Im letzten Beitrag habe ich den Altkleidermarkt in Europa beleuchtet. Doch was passiert eigentlich mit den Klamotten, wenn sie in den Entwicklungsländern eintreffen? Zur Illustration werde ich Beispiele aus der Gegend anführen, die ich am besten kenne: Westafrika.

Nachdem die Altkleider in Deutschland oder Großbritannien gereinigt, sortiert und zu Ballen verpackt wurden, werden sie meistens von westafrikanischen Altkleiderhändlern gekauft. Ein oder zwei Monate, nachdem der Käufer das Geld überwiesen hat, bekommt er die Ware in den Hafen seines Landes geliefert. Altkleider für die Armen oder für design-bewusste Studenten? Viele Menschen glauben, dass Afrikaner Altkleider aus Gründen der Armut kaufen. Das stimmt so nicht. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich in Nigeria studiert habe. Viele meiner Kommilitonen, die Designer-Marken bevorzugten, kauften Calvin Klein und Co. in Second-Hand-Shops. Denn die importierten Fälschungen aus Asien sind von schlechter Qualität. Einige Studenten haben die Markenware auch direkt bei den Altkleiderhändlern gekauft und auf dem Campus wieder verkauft.

Inspektion der Ware aus den Altkleiderballen in Cotonou, Benin


In dem Bezirk von Lagos, wo die großen Telekommunikationsunternehmen und Ölfirmen ihre Büros haben, finden sich auch viele Läden mit Marken-Altkleidern. Warum sollten die jungen Büroangestellten die teuer importierte Originalware in den Original-Läden kaufen, wenn die Ware aus zweiter Hand noch gut und viel billiger ist?! Und viele Mütter sehen es nicht ein, ihren Kindern neue Klamotten zu kaufen, aus denen sie ohnehin bald herauswachsen – also greifen sie zu Altkleidern. Verkaufsrenner BH BH vom Altkleidermarkt sind ein Verkaufsrenner. Die Exporteure in Europa sagen, dass sie die Nachfrage nicht stillen können. Und die Importeure vor Ort sagen, dass BH immer als erstes ausverkauft sind. Warum? Eine Frau sagte mir: Ganz einfach, weil die Qualität gut und der Preis günstig ist. Verschenkt werden Altkleider im großen Stil nicht. Stellen Sie sich nur den logistischen Aufwand der Lieferungen etwa nach Ruanda vor (Ruanda hat übrigens kürzlich die Einfuhr von Altkleider-Unterwäsche untersagt) – das ist viel zu teuer. Einzig im Zuge von Katastrophen werden Altkleider verschenkt, etwa nach dem Haiti-Erdbeben oder dem Tsunami in Indonesien. Aber Entwicklungshelfer sagen sogar in solchen Fällen, dass es besser sei, den Menschen Geld zu geben, statt ihnen gebrauchte Klamotten zu schenken. Denn die Klamotten belegen wertvollen Platz in den Flugzeugen, die die Hilfslieferungen bringen. Es ist also ökonomisch sinnvoller, die Altkleider in Europa zu verkaufen und das eingenommene Geld für Entwicklungsprojekte auszugeben – so tut es etwa Oxfam in Großbritannien. Außerdem fördert der Verkauf ja auch die Kleidergeschäfte vor Ort. Hier noch ein paar Zahlen zum internationalen Altkleidermarkt (links unten auf „Menu“ und dann „Full Screen“ klicken). Die Bedeutung des Marktes Subsahara-Afrika ist gut zu erkennen.


Im nächsten Beitrag werde ich mich der Frage widmen, ob Altkleider lokale Textilmärkte zerstören. Olumide Abimbola hat gerade seine Dissertation zum Thema „Internationaler Handel mit Altkleidern“ am Max Planck Institut für ethnologische Forschung in Halle/Saale eingereicht. Er hat Feldforschung auf dem britischen und westafrikanischen Altkleidermarkt betrieben. Er bloggt unter loomnie.com. Gekürzte Übersetzung des original Posts.