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Wie können wir gemeinsam ein Ausbildungs-Angebot schaffen, das die Digital-Kompetenz im sozialen Sektor stärkt? Dieser Frage sind wir auf Initiative von Carolin Silbernagl (betterplace lab), Sabine Reuss (Capgemini), Nicole Dufft (Special Agent betterplace) und Peter Kreutter (WHU Stiftung) am 16.03. in einem Design-Thinking-Workshop nachgegangen. Statt eine Lösung im stillen Kämmerlein zu entwerfen, entschieden wir uns, das Ganze iterativ anzugehen: Statt ausgewählte Partner luden wir einfach alle relevanten Stakeholder ein, die wir kennen und statt dem bestmöglichen, wählten wir den nächstmöglichen Termin. Und ähnlich offen formulierten wir auch das Ziel für den Tag: Am Ende wollten wir im Idealfall einen ersten Prototypen in der Hand und eine ‘Guiding Coalition’ an der Seite haben.

4Zu Beginn versorgte uns Nicole mit aktuellen Erkenntnissen aus der demnächst erscheinenden Begleitstudie zur Google Impact Challenge (GIC) und unterstrich damit das Problem: So glauben 97% der befragten Teilnehmer der GIC, dass soziale Organisationen durch die Digitalisierung ihre Wirksamkeit erhöhen können. Gleichzeitig attestieren aber 91% dem sozialen Sektor erheblichen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Die Digitalisierung wird demnach fast nur mit Marketing und PR gleichgesetzt und auf ‘Tools’ (primär Social Media) reduziert. Zeit, Geld und fehlende Verantwortlichkeiten werden als wichtigste Hürden genannt. Die Ergebnisse überraschen vor allem deshalb, da unter den Teilnehmern der GIC eigentlich die digitalen Vorreiter Deutschlands zu erwarten sind.

Was sind nun also wirklich die Herausforderungen dieses heterogenen sozialen Sektors, die Digitalisierung positiv zu besetzen und für seine Zwecke nutzbar zu machen? Und viel wichtiger: wie können wir soziale Organisationen und Engagierte dabei unterstützen? Klar ist: Um an einem Tag auf diese komplexe Fragestellung eine Lösung zu finden, braucht es im Idealfall eine sehr diverse Gruppe von Experten, kreativen Freiraum und eine Menge Spaß – und genau das hatten wir glücklicherweise beisammen.

5Angeleitet durch unseren klasse Moderator Torsten stellte jede Gruppe den sozialen Sektor als ‘Persona’ dar. Mit dieser Technik des Design-Thinkings lässt sich eine bessere Verbindung mit der Zielgruppe und deren Problemen herstellen. So entstehen Hans, Gisela, Petra und ein ‘bunter Mensch’, die uns mit ihren Hoffnungen und Ängsten durch den Tag begleiten. Es wird klar, dass der soziale Sektor chronisch unterfinanziert und überarbeitet ist, gleichzeitig aber mit viel Herzblut für die gute Sache einsteht und eine tragende Säule unserer Gesellschaft ist. Um den sozialen Sektor durch Digitalisierung zu stärken, gilt es einige Herausforderungen zu meistern:

  • NPOs müssen für die Chancen und Notwendigkeit der Digitalisierung sensibilisiert und die Bereitschaft für Veränderungen gestärkt werden.
  • Digitalisierung muss die Arbeit des sozialen Sektors jenseits von ‘Buzzwords’ praxisorientiert und pragmatisch unterstützen, also z.B. Abläufe erleichtern, Organisationsstrukturen agiler machen, Kommunikation verbessern und Netzwerke stärken.
  • Dafür bedarf es vieler Best Practice Beispiele und eines intensiven Austausches zwischen NPOs, aber auch mit For-Profit-Unternehmen.
  • NPOs brauchen konkrete, auf ihre Problemlagen zugeschnittene, Lösungen und im Idealfall eine helfende Hand bei der Implementierung.

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Wie diese Herausforderungen in Form eines Bildungsangebots angegangen werden können, wird im Sinne des Design Thinkings möglichst spielerisch und anschaulich erarbeitet. So wird Hans von der ‘Digitalisierungsfee’ auf eine digitale Bildungsreise mitgenommen, Petra hingegen wird vom Digital-Mobil direkt bei ihr vor Ort geholfen. Der bunte Mensch wendet sich an die Krake, die mithilfe eines großen Partnernetzwerks individuelle Beratung anbietet, und Gisela trifft auf ‘Tupperparties’ Gleichgesinnte, die sich gegenseitig helfen. Unterschiedlichste Formate, vom Festival, über Workshops, Mentoring, und Netzwerk-Events bis zu Webinaren und Video-Tutorials werden diskutiert.

Nachdem die verschiedenen Lösungsansätze so mit viel Kreativität visualisiert wurden, wird es anschließend wieder realistischer: Mithilfe des Business Model Canvas entwickelt jede Gruppe einen Prototypen. Trotz unterschiedlicher Ansätze werden hier einige Dinge doch recht schnell klar: Notwendig ist ein gebündeltes Ausbildungs-Angebot, das die unterschiedlichen Bedarfe von Non-Profits adressiert und verschiedene Angebote vereint, anstelle vieler Insellösungen. Hierzu bedarf es einer gemeinsamen Initiative starker Partner (IT-Unternehmen, Stiftungen, Wissensträger, NGOs), die mit Know-How, pro Bono-Leistungen und Finanzierung unterstützen.

Am Ende des Tages bietet das Wrap-up die Gelegenheit ein Fazit zu ziehen: Als ‘erschöpft vom anregenden Tag aber auch sehr glücklich und zufrieden’ lässt sich das Feedback zusammenfassen. Alle Teilnehmer waren mit Begeisterung dabei und sind überrascht, wie viele Lösungen an einem Tag durch Design Thinking erarbeitet werden können. Nach vielem Lob aller Teilnehmer bleibt die Frage im Raum: Wie führen wir das fort? Auch das müssen wir jetzt herausfinden. Wir können versprechen: Wir brennen für das Thema und freuen uns so viele Unterstützer dabei zu haben!

Vielen Dank an: Torsten Breden für die Moderation, Sabine Reuss und Capgemini für die Workshopräume und das graphic recording, Nicole Dufft und Peter Kreutter für die Organisation sowie an alle Teilnehmer. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

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