Haben Sie sich schon einmal gefragt, was eigentlich mit Ihren Klamotten passiert, die Sie für den guten Zweck in den Altkleider-Container werfen oder in der Kleiderkammer spenden? Olumide Abimbola, neue KsK-Kraft (Karma statt Kohle) im betterplace lab, hat gerade seine Dissertation zum Altkleidermarkt feritg gestellt und wird hier mit einer Reihe von Blogposts Licht ins Dunkel des Altkleidermarktes bringen.

Viele Leute glauben, dass Ihre gespendeten Altkleider armen Menschen in Deutschland oder anderen Teilen der Welt – natürlich kostenfrei – zu gute kommen. Sie auch? In einer Serie von Blogposts werde ich versuchen, offene Fragen zum Altkleidermarkt zu beantworten und zeigen, wie sich der Stoff international bewegt. Europäer und Amerikaner sind mit Afrikanern über Altkleider auf eine Art und Weise verwoben, die erst bei genauerem Hinschauen deutlich wird – was auch daran liegt, dass Altkleidersammler Transparenz scheuen und kaum Einblick in ihre Praktiken gewähren. Als ersten Beitrag zu dieser Altkleider-Serie werde ich aufzeigen, was mit Ihren Altkleidern passiert, solange diese noch in Europa sind. Ich kenne mich auf dem britischen Markt besser aus, also fange ich damit an. Danach komme ich dann zu Deutschland und den bekanntesten Altkleidersammlern dort.

Großbritannien

In Großbritannien decken zahlreiche Wohltätigkeitsorganisationen einen Großteil ihrer laufenden Kosten über Altkleiderspenden. Oxfam Großbritannien beispielsweise setzt auf Second-Hand-Shops, in denen die Leute ihre Altkleider abgeben, nutzt aber auch Altkleidercontainer. In den Oxfamshops wird aber nur ein Teil der Klamotten direkt wieder verkauft (um Oxfam als guten Zweck zu finanzieren). Die meisten Wohltätigkeitsorganisationen verkaufen den größten Teil an so genannte „kommerzielle Textil-Recycler“. Diese Organisationen sammeln, sortieren, bündeln und exportieren Second-Hand-Kleidung. Jmp Wilcox ist ein Beispiel für solch eine Organisation. Andere Wohltätigkeitsorganisationen führen eigene Sortier- und Exportbetriebe. Oxfam wickelt den Export über Oxfam Wastesaver, die Heilsarmee über die Salvation Army Trading Company ab.

Sortierhalle von Oxfam Wastesaver in Huddersfield, England


Einige Organisationen lagern die Altkleidersammlung auch aus, etwa an Firmen wie Clothes Aid. Diese Firmen sammeln die Altkleider dann im Namen der Wohltätigkeitsorganisationen, denen sie quasi als Franchise-Gebühr einen gewissen Prozentsatz davon geben. All diese Beteiligten – kommerzielle Recycler, Wohltätigkeitsorganisationen und Franchise-Nehmer – exportieren die Kleidung ballenweise nach Osteuropa, Südostasien und Afrika.

Deutschland – Der AWO Kreisverband

Einer der bekanntesten Altkleidersammler in Deutschland ist die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg e.V., über ihr AWO Altkleiderprojekt. Sie haben bestimmt schon mal einen AWO-Altkleider-Container gesehen. Auf der AWO-Webseite steht, dass die Altkleider hauptsächlich gesammelt werden, um Menschen mit Behinderung Jobs zu verschaffen. Diese Menschen sortieren, waschen und verkaufen die Kleidung in Siegburg. Ein Pressebericht von 2006 besagt, dass jeden Monat etwa 350 Kilogramm Stoff in den AWO-Container zusammen kommen. Etwa 1,5 Prozent davon wird in AWO-Second-Hand-Shops verkauft. Fünf Prozent werden nach Polen geschickt, wo die Ware sortiert und in Osteuropa verkauft wird. Der Rest wird entweder aufgezwirbelt und zur Produktion anderer Klamotten verwendet oder als Lumpen für industrielle Zwecke verwendet.

Humana

Der wahrscheinlich bekannteste Altkleidersammler in Deutschland ist Humana Kleidersammlung GmbH, eine Tochterfirma der weltweit agierenden Humana People to People, die wiederum ein Unternehmen von Tvind ist. Tvind ist eine dänische Organisation, die mal als Sekte, mal als politische und mal als Wohltätigkeitsorganisation beschrieben wird. Die Namen Humana und Tvind bringen die Gefühle vieler Menschen in Wallung, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Es gibt Webseiten, die Humana als Sekte entlarven wollen, die nur zu Bereicherung ihrer Chefs da ist. Der britische Guardian hat eine investigative Recherche zu Humana durchgeführt, die BBC hat die Organisation in einer Dokumentation unter die Lupe genommen. Und Jes Fabricius Møller, ein Professor der Universität von Kopenhagen führt einen Blog zum Thema der weltweiten Organisation Tvind. Soweit ich es der Webseite von Humana Kleidersammlung GmbH entnehmen kann, wird der Großteil der Altkleider an die Humana Second-Hand-Kleidung GmbH verkauft, die den Stoff in einer ihrer 15 Second-Hand-Läden in Deutschland verkauft. Der Rest wird nach Osteuropa und in afrikanische Länder wie Mosambik, Angola, Togo, Tunesien oder Elfenbeinküste exportiert. In Mosambik ist ADPP-Mosambik der Käufer, ebenfalls eine Tochterfirma der Humana People to People Organisation. Zwar sagt Humana nicht, dass die Kleidung an die Menschen in Mosambik verkauft wird. Meine Erfahrung, die ich über den afrikanischen Altkleidermarkt gesammelt habe, sagt mir aber, dass dies der Fall ist.

Fazit

Es zeigt sich, dass es nicht einfach ist, Licht in den undurchsichtigen Altkleidermarkt zu bringen. Wir haben es hier mit einer sehr intransparenten Industrie zu tun und können nicht genau sagen, was mit Ihren Altkleiderspenden wirklich passiert. Sie werden in meinen nächsten Beiträgen zu diesem Thema sehen, dass ich nicht grundsätzlich gegen den internationalen Handel mit Altkleidern bin. Es ist sinnvoll, die Ressource Kleidung nicht zu verschwenden. Auch sollen Menschen am unteren Ende der Einkommenspyramide, ob in Europa oder Entwicklungsländern, Zugang zu bezahlbarer Kleidung erhalten. Trotzdem denke ich, dass hier das gleiche Argument greift, dass dem Steuerzahler das Recht einräumt, zu erfahren, wofür seine Steuern verwendet werden: Menschen, die ihre Altkleider spenden, sollten erfahren, was genau damit passiert und wofür der Erlös aus dem Verkauf verwendet wird. Darüber hinaus nützt es niemand, wenn der Altkleidermarkt vom dauerhaft vom Verdacht der Mauschelei überschattet ist.
Olumide Abimbola hat gerade seine Dissertation zum Thema „Internationaler Handel mit Altkleidern“ am Max Planck Institut für ethnologische Forschung in Halle/Saale eingereicht. Er hat Feldforschung auf dem britischen und westafrikanischen Altkleidermarkt betrieben. Er bloggt unter loomnie.com. Übersetzung des original Posts.