Traditionen sind ja etwas Schönes; sie geben Halt, schaffen Gewissheit und – im besten Falle – einen wiederkehrenden Grund zur (Vor-)freude. Wer feiert nicht gerne seinen Geburtstag (abgesehen vom lästigen Älter-Werden) oder Weihnachten (abgesehen vom lästigen Last-Minute-Geschenke-Shoppen) mit seinen Liebsten? Genau, nur der Grinch.

Seit 2012 – also in Worten: seit FÜNF Jahren – feiert das betterplace lab seine jährliche Konferenz, das betterplace labtogether. Und ja, es hat für uns schon etwas Feierliches, wenn wir verschiedene Menschen versammeln, um unsere digital-sozialen Themen zu diskutieren. Und worüber haben wir nicht alles geplaudert in den letzten Jahren? Davon, wie aus Schnapsideen Social Businesses werden, warum das Internet der Dinge uns alle betrifft oder ob der Effektive Altruismus uns zu besseren Gutmenschen macht – um nur drei von vielen Themen zu nennen.

Das hat Spaß gemacht. Aber – das Problem bei Traditionen: Man stellt sie selten in Frage. Und so gibt es auch im lab den Reflex, die Frage nach einer Neuauflage des labtogether in diesem Jahr direkt wieder mit einem “JAAAAAA!” niederzujubeln. Dabei gibt es gute Gründe dagegen…

 

All die Mühe!

Hände zum Himmel beim labtogether 2016

Nehmen wir nur die letzten beiden Jahre, 2015 und 2016, und rechnen wir alles zusammen: Bei Durchführung, Vorbereitung wie Nachbereitung kommen wir auf stattliche 112 bzw. 100 Arbeitstage. Hui! Und wir sprechen hier von einer (zugeben, für uns genialen) Ein-Tages-Konferenz, nicht von der G8. Woran liegt das?

Event-Management ist nicht unser Kerngeschäft. Wir geben regelmäßig Vorträge und Workshops, aber mehr auch nicht. Einmal im Jahr allerdings erwischt uns das labtogether-Fieber und wir denken über Konzepte, Formate, Locations, Sponsoren, Technik, Catering und die eine Million weiteren Kleinigkeiten nach, die es für eine gute Konferenz braucht. Da wir wenig Budget haben, nämlich fast keins – dazu später mehr, machen wir viel selbst und suchen länger nach Pro-Bono-Partnern, z. B. für leckere Säfte oder aufregendes Marketing. Wir tauschen also harte Kosten gegen Arbeitszeit. Und perfekt soll es natürlich auch noch laufen. Da kommt dann einiges an Arbeit zusammen.

Arbeit, die sich lohnt? Arbeit, die man sieht? Zumindest waren wir immer sehr stolz darauf, wie reibungslos unsere Konferenzen ablaufen und wie aufgeladen die Teilnehmer nach Hause gehen. Doch heben wir damit auch die Messlatte von Jahr zu Jahr: Immer größer, immer besser? Und immer, immer ein labtogether?

 

Und was das kostet!

Unser labtogether in XXL – 2015 im Kraftwerk Berlin

Wir haben nicht mal das Ziel, mit dem labtogether Gewinn zu machen. Unternehmerisch bedenklich, reichte es uns in den letzten Jahren, irgendwie (möglichst) kostendeckend zu arbeiten. Das labtogether machen wir nicht für die Kohle, sondern um unsere unterschiedlichen Netzwerke aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik miteinander zu verknoten und mit uns denken zu lassen. Und das lassen wir uns etwas kosten. 2015: über 86.000 Euro, 2016 noch 29.000 Euro.

2015 hatten wir den ehrgeizigen Plan, das labtogether groß zu machen und haben gleich das Kraftwerk Berlin gemietet, um möglichst viele Menschen unterzubringen. Das Ergebnis war in beiden Jahren gleich: Die harten Kosten konnten wir so gerade mit Ticket-Erlösen, Sponsoring und Spenden reinholen, die Arbeitszeit blieb (finanziell!) unentlohnt und mussten wir querfinanzieren. Und so stellt sich schon die Frage, ob wir uns das länger leisten können und wollen.

 

Denn bringt das überhaupt etwas?!

Aus unserer Evaluation zum labtogether 2016

Inspiration lässt sich schlecht messen. Oder wie wertvoll die Kontakte für die Teilnehmer sind, die sie auf der Konferenz knüpfen konnten. Natürlich evaluieren wir jedes Jahr das labtogether und fragen die Teilnehmer (2015 waren das übrigens 250 Teilnehmer, 2016 180), wie sie das labtogether fanden. Themenauswahl war „genial“ (51 %) bis „ganz okay“ (44 %), die Speaker und Formate waren vor allem „eine gute Mischung und schön kontrovers“ (58 %) und alles Drumherum (Location, Catering etc.) bekommt eine 4,6 auf einer Skala von 1-5. Sprich, die Teilnehmer sind zufrieden, aber auch nicht übermäßig euphorisch – mit einem guten Thema wünschen sich jedoch alle (100 %!) ein neues betterplace labtogether 2017.

Spannende Themen, die uns am Herzen liegen, haben wir. Seit nun drei Jahren entwickeln wir uns konsequent zur Organisation ohne fixe (und dafür mit stringent kompetenzbasierter) Hierarchie. Dabei haben wir einiges gelernt und über viel nachgedacht. Ist New Work der Weg, um sich den komplexen Herausforderungen von Klimawandel bis Digitalisierung zu stellen? Und wie geht’s uns damit? Wie wichtig ist unser Wellbeing zur Selbstmotivation und Potenzialentfaltung? Diese Erfahrungen wollen wir mit Euch teilen – und dafür einmal mehr unser buntes Netzwerk samt unserer langjährigen Unterstützer und Sponsoren zusammentrommeln.

Also ja? Auf zu einem neuen labtogether? Es spricht viel dagegen, aber wir brauchen unser jährliches labtogether, genauso wie Weihnachten. Also versuchen wir es: weniger aufwändig und trotzdem besser. Ihr seid herzlich eingeladen!