besten Falle selbst hilft. Eine Online-Plattform hilft dabei, Hilfsanfragen und Angebote zusammen zu führen sowie den konkreten Einsatz der Helfer zu organisieren. So funktioniert’s: Man teilt dem Circle mit, welche Unterstützung man braucht und auch, welche Hilfe man geben kann. Zum Beispiel zum Einkaufen fahren oder mal den Garten umgraben. Die Plattform vermittelt dann den geeigneten Helfer. Benötigt man zusätzliche Hilfe für anspruchsvollere Aufgaben, sind auch bezahlte Nachbarschaftshelfer eingeladen, ihre Hilfsangebote abzugeben. Social Impact wird online kommuniziert Seine Wirkung belegt der Circle anhand von Zahlen und Analysen auf seiner Webseite. Hier wird transparent dokumentiert, wie viele Mitglieder miteinander im Austausch stehen, wie oft und mit welcher Besucherresonanz gemeinschaftliche Veranstaltungen stattfanden, wie viele Bildungsangebote wahrgenommen wurden und wie oft bei praktischen Problemen Hilfe über die Plattform vermittelt werden konnte.

Abbildung: Impact des Circles nach Themenbereichen

Sinnvoller Ansatz mit Finanzierungsproblemen Der Circle hat sich als dezentraler Ansatz für die maßgeschneiderte Unterstützung älterer Menschen bewährt. Jeder Circle ist als Sozialunternehmen konzipiert, das flexibel und auf lokale Bedürfnisse hin ausgerichtet agieren kann und dabei mit seinen Ressourcen sparsam sein muss. Die einzelnen Circle tauschen sich zudem untereinander aus, so dass ein „best practice“-Lernen möglich ist. Problematisch bleibt die Finanzierung. Diese wird derzeit in erster Linie durch Mitgliederbeiträge und kommunale Investitionen bestritten. Die Abhängigkeit von öffentlichen Geldern führt aber im Falle von Haushaltskonsolidierungen schnell zu Schieflagen. So musste jüngst der Londoner Circle mangels Finanzierung eingestellt werden. Wenn es aber stimmt, dass dieses Netzwerkmodell den Gemeinden am Ende viel Geld einspart, sollte sich doch ein privater Investor finden, der zwischenfinanziert. Denkbar wären hier Finanzierungsmodelle wie bei den Social Impact Bonds, wo die öffentliche Hand erst zur Kasse gebeten wird, wenn der monetäre Gewinn fest steht, die vorläufige Projektfinanzierung aber z.B. von privaten Banken übernommen wird. Diesen Beitrag haben wir für die 27. Blogparade zum Thema „Netzwerke aufbauen – Chancen und Hindernisse?“ geschrieben.