Letzte Woche erreichte uns diese Mail von Samantha Staudte von der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Wir fanden ihre Frage so interessant, dass wir sie gerne untereinander und mit euch diskutieren möchten. Also, laßt euren Kommentaren freien Lauf!

Hallo liebes betterplace-Team, ich habe eigentlich keinen Gastbeitrag, sondern eher eine „Gastfrage“, zu der ich gerne mal die Meinung anderer hören würde. Ich arbeite für eine NGO, die den Machenschaften und dem Einfluss von Großkonzernen und Banken sehr kritisch gegenübersteht. Immer wieder bekommen wir daher von Mitgliedern und Unterstützern auch Kritik darüber zu hören, dass wir Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube etc. für unsere Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Als Beispiel zitiere ich hier mal aus einer Mail, die uns vor einiger Zeit erreichte: Kritisiert wird, dass wir damit Unternehmen unterstützen/promoten, deren Firmenpolitik intransparent ist, die Monopolstellung inne haben und und deren Umgang mit persönlichen Daten mehr als fragwürdig ist.

Doch sind nicht gerade ‚Facebook‘ und ‚Youtube‘ genau diese Haie, welche u.a. bekämpft werden sollen? Der x-fache Milliardär Mark Zuckerberg ist doch nur ein drohendes Beispiel dafür! Auch nutzen Sie sicher die Möglichkeiten eines Herrn Bill Gates, eines ebenfalls zigfachen Milliardärs? Also gegen Großkonzerne wettern, aber diese nutzen – ist das einer Ihrer Philosophien?

Natürlich sollte man Marktbeherrschern wie Youtube, Google und Facebook kritisch gegenüberstehen. Dennoch denke ich persönlich, dass man hier Vorteile und Nachteile gegeneinander abwägen muss – und die Vorteile für unsere Öffentlichkeitsarbeit überwiegen: Über so große soziale Netzwerke erreicht man einfach viel mehr Menschen mit unseren Anliegen und v.a. auch Menschen, die sich sonst vielleicht nie mit unseren Themen befassen bzw. auf unsere Webseite stoßen würden. Gleichzeitig macht man sich damit auch unabhängiger von der News-Agenda klassischer Medien (Print/TV/Radio) und hat ganz neue Möglichkeiten Themen zu verbreiten und Feedback und Unterstützung dazu zu erhalten. Hingegen würde es für die großen Plattformen keinen Unterschied machen, wenn wir als NGO uns entscheiden würden, sie nicht zu nutzen. Für wichtiger, als diese Plattformen generell zu verteufeln, halte ich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und die Aufklärung unserer Mitglieder/ Unterstützer darüber, wieso wir diese Plattformen nutzen, und was sie persönlich bedenken und wissen sollten, bevor sie selber Benutzerkonten dort anlegen. Daher arbeiten wir zurzeit auch an einem „Social-Media-Guide“, der unsere Mitglieder über Nutzen und Risiken aufklären soll. Bei Facebook und Co. handelt es sich ja nicht nur um einen vorübergehenden Trend und NGO’s können mithilfe dieser großen Netzwerke auch viel Gutes erreichen. Zwei erfolgreiche Beispiele von Greenpeace: Mit ihrer Kampagne „unfriend coal“ und 181.448 Facebook-Unterstützern, hat Greenpeace Facebook dazu bewegt, einen Umstieg von  Kohle auf ökologisch produzierten Strom anzugehen. Und die Kampagne „Nestlé – give the Orang Utan a breack“, die über Youtube Millionen Menschen erreichte, hat Nestlé dazu gebracht auf die Verwendung von Palmöl in ihren Produkten zu verzichten (für dessen Anbau wird Regenwald im großen Stil gerodet) S. dazu hier und hier. Also, was meint Ihr? Über Feedback zum Thema von Euch und euren Lesern/Nutzern würde ich mich daher sehr freuen! Samantha Staudte Hier als Hintergrund noch ein paar Links zum Thema intransparente Firmenpolitik/fragwürdiger Umgang mit Datenschutz/Monopolstellung bei den großen Social-Media-Plattformen: Sascha Adamek über gravierende Risiken und Nebenwirkungen des Internet-Giganten Facebook Über das Problem der Monopolstellung der Internet-Giganten und dezentrale Soziale Netzwerke als Alternativen. Facebook & Co. – Netzwerk oder Datenkrake? – PHOENIX Runde vom 31.01.2012