In dieser Studie für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben wir untersucht, wie das Internet der Dinge in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) genutzt wird. Im Gesundheitsbereich helfen Sensoren beispielsweise dabei, Verluste von Impfstoffen zu reduzieren, indem sie deren Lagertemperatur monitoren und per App Alarm schlagen, wenn die Kühlkette unterbrochen wird. Doch damit sich IoT im sozialen Bereich so richtig entfalten kann, müssen drei grundsätzliche Dinge beachtet werden.

 

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Der Report „Internet of Things – Using sensors for good: How the Internet of Things can improve lives“ zeigt, dass es besonders in den Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft und Katastrophenprävention bereits viele verschiedene, wirkungsvolle Anwendungen gibt. Die entsprechenden Projekte verbessern schwache Infrastrukturen, stärken die Produktivität von Kleinbauern oder ermöglichen marginalisierten Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Dienstleistungen wie Versicherungen. Viele dieser Lösungen basieren auf kostengünstigen Sensoren, die Grundlage des Internets der Dinge sind.

So überwachen zum Beispiel Sensoren an Impfstoffen deren Temperatur und melden kritische Werte, um Verluste der lebenswichtigen Stoffe zu minimieren. Denn gerade dort, wo Infrastrukturen nur schwach ausgebaut ist, gibt es kaum Informationen darüber, wie viel von welchem Impfstoff sich wo in welcher Qualität befindet. Wenn die Daten der Sensoren in Echtzeit verfügbar sind, können Behörden und Gesundheitszentren mithilfe algorithmischer Vorhersage-Modelle reagieren, bevor ein Notstand eintritt.

In der Landwirtschaft steigern automatisierte Bewässerungssysteme, die auf Daten von Wettersensoren reagieren, die Produktivität von Kleinbauern deutlich. In Verbindung mit einer Mikroversicherung wie Kilimo Salama aus Kenia können Wettersensoren bei Ernteausfall durch Dürre o.ä. auch automatisch eine Kompensationszahlung auf das Handy des betroffenen Bauern veranlassen.

Auch in der Katastrophenprävention spielen Sensoren eine entscheidende Rolle. Ein Beispiel dafür ist das Rio Operations Centre, das die Daten von Tausenden Sensoren zu Wasserstand, Luftqualität und Erdbewegungen sammelt und bei Auffälligkeiten – wieder mithilfe von Big Data Modellen –  frühzeitig die Bürger warnen kann.

 

 

 

Lokal, offen und auf Augenhöhe: Drei Forderungen für ein gutes IoT

Wie können die Akteure der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit nun Initiativen wie die oben genannten bei ihrer Pionierarbeit zum IoT unterstützen? Wie kann können die Ressourcen der Geldgeber besonders wirksam investiert werden? Unsere Antwort sind folgende drei Forderungen.

  1. Vor allem lokale Initiativen müssen gefördert werden: Entwickler und Programmierer vor Ort kennen die Chancen und Risiken des Internets der Dinge für spezielle Zielgruppen wie Kleinbauern am besten. „Context matters“, würde man englisch ausdrücken. Lokale Entwickler sind meistens wirksamer als die großen entwicklungspolitischen Akteure, da sie besser einschätzen können, welche Anwendungen wo gebraucht werden und welche technischen Möglichkeiten am besten zu den Bedingungen vor Ort passen. Dieses Wissen muss unbedingt in die Entwicklung von Anwendungen für das Internet der Dinge einbezogen werden. Innovation-Hubs beispielsweise spielen für den Wissenstransfer zwischen Regierung, Förderern, Entwicklern und der Zielgruppe eine wichtige Rolle. Sie müssen als erste Anlaufstelle für die Entwicklung von Internet of Things-Innovationen unterstützt werden.
  2. Neue Partnerschaften auf Augenhöhe ermöglichen: Viele IoT-Anwendungen in Schwellen- und Entwicklungsländern basieren auf Partnerschaften zwischen Akteuren, die verschiedene Interessen haben. Beispielsweise Telekommunikationsunternehmen, internationale und nationale IT-Firmen, EZ-Organisationen, NGOs und lokale Ministerien. Um diese komplexen Beziehungen auf Augenhöhe gestalten zu können, müssen gerade die lokalen Akteure wissen, welche technischen und auch ethischen Anforderungen die Anwendungen erfüllen sollen – zum Beispiel in Hinblick auf den Datenschutz. Klare Rahmenbedingungen für solche Partnerschaften und offener Austausch, sind eine gute Möglichkeit, dieses Wissen zu vermitteln.
  3. Offene Standards unterstützen: Wir glauben, dass offene Standards Grundvoraussetzung eines Internets der Dinge sind, das allen Menschen dient.
    Denn nur mit offenen Standards können Sensoren und Netzwerksysteme verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren und nachhaltig weiterentwickelt können. Es gibt bereits viele Gremien und Zusammenschlüsse, die sich dafür einsetzen, dass Open Source Lösungen im Internet der Dinge gestärkt werden. Diese Initiativen müssen unterstützt und besser vernetzt werden.

Die Beispiele zeigen: Von Accra über Nairobi bis Rio de Janeiro arbeiten Programmierer und Designer an Anwendungen des Internets der Dinge, um damit grundlegende gesellschaftliche Probleme zu lösen. Übrigens ist der größte Boom des IoT in Schwellen- und Entwicklungsländer zu beobachten. In Afrika beispielsweise lag zwischen 2010 und 2013 die jährliche Wachstumsrate des IoT bei 41 Prozent – gegenüber einem Wachstum von 29 Prozent in Europa. Und bereits 2020 wird die Asien-Pazifik-Region über mehr als 50 Prozent der weltweiten Verbindungen im Internet der Dinge verfügen. Einige Regierungen haben das Potential des Internets der Dinge erkannt. So hat zum Beispiel die Indische Regierung schon im Oktober 2015 die weltweit erste Politikstrategie zum Internet der Dinge veröffentlicht.

PS: Wikipedia: „Das Internet der Dinge bezeichnet die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte (things) mit einer virtuellen Repräsentation in einer Internet-ähnlichen Struktur.“ Diese Dinge nehmen über Sensoren Informationen aus der Umwelt auf und führen automatisch und ohne menschliches Zutung Handlungen aus, etwa in Form von Bewegungen, Temperaturerhöhungen o.ä..