NGO-Meter 2012: Neue Zahlen zum Online-Spendenmarkt
Gastbeitrag von Silke Penner.
Nach der Veröffentlichung der NGO-Meter-Ergebnisse der ersten drei Quartale 2011 und vieler positiver Rückmeldungen freuen wir uns, jetzt die Auswertung für das gesamte Jahr 2011 präsentieren zu können.
Zwei weitere Organisationen haben sich der Pilotgruppe angeschlossen, die wir rückwirkend in die Auswertung für das Gesamtjahr 2011 integriert haben. Mit acht Organisationen ist die Bandbreite der Vergleichszahlen damit weiter gestiegen.
Während sich einige Trends bestätigten (z.B. das Wachstum von Facebook-Fans und Twitter-Follower), zeigten andere Kennzahlen im 4. Quartal entgegen gesetzte Tendenzen (z.B. Emailing-Öffnungsraten) bzw. ein differenzierteres Bild (z.B. der prozentuale Anteil des Online-Spendenvolumens am Gesamtspendenvolumen).
Die nächste Kennzahlen-Erhebung erfolgt ab Juli 2012 für das 1. Halbjahr 2012. Wir möchten Euch, liebe Fundraiserinnen und Fundraiser, nochmals herzlich einladen, mitzumachen, um gemeinsam einen fundierten Vergleichsmaßstab für den Online-Spendenmarkt in Deutschland zu schaffen.
„Mehr als nur like-buttons“ – Facebook & Co als Symbol des Bösen?
Vor einigen Wochen fragte Samantha Staudte von der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges wie NGOs mit Marktbeherrschern wie Facebook, Yahoo & Co umgehen sollen. Viele LeserInnen und spezialisierte Organisationen kommentierten mit wertvollen Hinweisen und Analysen – danke dafür! Hier fasst Samantha die Argumente und Alternativen für euch zusammen.
Bevor man bei Facebook & Co einsteigt sollte man sich klar machen, was und wen man erreichen will, welche Mittel dafür geeignet sind und ob sie mit den Grundsätzen der eigenen Organisation vereinbar sind. Was spricht denn gegen die Nutzung profitorientierter, zentraler sozialer Netzwerke wie Facebook, Google+ und Co. durch NGOs?
Contra:
Dennis vom FoeBuD weist darauf hin, dass „Facebook die Datenschutzbestimmungen ständig zum Schlechten verändert, wichtige Informationen in schierer AGB-Textmenge versteckt und bewusst täuscht, um immer mehr Daten öffentlich machen zu können, um die Nutzerinnen und Nutzer so daran zu gewöhnen, immer mehr von sich preiszugeben.“ Wer also Datenschutz und Transparenz ernst nimmt, so sein Fazit, verspielt seine Glaubwürdigkeit, wenn er diese Plattformen bedient.
Wenn man als NGO auf eigene Profile bei Plattformen wie Facebook & Co. verzichtet und „nur“ Share- und Like-Buttons in seine Webseite einbindet, unterstützt man die „Datenkraken“. Durch die Share-Buttons werden beim Laden der Webseite Daten an die Betreiber der Netzwerkplattformen übertragen, ohne dass der Anwender davon etwas merkt.
Das zentralisierte Datensammeln ist nicht nur problematisch, weil es Nutzer zu „Produkten“ macht, mit denen sich Profit machen lässt. Es werden auch die Beziehungen zwischen den Nutzern ausgewertet. „Zu wissen, wer mit wem in Kontakt tritt, ist für die staatlichen und nicht-staatlichen Überwacher und Kampagnengegner Gold wert.“ Sascha Adamek schreibt: „die Rolle des Netzwerks ist politisch janusköpfig und kann auch von autokratischen Regierungen missbraucht werden. Denn nichts macht uns Menschen so angreifbar, wie die ungezügelte Offenlegung unsere Privatsphäre: In unseren kapitalistischen Industriestaaten für die Datensammelwut von Konsumgüterkonzernen – in Diktaturen für den Staat.“
Und natürlich haben auch die Plattformbetreiber selbst jederzeit die Möglichkeit die veröffentlichten Daten in ihrem Sinne zu beeinflussen. Wie Micha von der Hannoverschen Gruppe des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung schreibt sind sie keine öffentlichen Räume, sondern vergleichbar mit „gated communities“ (Hier ein Interview mit Rena Tangens dazu). Missliebige Kommentare oder Kampagnenansätze können gelöscht werden, die Betreiber entscheiden, „wer rein darf und wer draußen bleiben muss“, ohne dass sie ihre Motive dabei offenlegen müssten.
Dennis von FoeBuD weißt darauf hin, dass bei Facebook „etwas nur ‚geliked‘ werden kann, ‚disliken‘ aber nicht geht. Diese Möglichkeit verführt auch dazu, nur diesen einen ‚Wohlfühlklick‘ für die gute Sache und das eigene Gewissen zu setzen, aber einen Kommentar mit vielen erwähnenswerten Gedanken – wie hier im Blog – auszulassen. Wir brauchen wirkliches Engagement und keinen Wohlfühl-like.“
Pro
Eigentlich lässt die Quintessenz des „Pro“, dass sich in den Kommentaren fand, recht einfach auf einen Punkt bringen: Wenn ich Menschen mit meinen Anliegen erreichen will, muss ich dahin gehen, wo die Menschen sind. Die großen sozialen Netzwerke bieten Nutzen in dreierlei Hinsicht: Unabhängigkeit von den klassischen Medien, eine große Reichweite und die Möglichkeit zu Vernetzung und Dialog.
Mit gut gemachten Kampagnenideen und dem kontinuierlichen Aufbau einer „Fangemeinde“ besteht eine Chance, dass ein Anliegen sich „viral“ weiterverbreitet. Man kann so auch Menschen erreichen, die nicht auf unseren Mailing-Listen stehen, die sich sonst vielleicht nie mit unseren Themen befassen oder auf unsere Webseite stoßen würden. Aline, Social-Media-Verantwortliche der taz, schreibt: „Wir wollen doch mit unseren Themen, unserer Sicht und unserer Art der Berichterstattung Menschen erreichen, … die vielleicht noch nicht die taz lesen, oder sich engagieren. Viele Jugendliche informieren sich in sozialen Netzwerken … Wollen wir diesen Kontaktweg wirklich Gruppierungen überlassen, die keine Skrupel haben, Konzerne wie Facebook zu unterstützen?!“ Kay, Kampagnenberater von attac, schreibt: „Die Attraktivität Facebooks … ergibt sich nun mal wesentlich daraus, dass alle anderen schon dabei sind und dass drüber gesprochen wird. Für eine Organisation wie attac, die Themen und Forderungen breitenwirksam verankern möchte, wäre es fahrlässig, dieses Medium einfach zu ignorieren.“
Kay deutet hier etwas an, das als „aber“ in den meisten Kommentaren mitschwang: Man würde eigentlich lieber auf Facebook & Co. verzichten, aber die dezentralen Alternativen sind noch nicht wirklich Alternativen, weil sie zu wenig genutzt werden – sprich: die Massenwirksamkeit fehlt.
Gibt es einen alternativen Umgang mit Facebook & Co.?
Hier eine kleine „Best Practice“ Zusammenstellung für die Nutzung:
- Wer Share-Buttons von Facebook, Twitter, Google+ etc. auf seiner Webseite platzieren möchte, sollte eine „Zwei-Klick-Lösung“ einbauen, d.h. deaktivierte Buttons einzubauen, die zunächst keinen Kontakt zu den Servern von Facebook & Co. herstellen. Erst wenn der Webseiten-Besucher diese aktiviert und damit seine Zustimmung zur Kommunikation mit Facebook, Google oder Twitter erklärt, werden die Buttons aktiv und stellen die Verbindung her. Wie das aussieht, findet ihr z.B. auf der Seite von attac (ganz unten).
- Stellt diese Netzwerke nicht in den Mittelpunkt und werbt für Alternativen, wie Kay von attac und Jean von betterplace vorschlagen. Eine Möglichkeit hierzu ist z. B. Share-Buttons auf der eigenen Seite nicht prominent zu platzieren und die Buttons von vertrauenswürdigen Plattformen an die ersten Stellen zu setzen (so wirbt man auch gleich noch für sie). So erreicht man die Leute, die sowieso schon in diesen Netzwerken aktiv sind, ohne andere aktiv dorthin zu führen. Was zu einem weiteren Punkt führt:
- Nutzt auch dezentrale, alternative Netzwerke (s.u.). Einige der alternativen Netzwerke bieten auch die Möglichkeit, „Posts“ automatisiert an eure Facebook oder Twitter-Seiten weiterzuleiten und diese so nur indirekt zu bespielen. Bei Posts, die z.B. von Diaspora weitergeleitet werden, erscheint in der Meldung dann der Hinweis: „send via diaspora“ und wirbt damit indirekt für die dezentrale Alternative. Je mehr Menschen dorthin wechseln, desto attraktiver werden sie.
- Geht transparent mit dem Thema und den damit verbundenen kritischen Punkten um. Informiert die Besucher eurer Webseite nicht nur irgendwo versteckt im Impressum über das Thema Datenschutz und soziale Netzwerke. Platziert einen Link, der auf ausführlichere Informationen zum Thema verweist, direkt neben den Share-Buttons. Wir planen zusätzlich einen ausführlicheren „Social Media Guide“, in dem wir über „Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen“, sowie Alternativen aufklären und erklären, warum wir zurzeit noch nicht auf die großen Plattformen verzichten.
Was sind die Alternativen?
Inzwischen gibt es eine ganze Menge Plattformen, die im Gegensatz zu ihren zentralisierten Pendants mit Freier Software auf vielen verschiedenen Servern laufen und die auf Basis offener Standards ein gemeinsames Netzwerk bilden. „Damit hat kein Server-Betreiber die alleinige Macht über die sozialen Interaktionen und die Daten aller Teilnehmer, sondern lediglich über die Daten auf seinem Server.“
Statt Facebook:
Diaspora: Das Projekt zielt darauf ab, den gleichen Leistungsumfang zu bieten wie Facebook. Man findet dort schwarze Bretter für zeitversetzte und ein Chat-Fenster für Echtzeit-Kommunikation sowie Schnittstellen für externe Anwendungen (Plug-Ins). Anders als bei Facebook jedoch sorgt die dezentrale Struktur dafür, dass jeder seinen „persönlichen Webserver“ („pods“) aufsetzen kann und damit die Kontrolle über die Daten behält.
friendica: ist eine freie Open Source-Software für ein verteiltes soziales Netzwerk. Der Fokus liegt auf wirkungsvollen Datenschutzeinstellungen und leichter Installation auf eigenen Servern. Zudem lassen sich andere soziale Netzwerke und Blogs leicht integrieren. Die Entwickler arbeiten freiwillig und das Projekt wird informell betrieben. Die Alternative friendica scheint in Bezug auf einfache Installation schon weiter als Diaspora.
Statt Twitter:
Identi.ca: ist ein Mikro-Blogging-Dienst und ein soziales Netzwerk. Identi.ca unterstützt den offenen OStatus-Standard. Nutzer können, wie beim Mikro-Blogging üblich, kurze Nachrichten von bis zu 140 Zeichen versenden. Weitere Features sind im Gegensatz zu Twitter die stärker integrierte Suche nach Hashtags und die Unterstützung von Gruppen, die in Nachrichten mit einem vorangehendem „!“ adressiert werden. Nachrichten können direkt und gleichzeitig mit der Veröffentlichung bei Identi.ca mit Twitter verknüpft werden. Ziel des Dienstes ist es, Nutzern Freiheit und Transparenz zu garantieren. Dies soll durch die Verwendung der freien Software StatusNet erreicht werden, die auch auf eigenen Servern verwendet werden kann. Durch den OStatus-Standard können verschiedene Mikroblogging-Dienste, zurzeit vor allem StatusNet-Server, miteinander kommunizieren. Außerdem können Nutzer entsprechend dem FOAF-Standard transparent auf ihre Daten zugreifen und sie auf andere StatusNet-Dienste übertragen. Alle auf identi.ca veröffentlichten Notizen müssen unter der Lizenz „Creative Commons Namensnennung 3.0“ freigegeben werden.
Statt kommerzieller Bloghoster:
Wordpress: Wer einen eigenen Blog betreiben möchte, hat mit der OpenSource-Software Wordpress die Möglichkeit diesen auf seinem eigenen Server zu betreiben. Die Installation ist relativ einfach. Wordpress bietet eine Menge freier „Templates“ (Layouts für den Blog), die auch ohne Programmierkenntnisse in begrenztem Maß angepasst werden können, mit Programmierkenntnissen ist eine individuelle Blog-Gestaltung möglich.
Statt Google, Bing oder Yahoo/Suchmaschinen:
Weiterführendes:
Das Social Swarm Projekt: Ist ein Bündnis, dass sich einsetzt für ein soziales Netzwerk, das den Titel „sozial“ auch verdient hat. Wie Christiane Schulzki-Haddouti auf dem ZDF-Blog Hyperland schreibt, soll Social Swarm „kein weiteres soziales Netzwerk werden. Es ist ein loser Zusammenschluss von Entwicklern, Programmierern und Aktivisten, die das Problem diskutieren, eine Lösung herausarbeiten und in der Bevölkerung etablieren wollen.“
Wichtig sei hierfür die (Weiter-) Entwicklung ist eines Offenen Standards, sagt Matthias Kirschner von der Free Software Foundation Europe, „der technisch definiert, wie die Kommunikation zwischen verschiedenen sozialen Knoten ablaufen muss. Für Statusnachrichten gibt es bereits OStatus, aber für alles andere wie Fotos und Veranstaltungen muss sich noch ein Standard durchsetzen.“ Es sollen mögliche Projekte wie friendica und Diaspora untersucht und ggf. weiterentwickelt werden. Wenn die Vorbereitungen fertig sind, plant die Initiative eine große Wechselaktion.
Eine Übersicht weiterer Plattformen mit offenen Standards findet ihr hier:
Libre Projects
Mein persönliches Fazit lässt sich gut mit zwei Zitaten aus den Kommentaren zusammenfassen: „Der gesellschaftliche Lernprozess, hin zu einem sicheren und fairen Umgang mit Daten, entwickelt sich, mit vielen kleinen Symbolen. Und die gestalten wir: mit vielen kleinen Akupunkturnadeln, die wir alle ins Internet stecken.“ (Jean, betterplace-lab) und „ … wir müssen die Plattformen, die wir nutzen, mitgestalten. Ebenso sollten wir aber auch aktiv alternative Angebote bespielen. Nur, let's be realistic: Alternativen wie Diaspora, haben noch nicht die kritische Masse und hier müssten wir zeitintensive ‚Pionierarbeit‘ leisten.“ (Joana, betterplace-lab).
Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges werden sicherlich vorerst noch nicht ganz auf die großen sozialen Netzwerke verzichten. Aber ich werde mich in nächster Zeit verstärkt mit den Alternativen beschäftigen, in unserer Organisation vorschlagen diese auch zu nutzen, den Fokus Stück für Stück zu verlagern und unsere Follower und Fans dadurch anzuregen uns dahin zu folgen. Zeitintensive Pionierarbeit eben … die dann hoffentlich eines Tages dazu führt, dass die Marktbeherrscher umdenken müssen, weil die Alternativen immer attraktiver werden.
Last but not least: Dank an alle KommentatorInnen für die Mühe und eine Menge gute Anregungen und Hinweise.
Zum Weiterlesen:
Contra Facebook-Nutzung:
http://pb21.de/2011/06/nur-facebook-abstinenz-uberzeugt/
Pro Facebook-Nutzung:
http://pb21.de/2011/06/politische-bildung-muss-nach-facebook/
Und um die Problematik mal etwas plastischer zu sehen, das Online-Spiel Datadealer: http://datadealer.net
Sascha Adamek über gravierende Risiken und Nebenwirkungen des Internet-Giganten Facebook:
http://www.hintergrund.de/201107071639/hintergrund/medien/die-facebook-falle.html
Über Facebooks-Datenschutzpolitik: https://www.readwriteweb.com/archives/what_you_need_to_know_about_facebooks_new_privacy_1.php
Wie Facebook auch unsere soziale Identität bestimmt: http://networkcultures.org/wpmu/unlikeus/2012/03/01/identity-on-facebook-even-who-you-are-is-defined-and-controlled-by-facebook/
Warum Monopolbildung im Internet wesentlich gefährlicher ist, als in den alten Medien:
http://www.betterplace-lab.org/de/blog/the-master-switch-lasst-sich-das-internet-beherrschen
Über das Problem der Monopolstellung der Internet-Giganten und dezentrale Soziale Netzwerke als Alternativen:
http://netzpolitik.org/2012/dradio-wissen-dezentrale-soziale-netzwerke/
Die lustige Welt des Altkleiderhandels
Vor über einem Jahr schrieb Olumide Abimbola drei Blogposts über die globale Altkleiderindustrie für den labblog. Der erste Artikel behandelte den deutschen Markt, danach ging es um den afrikanischen und schließlich um die Frage, ob durch den Altkleiderhandel lokale Märkte zerstört werden. Diese sehr interessanten Artikel warfen Licht auf einen weitgehend unbekannten Wirtschafszweig, dessen Geschäftsleute sich dann aber mit Kommentaren in Scharen zu Wort meldeten.
Über 100 Kommentare sind bereits zusammengekommen, in denen Altkleiderhändler Preislisten anfordern und T-Shirts, Jacken und BHs containerweise verkaufen wollen. In den Kommentaren sprechen Sie den Autor des Artikels meist direkt an: „I will like to have business with your highly respected company“. In den Artikeln wird unmissverständlich klar, dass Olumide zwar über Altkleider promoviert hat, aber nicht damit handelt. Egal – schnell haben sich die Kommentare verselbstständig und wurden zu einer Art Marktplatz des internationalen Altkleiderhandels. 35 Herkunfts- und Zielländer des begehrten Stoffes werden insgesamt genannt, von Österreich über Argentinien bis Oman.
Einige der Kommentare sind so schräg, dass wir ein kleines Best of zusammengestellt haben:
Altkleider Ja. Immigration Nein.
George: „Hello. I obtained your email from the Polish forum. … Your welcome to visit us in our warehouse in Toronto. **we do not provide invitation letters to come to Canada**“
Bruder im Geiste
chinenye: „Hi,I like how u explained why most people go for secondhand cloths. Just like me. I so much prefer them 2 all this new cloths that are brought into our country. Even the so called local industry manufactured cloths. Am not a fan of it. Am So delighted i finally found someone who sure same view with me. Just keep it up.“
Altkleider und Sohn
emeka uwalaka: „my father is a strong retailler of second hand cloth.he has been in de bussiness for 31 yrs and he has finish training me in de university.i am interested in de bussiness i want 2 know de minimum approximate amount for importing at least one small container to nigeria.i am emeka uwalaka from benue nigeria.“
Nicht so lustig
Goca: „I need help, I need clothes, please help“.
People from USA are bigger
Moussa Camara: „Looking for used clothes for west africa, burkina faso and ivory coast. My concern for importing from USA is size, people are very slim from the place where i want to sell items and people from usa are bigger Please contact me if you can help.“
Rausgewachsen
nycalways: "Greatings I'm a New Yorker from the good old USA. I recently lost a substantial amount of weight and no longer am able to fit my clothing. I have heard from time to time about residents not native to USA will buy used/new clothes to have them shipped back to their native land. The clothing I have are a mixxture of name brands and your run of the mill. All in good to excellent condition with some even having the tags still attached. I am in desperate need of a new wardrobe and currently unemployed. If anyone can suggest, refer it would be greatly appreciated."
Den tropischen Markt überfluten
JOSEPH EJITURU EBUEME: „…WE ARE GIANT IMPORTERS AND EXPORTERS OF GENERAL GOODS IN THE TROPICS AND WOULD LIKE TO FLOOD THE TROPCAL MARKETS WITH YOUR GOODS AND SERVICES AS WE ARE WELL KNOWN REPUTABLE ORGANISATION HERE IN LOME TOGO IN WEST AFRICAN REGIONS THAT IMPORTS USED SHOES AND USED CLOTHINGS SUMMERS.“
Wie geht das?
Sisanda: „Good day. I reside in South Africa, I am interested in starting a secondhand designer clothing reselling business. Please take me through the whole process.“
Top-Marken von Rainforest Green Ltd. – auch desinfiziert
Ferenc Revak: „Dear sir/madam, Rainforest Green Ltd. is a London based company, trading with second hand clothes. … We work together with schools, businesses and the public to provide every customer with popular stylish English brands like Primark, Top Shop, Burton … If you required disinfection certificate, we can provide you for a fee of 70 GBP.“
So wird ein Schuh draus
cheap shoes: „A great post but How to select a cool shoes.“
Was sagen uns 36.000 Geschichten über die Arbeit von NGOs in Kenia und Uganda?
Vor kurzem wurde ich von Global Giving (GG) eingeladen ihr Storytelling-Projekt in Kenia und Uganda zu kommentieren (auch ein Case im Trendreport). Im Rahmen dieser Projekts versucht die amerikanische Spendenplattform, auf der sich wie auf betterplace.org viele lokale Grassroots-Initiativen präsentieren, von Begünstigten dieser Projekte Feedback einzuholen (s. dazu auch unsere Forschungen). Gemeinsam mit einem Team von CognitiveEdge, die die Komplexitätsmanagement-Software SenseMaker entwickelt haben, sammelt Global Giving im Rahmen eines Pilotprojekts Geschichten zu sozialem Forschritt in Kenia. Die bislang veröffentlichten Ergebnisse in Form von Artikeln, Studien und blogposts bieten einen faszinierenden, z.T. aber auch besorgniserregenden Einblick in die NGO-Praxis.
Was macht das Global Giving Storytelling Projekt?
Seit 2010 sammeln (nunmehr 1000) Voluntäre im Auftrag von GG Geschichten in ganz Kenia und Teilen Ugandas. Sie fordern normale Bürger dazu auf die folgende Frage zu beantworten:
tell us about a time when a person or an organization tried to change something in your community.
Die mit Stift und Papier niedergeschriebenen Geschichten, sowie einige wenige weitere Koordinaten werden dann online eingegeben und mit der SenseMaker Software analysiert um Muster zu erkennen und quantifizierbare Ergebnisse zu erhalten. In Zukunft sollen Projektmacher, die über Global Giving Spenden sammeln, beim Checkout der Spendengelder die für ihre Region und NGO relevanten Geschichten präsentiert bekommen. Auf diese Weise erhofft GG dass die NGOs ein besseres Verständnis von den Bedürfnissen ihrer Begünstigten bekommen und ihre eigene Arbeit dementsprechend ausrichten. Mittlerweile sind über 36.000 Geschichten zusammengetragen und ausgewertet worden.
Die einzelnen Geschichten sind alle auf einer Karte verortet

Jede Geschichte kann eingesehen werden. Ebenso dokumentiert ist die Einordnung der Geschichte im Rahmen der SenseMaker-Methodik. Diese Einordnung wird von dem Geschichtenerzähler selbst vorgenommen:

Die Dokumentation des Projekts ist sehr umfangreich (ein paar Ressourcen finden sich am Ende dieses Beitrags). Für mich waren folgende Ergebnisse besonders interessant:
Die Hälfte der Geschichten handelt nicht von NGOs
Insgesamt tauchen in den 36.000+ Geschichten ca. 930 Hilfsorganisationen namentlich auf. Darunter große internationale Organisationen wie das Rote Kreuz oder USaid und viele kleine lokale Initiativen. Aber außer den ganz großen Organisationen werden nur wenige Organisationen mehrfach genannt. In der Wahrnehmung vieler Kenianer spielen die Bemühungen von Einzelpersonen, Kirchen und anderen Institutionen wie z.B. eine Bank (die Kredite für Schulgebühren vergibt) eine mindestens so große Rolle bei der Verbesserung des Lebensumfelds.
NGOs und Begünstigte sprechen völlig verschiedene Sprachen
Erschreckend sind die Schilderungen von einzelnen Treffen zwischen Marc Maxson, der das Storytelling-Projekt leitet und lokalen NGOs. Marc traf sich regelmäßig mit NGOs um ihnen die Ergebnisse des Projekts vorzustellen und mit ihnen die Datenbank nach für sie nützlichen Informationen durchzusuchen. Der folgende Dialog ist bezeichnend. Marc hatte die versammelten NGO-Vertreter gefragt, zu welchen Themen sie mehr wissen wollten. „Youth development“ war die Antwort. Doch in der Datenbank fanden sich keine Geschichten die „Youth development“ erwähnten.
“These are stories from ordinary community members,” I reminded them. “And they don’t write stories using the phrases you use in your grant proposals. What does ‘youth development’ actually mean?” I asked.
Black stares.
“You know, in English?”
Still, nobody could provide an intuitive answer.
“So why I don’t I search for ‘sports’ instead? Because every youth development organization I’ve met in kenya is using sports for social change.’
Now we had 218 stories about ‘sports’ and 548 stories with the word ‘sport’.
Offensichtlich sind viele NGOs es so gewohnt nur die Sprache zu gebrauchen, die sie in Förderanträgen verwenden, dass sie nicht mehr in Umgangssprache erklären können, was sie machen. An anderer Stelle präsentiert Maxson die 93–15-3-Regel: von 93 NGOs, die bei einer Versammlung vertreten waren, hatten alle jede Menge von Förderanträgen geschrieben, aber nur 15 von ihnen hatten wirklich jemals Geld bewilligt bekommen und nur 3 erhielten Fördergelder für drei fortlaufende Jahre. Diese ständige Unterfinanzierung und gleichzeitige Abhängigkeit von (meist) internationalen Geldgebern bewirkt, dass sich alle Aufmerksamkeit, Sprachmuster und Energie auf das Einsammeln von Spenden- und Fördergeldern richtet und mit der Zeit eine solche Kluft entsteht, dass NGOler und Begünstigte eine völlig andere Sprache sprechen.
Ein Fazit aus diesen Erfahrungen scheint zu sein, dass die Gebergemeinschaft sich dringend überlegen muss, ob die von ihnen geforderten Antragsformen und der dabei verwendete Jargon nicht eine Scheinwelt erzeugen, die mit der realen Welt der Begünstigten nichts zu tun haben. Maxson beobachtet, dass viele NGOler in Kenia und Uganda, die sich perfekt im Jargon auskennen und mit Konzepten wie „Menschenrechten“, "Food Security" und „Ermächtigung“ um sich werfen, die wahren Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften oft nicht kennen. Zugleich sind eine große Anzahl von Einzelinitiativen und Community-Organisationen, die wirklich engagiert die Lebensverhältnisse in ihren Gemeinschaften verbessern, von den Geldströmen ausgeschlossen, weil sie den Förderungs-Jargon nicht beherrschen. (Wir hoffen, dass es diese Art von Organisationen sind, die sich über betterplace und Global Giving einen neuen Finanzierungskanal eröffnen).
Die Kritik an der Diskrepanz zwischen Förderungsarten und lokalen Realitäten kursiert in der Entwicklungshilfe-Diskussion schon lange. Aber durch die Masse an belastbaren Geschichten, die im Rahmen des Storytelling-Projekts gesammelt worden sind, kann eine bislang oft nur ideologisch geführte Diskussion neu durch Fakten untermauert werden. Eine spannende Frage ist, ob Projektmanager, wenn sie auf GG zukünftig mit realen Geschichten aus ihren Gemeinschaften konfrontiert werden, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden und paßgenauere Arbeit leisten können.
Eine weitere interessante Erkenntnis des Projekts ist, dass Begünstigte eine lange Zeit brauchen, bis sie mit expliziter Kritik herausrücken. Durch die SenseMaker-Analysen konnte festgestellt werden, dass die Geschichten-einsammelnden Voluntäre während der ersten Monate ihrer Tätigkeit nur positives Feedback zu NGOs einholten und erst nach über einem halben Jahr das volle Vertrauen der Begünstigten gewonnen hatten und nun auch kritische Geschichten erhielten.
Hier sind weiterführende Materialien zum Projekt
Die Global Giving Website zu dem Projekt. Von dort kann man alle 36.191 Geschichten, sowie den Fragebogen einsehen.
Diverse Blogposts von Marc Maxson zu Datenanalyse und einer Einschätzung des Gesamtprozesses:
http://chewychunks.wordpress.com/2011/09/08/score-card-on-delivering-feedback/
http://chewychunks.wordpress.com/2011/07/25/tracking-flow-in-storytelling/
http://chewychunks.wordpress.com/2012/02/01/real-ngo-attribution-complexities-in-automating-it/
http://chewychunks.wordpress.com/2012/01/10/storytelling-analysis-tools-and-maps/
http://chewychunks.wordpress.com/2011/07/25/comparing-two-rape-prevention-programs/
http://chewychunks.wordpress.com/2011/10/20/innovation-in-chunks-our-first-community-feedback-session/
http://chewychunks.wordpress.com/2011/11/16/kisumu-community-feedback-focuses-on-conceptual-evaluation/
http://www.how-matters.org/2011/08/30/storytelling-with-marc-maxson-part-2-2/
Herzlichen Dank an Irene Guijt, die gemeinsam mit Marc Maxson die Studie leitet und mir das gesamte Material zur Verfügung stellte. Und ebensolchen Dank an Susanna Krüger für die Diskussion der Ergebnisse.
Heiligt der Zweck die Mittel – wie sollten NGO’s mit Marktbeherrschern wie Facebook, Youtube, Twitter umgehen?
Letzte Woche erreichte uns diese Mail von Samantha Staudte von der Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Wir fanden ihre Frage so interessant, dass wir sie gerne untereinander und mit euch diskutieren möchten. Also, laßt euren Kommentaren freien Lauf!
Hallo liebes betterplace-Team,
ich habe eigentlich keinen Gastbeitrag, sondern eher eine „Gastfrage“, zu der ich gerne mal die Meinung anderer hören würde.
Ich arbeite für eine NGO, die den Machenschaften und dem Einfluss von Großkonzernen und Banken sehr kritisch gegenübersteht. Immer wieder bekommen wir daher von Mitgliedern und Unterstützern auch Kritik darüber zu hören, dass wir Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube etc. für unsere Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Als Beispiel zitiere ich hier mal aus einer Mail, die uns vor einiger Zeit erreichte: Kritisiert wird, dass wir damit Unternehmen unterstützen/promoten, deren Firmenpolitik intransparent ist, die Monopolstellung inne haben und und deren Umgang mit persönlichen Daten mehr als fragwürdig ist.
Doch sind nicht gerade 'Facebook' und 'Youtube' genau diese Haie, welche u.a. bekämpft werden sollen? Der x-fache Milliardär Mark Zuckerberg ist doch nur ein drohendes Beispiel dafür! Auch nutzen Sie sicher die Möglichkeiten eines Herrn Bill Gates, eines ebenfalls zigfachen Milliardärs? Also gegen Großkonzerne wettern, aber diese nutzen – ist das einer Ihrer Philosophien?
Natürlich sollte man Marktbeherrschern wie Youtube, Google und Facebook kritisch gegenüberstehen. Dennoch denke ich persönlich, dass man hier Vorteile und Nachteile gegeneinander abwägen muss – und die Vorteile für unsere Öffentlichkeitsarbeit überwiegen: Über so große soziale Netzwerke erreicht man einfach viel mehr Menschen mit unseren Anliegen und v.a. auch Menschen, die sich sonst vielleicht nie mit unseren Themen befassen bzw. auf unsere Webseite stoßen würden. Gleichzeitig macht man sich damit auch unabhängiger von der News-Agenda klassischer Medien (Print/TV/Radio) und hat ganz neue Möglichkeiten Themen zu verbreiten und Feedback und Unterstützung dazu zu erhalten. Hingegen würde es für die großen Plattformen keinen Unterschied machen, wenn wir als NGO uns entscheiden würden, sie nicht zu nutzen.
Für wichtiger, als diese Plattformen generell zu verteufeln, halte ich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und die Aufklärung unserer Mitglieder/ Unterstützer darüber, wieso wir diese Plattformen nutzen, und was sie persönlich bedenken und wissen sollten, bevor sie selber Benutzerkonten dort anlegen. Daher arbeiten wir zurzeit auch an einem „Social-Media-Guide", der unsere Mitglieder über Nutzen und Risiken aufklären soll.
Bei Facebook und Co. handelt es sich ja nicht nur um einen vorübergehenden Trend und NGO's können mithilfe dieser großen Netzwerke auch viel Gutes erreichen. Zwei erfolgreiche Beispiele von Greenpeace: Mit ihrer Kampagne „unfriend coal“ und 181.448 Facebook-Unterstützern, hat Greenpeace Facebook dazu bewegt, einen Umstieg von Kohle auf ökologisch produzierten Strom anzugehen. Und die Kampagne „Nestlé – give the Orang Utan a breack", die über Youtube Millionen Menschen erreichte, hat Nestlé dazu gebracht auf die Verwendung von Palmöl in ihren Produkten zu verzichten (für dessen Anbau wird Regenwald im großen Stil gerodet) S. dazu hier und hier.
Also, was meint Ihr? Über Feedback zum Thema von Euch und euren Lesern/Nutzern würde ich mich daher sehr freuen!
Samantha Staudte
Hier als Hintergrund noch ein paar Links zum Thema intransparente Firmenpolitik/fragwürdiger Umgang mit Datenschutz/Monopolstellung bei den großen Social-Media-Plattformen:
Sascha Adamek über gravierende Risiken und Nebenwirkungen des Internet-Giganten Facebook
Über das Problem der Monopolstellung der Internet-Giganten und dezentrale Soziale Netzwerke als Alternativen.
Facebook & Co. - Netzwerk oder Datenkrake? - PHOENIX Runde vom 31.01.2012
Von und über Kony2012 lernen
Interessanter als die Nachricht vom psychischen Zusammenbruch des Invisible Children Mitgründers sind die Analysen zur Strategie der Kampagne, von denen in den letzten Tagen eine Reihe erschienen sind. Denn unabhängig von der berechtigten Kritik an Kony2012 sind sich wohl Online Aktivisten und Fundraiser einig, dass es hier viel zu lernen gibt. Manches davon - so glaube ich nach den hier präsentieren Analysen - sollten wir aber wirklich nicht nach Deutschland importieren.

Warum dieses Bild so aufschlussreich ist, erschließt sich weiter unten
Der phänomenale Medienerfolgs von Kony2012 (aktuell bei 80 Mio. views auf YouTube) ist dem Filmemacher und Protagonisten Jason Russell nicht gut bekommen: am Donnerstag wurde er nur in Unterwäsche bekleidet, randalierend und öffentlich masturbierend in den Straßen von San Diego von der Polizei aufgegriffen. Mittlerweile befindet er sich in einem Krankenhaus zur psychiatrischen Behandlung.
Wer die Videos gesehen hat, in denen Russell sich bei Fans und Unterstützern bedankte und sie aufforderte sich mit eigenen Aktionen an der Kampagne zu beteiligen, den wird diese Nachricht vielleicht nicht so sehr überraschen. Zwar wäre jeder von uns von einem solchen Erfolg wahrscheinlich grenzenlos euphorisiert. Aber Russell wirkte fast schon am Rande des Wahns - voller Hybris, vermessen und sich selbst überhebend.
Interessanter als die psychische Verfaßtheit des Invisible Children Mitgründers sind aber die Analysen zur Strategie der Kampagne.
Schon seit 3 Jahren im Visier der Wissenschaften
Glücklicherweise war Invisible Children schon länger auf dem Radar einer süd-kalifornischen Forschungsgruppe, die in den letzten drei Jahren die Verbreitungsstrategien der NGO detailliert analysiert hat. Die wichtigsten Erkenntnisse wurden jetzt veröffentlicht. Hier einige Highlights:
Das Kony Video war kein viraler Überraschungserfolg, sondern Ergebnis einer präzisen Strategie und Vorarbeit. Seit Gründung der NGO 2004 sind Hunderttausende von Jugendlichen rekrutiert worden und in Schulclubs und Grassroot Kampagnen aktiv. Diese Jugendlichen waren die ersten, die das Video erhielten mit der Aufforderung, es an möglichst viele andere Schulkameraden und Freunde weiterzuleiten.
Das Kony2012 eine Jugendbewegung ist, findet sich dadurch bestätigt, dass das Video meist auf Smartphones gesehen wurde und unter 13-27 Jahre alten Mädchen und Frauen, sowie 18-24 jährigen Männern am beliebtesten war.
Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs von Invisible Children als Organisation liegt in ihrem Storytelling Ansatz:
Die Hälfte des Budgets der NGO wird für kreatives Geschichten erzählen in der Form von Filmen, Veranstaltungen und Online Medien ausgegeben. Die Geschichten handeln von den Gründern der Organisation, sowie ihrer Arbeiten in Uganda. Die Unterstützer der NGO können wiederum auch Teil dieser Geschichte werden, z.B. indem sie in ihren Schulen Fundraising-Wettbewerbe abhalten (die auf einer eigenen Website abgewickelt werden). Die Gewinner der Spendenwettbewerbe dürfen nach Uganda reisen und sich die Arbeit der Organisation vor Ort ansehen. Die Geschichten, die sie von diesen Reisen erzählen werden wiederum multimedial aufbereitet und verleihen dem Invisible Children Universum zusätzliches Momentum.
Im Mittelpunkt aller Geschichten steht der amerikanische Spender/Aktivist, der dadurch, dass er an einem humanitären Abenteuer teilnimmt, persönlich wachsen kann. Die NGO spricht Jugendliche als politische Akteure an, deren Stimmen in der Öffentlichkeit Gehör finden können.
In die Breite und in die Tiefe
Im Rahmen der Forschungsgruppe wurden die Konzepte von "Spreadability" und "Drillability" entwickelt. Spreadability ist nicht mit Distribution zu verwechseln: erstere erfolgt meist vom Produzenten zentral gesteuert, während letzteres ein neues, hybrides Zirkulationsmodel bezeichnet, bei dem Informationen einfach von vielen Menschen verbreitet werden können. Spreadability macht es Menschen leicht an einer Aktion teilzuhaben, doch im Gegensatz zum klassischeren Vertrieb können die Botschaften schwerer kontrolliert werden. Invisible Children punktet dadurch, dass sie Informationen über ihre Arbeit und Uganda leicht verteilbar und personalisierbar machen. Filme über den Krieg im Norden Ugandas werden für private Screenings zur Verfügung gestellt, wer eine Kopie erwirbt, bekommt eine weitere zur Weitergabe geschenkt. Schüler bekommen in Trainings vermittelt, wie sie den Konflikt in Uganda besonders prägnant beschreiben können, inklusive feststehender einprägsamer Phrasen, die bei ihren Schulkameraden hängenbleiben.
Im Gegensatz dazu sieht es mit der "Drillability" - der Möglichkeit tiefer in eine Materie einzutauchen - bei Invisible Children nicht so gut aus. Die allgemeinen Informationen auf der Website über den Konflikt in Norduganda umfassen nur 1200 Worte und aktuell politische Hintergrundinformationen werden zwar sporadisch zur Verfügung gestellt, sind aber nicht auf Zirkulierbarkeit ausgerichtet.
Stramme Christen auf der Konywelle
Faszinierende Visualisierungen von der Verbreitung von Kony 2012 finden sich auf einem Blogpost von Social Flow.

Die Analyse der Twitter Daten zeigt besonders eindrucksvoll, was für eine Aufmerksamkeitswelle erzeugt wurde. #StopKony erzielte 12.000 Tweets pro 10 Minuten, während das gleichzeitig stattfindende Tech-affine Festival South by Southwest mit #SXSW auf nur 900 kam.
Die verschiedenen Social Flow Graphiken lassen genaue Rückschlüsse auf die Verbreitungsstrategien der NGO zu. Der Twitterkanal von Invisible Children spielt eine zentrale Rolle, ebenso wie der des Gründers Jason Russel und anderer Mitarbeiter, sowie einer sehr aktiven Unterstützerin namens Kristen Bell. Zudem lassen sich dichte Knoten von anderen eng miteinander verbundenen Nutzers erkennen, die von Anfang an in die Kampagne involviert waren.
Militäreinsätze statt Missionierung

Die Bewegung startete nicht in den Großstätten der USA, sondern vielmehr in kleinen und mittelgroßen Ballungszentren. Birmingham, Alabama erweist sich auf diesen Graphiken als ein besonders wichtiger Knotenpunkt. Hier, mitten im Bible Belt, hat Invisible Children offenbar besonders viele Unterstützer.
Eine Analyse der Tweets mit Hilfe von Wordle unterstützt diese These. Viele haben Bibelpsalme in ihren Profilen und in den Tweets tauchen besonders oft die Worte Gott, Jesus, Christ, Universität und Student auf.
Hier die Wordle tagcloud:

Mein Promi und ich
Neben der Bedeutung von real-existierenden Netzwerken, die die massenweise Verbreitung des Videos initiierten, erwies sich die Möglichkeit mit 2 Klicks berühmte Persönlichkeiten wie Justin Bieber oder Rihanna gezielt über twitter anzusprechen als höchst erfolgreich.

Im unteren Teil der Kony 2012 website sind die Gesichter von Promis und Politikern zu sehen, die in die Kampagne hineingezogen werden sollten. Ein Klick auf einen von ihnen erzeugt einen automatisch generierten Tweet, der bei dem Promi landet und ihn auffordert das Video zu sehen und die Kampagne zu unterstützen. Sobald die ersten Promis mit am Start waren und das Video unter ihren Millionen Twitter-followers verbreiteten, erhielt die Kampagne nochmals einen wichtigen Schub.
Ich finde es faszinierend zu sehen wie digitale Werkzeuge uns dabei helfen einen völlig neuen Blick auf Kampagnenstrategien und Zusammensetzung der Unterstützer-Netzwerke zu entwickeln. Von diesem Hintergrundwissen können wir lernen. Es verändert aber auch unsere Einschätzung der Kampagne an sich. Denn plötzlich ist die vereinfachende Weise in der Russell im Video seinem Sohn den Kampf gegen Kony erklärt und das schlichte Erfolgsrezept für den Wiederaufbau Nordugandas, dass Invisible Children propagiert, nicht mehr einfach nur eine höchst erfolgreiche Kampagnenstrategie, sondern eine weltanschauliche Ideologie. Gestrickt u.a. für Menschen, die überzeugt davon sind, dass Jesus übers Wasser ging und die Welt in 6 Tagen errichtet wurde. Und - auch dies legen die Twitterdaten offen - die christliche Fangemeinde kam nicht zufällig zustande. So ist Russell selbst glühender evangelikaler Christ und schon ein paar Tage bevor der Film online ging, führte der hashtag #Kony2012 in Birmingham, was u.U. darauf hindeutet dass man hier schon mal für die Konywelle übte.
Oder wie geht es euch? Fühlt ihr euch wohl damit, eine Botschaft zu unterstützen, die von Millionen wertkonservativer Christen getragen wird, die nicht gerade für Demut und Wertschätzung anderer Kulturen strotzt? Oder rechtfertig der Zweck die Mittel?
PS. Habe gerade dana boyds gute Analyse der Social Flow Daten entdeckt - hier.
Und auch das hier ist bemerkenswert: Al Jazeera fordert die Bürger Ugandas auf, per SMS ihre Reaktionen zu Kony2012 einzuschicken und nutzt dazu die Ushahidi Software - Uganda Speaks
Plätschernd unsere Gewässer schützen
Pünktlich zum internationalen Flussaktionstag ging die Big Jump Challenge Webseite online, über die sich tausende von SchülerInnen verabreden können, um am 17. Juni 2012 gleichzeitig ins Wasser zu springen. Bevor sie rein springen, schreiben sie ihre Wasserbehörde an und fragen höflich nach, wie weit sie die Wasserrahmenrichtline schon umgesetzt haben.
Wir mobilisieren, um unsere Gewässer in Deutschland wieder sauber zu bekommen. Eigentlich soll die Wasserschutzrichtlinie bis 2015 umgesetzt werden, aber die Regierung versucht momentan, die Umsetzungsdeadline auf 2027 zu verschieben. An sich ist die Richtlinie ein super Instrument, mit dem die Hauptverursacher des Pfuiwassers zur Rechenschaft gezogen werden können – und das sind ganz und gar nicht die "kleinen Leute", wir zahlen schließlich alle unsere Gebühren an die Wasserreinigungswerke. Der Großteil der Gewässerverunreinigung kommt aus industrieller Landwirtschaft, Akteuren der Binnengewässer und der Energiewirtschaft, hier allen voran die Atomkraftwerksbetreiber.
Die Kampagnen Webseite ist online
Am 14. März wurde die Webseite des Big Jumps 2012 gelaunched. Jetzt kann sich jeder online registrieren und ein Jump anmelden. Wir arbeiten momentan täglich an der Webseite um die letzten Feinheiten einzubauen und Details zu verbessern – wenn euch also etwas auffallen sollte, freuen wir uns über Feedback!
Das Thema ist komplex. Was wir tun können ist einfach.
Ist ein Jump einmal angemeldet, recherchiert Nele von der Uni Greifswald eure zuständige Behörde raus und schickt euch innerhalb von drei Tagen ein exemplarisches Anschreiben, was ihr nur noch ausfüllen und abschicken müsst. Da die Behörden auskunftspflichtig sind, solltet ihr eine Reaktion bekommen, die ihr online stellen könnt. Damit bekommt dieses wichtige Thema ein öffentliches Gesicht und die Politik kann spüren, wie wichtig es uns ist, die Gewässer in Deutschland sauber zu halten!
Auf der Webseite findet ihr auch Workshopmaterial für Schulklassen und weitere Infos rund um das Thema. Mit Alex von der Marie-Curie-Oberschule in Berlin, Flo von Viva con Aqua, Nele von der Uni Greifswald, Rosa von der Humbold-Viadrina School of Governance und ich haben uns gestern nach dem Webseiten Launch zusammengesetzt und die ersten Profile eingetragen. Wenn ihr Schüler zwischen 14 und 21 Jahren kennt, die an dem Thema Spaß haben könnten, leitet es unbedingt an sie weiter! Wir freuen uns schon auf den Team-Sprung in die Spree.
Bitte dreimal hinsehen: Kony 2012
Innerhalb von bislang 6 Tagen wurde der YouTube Film Kony 2012 knapp 66 Mio. mal gesehen (nach einer kurzen Schreibpause waren es schon 67). Und das, obwohl der Film ADS-untaugliche 30 Minuten lang ist und von einem afrikanischen Rebellenführer handelt. Im Video ruft der Filmemacher und Aktivist der Organisation Invisible Children Jason Russell die Welt zur Jagd auf Joseph Kony auf. Der hat es als brutaler Menschenrechtsverbrecher sicher verdient an den Pranger gestellt zu werden. Doch wie sinnvoll ist die bislang viralste Online Campaign ever wirklich und was sagt sie über das Wesen von Online Aktivismus aus?

Massenmörder Joseph Kony
Montag von der amerikanischen Lobbygruppe Invisible Children ins Netz gestellt, erreichten mich begeisterte emails über den Film am Mittwoch. Am gleichen Abend erzählte mein 16 jähriger Sohn, in der Schule würden alle über den Film reden (das Durchschnittsalter der Zuschauer ist laut YouTube 13-24). Donnerstags bekam ich über twitter mit, dass sich starke Kritik am Film ausbreitete und gen Wochenende hatten auch die großen deutschen Online-Zeitungen (hier die SZ, die Zeit und faz) das Thema Kony 2012 auf dem Radar.
Wer ist Kony?
1988 hatte Joseph Kony als Widerstand gegen die Machtergreifung Yoweri Musevenis die Lords Resistance Army (LRA) in Uganda gegründet und seitdem im hochgradig instabilen Norden Ugandas seinen besonders brutalen Terror verbreitet. Die LRA tötete Zigtausende von Menschen, veranlasste über 1.8 Millionen zur Flucht und verschleppte gezielt Tausende von Kindern, um sie als Kindersoldaten z.B. nach Darfur oder in den Südsudan zu schicken. Kony wird seid 2005 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag gesucht, bislang vergebens.
Ein Appell an die globale Netzgemeinschaft
Diesen Verbrecher möchte Jason Russell, der Mann hinter Invisible Children und Regisseur des Films, mit Hilfe des Videos so bekannt machen, dass die ganze Welt ihn sucht:
99% of the planet doesn’t know who Kony is. If they did, he would have been stopped years ago.
Um dies zu ändern ruft Russell die Netzgemeinschaft auf, Druck auf 20 einflußreiche amerikanische Kulturschaffende und 12 Politiker auszuüben, die das Thema in der Öffentlichkeit und Politik weiter verbreiten sollen. Am 20. April wiederum sollen Menschen weltweit Poster und Sticker von Kony aufhängen (die sind Teil des Action Kits, welches man für 30 Dollar bei Invisible Children beziehen kann). All dies, damit die US-Regierung, die seit 2008 eine 100-Mann starke militärische Präsenz in Uganda hat, weiterhin die ugandische Armee unterstützt, nach Kony zu suchen.
Während die Kunde von Kony 2012 durch die sozialen Netzwerke ging, meldeten sich aber auch die ersten Kritiker. Einer der ersten von ihnen, Grant Oyston ein 19 jähriger Student der Politikwissenschaften in Nova Scotia, startete einen Tumblr blog zum Thema, in dem er fragte, ob der Ansatz von Invisible Children wirklich geeignet sei, um den Menschen in Uganda zu helfen:
I do not doubt for a second that those involved in KONY 2012 have great intentions, nor do I doubt for a second that Joseph Kony is a very evil man. But despite this, I’m strongly opposed to the KONY 2012 campaign.
Seitdem haben sich Hunderte von Bloggern und Kommentatoren (darunter auch der von mir sehr geschätzte Ethan Zuckerman) kritisch zu Wort gemeldet, in Uganda, ebenso wie in den USA und Deutschland.
Manipulativ, Kolonial, Ineffektiv, Kontraproduktiv
Was sagen die Kritiker?
Manipulativ: Der hoch professionell gemachte Film ist manipulativ. Geschickt spricht das Video den Betrachter gleich zu Anfang als Teil der globalen Netzgemeinschaft an, die durch social media die Welt verändern kann, s. arabischer Frühling.
Die darauf folgende Botschaft ist einfach. Im Video sieht man über lange Strecken, wie der Filmemacher seinem fünfjährigen Sohn die Geschichte von Kony erzählt: Kony ist ein sehr böser Mann, der anderen Kindern weh tut. Er muss gefangen genommen werden und Papi wird ihn zur Strecke bringen. Das Video bietet uns einen Helden - den Filmemacher - der von seiner Freundschaft mit einem ehemaligen Kindersoldaten angetrieben wird. Mit ihm können wir uns identifizieren und unsere Verantwortung für die Weltgemeinschaft ausleben.
Einfache Botschaften verkaufen sich gut, sie verzerren aber unseren Blick auf die Wirklichkeit, auf wesentlich komplexere Verhältnisse und Kausalitäten. In der realen Welt gibt es nämlich nicht nur einen identifizierbaren perversen Kriminellen, sondern widersprüchliche lokale Machtkämpfe, instrumentalisierte ethnische Identitäten, Streitigkeiten um Landrechte, sowie die Interessen der internationalen Gemeinschaft und deren Militärpräsenzen – alles Elemente, die in Uganda eine wichtige Rolle spielen.
Kolonial: Die Kampagne verstärkt ein eurozentrisches Weltbild, in dem die Weißen die aktiven Helden, die Schwarzen die passiven Opfer sind. Die Kampagne wird dominiert von weißen Amerikanern. Kein Afrikaner sitzt im Board von Invisible Children und die Zielrichtung der Kampagne sind ebenfalls Amerikaner.
Ineffektiv: Ob eine Festnahme von Kony wirklich zu einer Stabilisierung des Nordens von Uganda und verbesserter Lebensbedingungen für die Bevölkerung führen würde – und das sollte unser oberstes Ziel sein – ist mehr als fragwürdig.
Denn offensichtlich ist Kony gar nicht mehr in Uganda, sondern versteckt sich in einem Gebiet zwischen DRK, Sudan und Zentralafrikanischer Republik. Vielleicht ist er auch schon längst tot. Zudem stellt die LRA seit einigen Jahren auch keine wirkliche Bedrohung mehr dar.
Heute, so ein ugandischer Journalist, sind im Norden Ugandas die Behandlung von Krankheiten, wie die Nodding Disease, Kinderprostitution, fehlende Arbeitsplätze und die brachliegende Infrastruktur die vordringlichsten Probleme. Die wenigen LRA-Attacken im vergangenen Jahr wurden von der UN als "letzte Zuckungen einer sterbenden Organisation" beschrieben.
Kontraproduktiv: Viele Afrikakenner meinen, dass für die Kony 2012 zusammenkommende Geld wäre besser in anderen Themen und Organisationen investiert. In lokale Organisationen, die sich schon seit Jahren um den wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbau der Region nach dem Bürgerkrieg kümmern. Bei Invisible Children gehen weniger als ein Drittel der Spendengelder direkt nach Ostafrika. Die meisten Erlöse werden für Mobilisierung, Filme und weiteres Fundraising ausgegeben.
Russell fordert uns dazu auf, die ugandische Armee bei der Suche nach Kony zu unterstützen. Doch die ist selbst für Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Inkompetenz berüchtigt. Museveni wiederum ist ein korruper und diktatorischer Regierungschef , der jeden Widerstand gegen seine Alleinherrschaft brutal unterdrückt und unter dem im Parlament die Todesstrafe für Homosexualität diskutiert und fast verabschiedet wurde. Wieso adressiert der Film nicht Museveni und übt Druck auf ihn aus?
Dreimal hinsehen
In den letzten Tage haben viele politisch und sozial Engagierte fassungslos und auch ziemlich neidisch zugeschaut, wie ein Nischenthema in die facebook-Profile von Teenagern gelang, die sich bislang vordringlich mit Mode, Musik und Gossip beschäftigten. Wie ein gut gemachter Film über einen politischen Konflikt, von dem die wenigsten Menschen jemals gehört hatten, Millionen von ihnen bewegt eine Petition zu unterzeichnen, in der sie ihre Regierung zu einem Militäreinsatz auffordern. Wie ein Action Kit für 30 Dollar schon nach wenigen Tagen ausverkauft war.
Zeigt uns Kony 2012 die Grenzen des Netzaktivismus? Werden online nur einfachste Geschichten voller Klischees - Monster, gut aussehender Held (der sich selbst in der Rolle des Retters offenbar ganz großartig findet), süßes Kind - verbreitet? Müssen wir unsere eigenen Botschaften, wenn wir sie unter die Leute bringen wollen, ebenso simple stricken? Und richten wir damit u.U. mehr Schaden als Nutzen an?
Ja, aber ... auch die kritischen Stimmen konnten sich online massenweise Gehöhr verschaffen und ein differenzierteres Bild verbreiten. Der 19jährige Student, dessen Tumblr blog viele Diskussion angeregt hatte, war am Tag 4. auch schon über 2.2 Millionen Mal geklickt worden und sein Autor erhält stündlich Hunderte von emails. Wie Zeynep Tufecki in ihrem blog Technosociology schreibt:
the swift backlash against Kony2012 was loud, organized and, most importantly, also able to command attention. In just one day, I saw more human-rights experts and African and Ugandan voices on mainstream media than I do in a month or three. My social media stream was flooded by critical and in-depth discussion about the topic, often from Ugandans or topic experts. This is a key way in which Kony2012 differs from, say, “We are the World” campaign in the eighties in which Africans never got to be anything beyond silent victims.
Natürlich sind 2.2. Mio Leser weit weniger als 67 Mio Zuschauer, aber darin unterscheidet sich online nicht von offline. Auch die Bild-Zeitung erreicht mit ihren Schlagzeilen mehr Menschen als die Süddeutsche Zeitung.
Doch im Gegensatz zu Printmedien ist die Website von Invisible Children dialogisch: Prominent auf der homepage erscheint der twitterfeed zu #Kony und dort finden sich ebenso Links zu kritischen Kommentaren und Hinweise auf ugandische Organisationen, die vor Ort einen Unterschied machen. Zudem stellen sich die Macher von Invisible Children online ihren Kritikern und diskutieren mit ihnen. Dabei besteht die Chance, dass sich der Verlauf der Kampagne verändert und differenzierte Töne anschlägt.
Ausschnitt der Invisible Children Homepage
Die Maßstäbe für gelungende Massenmobilisierung im Netz, so hieß es auf SZ digital, seien mit Kony 2012 gewaltig verschoben. Digitale Aktivisten können viel über die neue Wahrnehmungsökonomie lernen, wie man online Menschen aktiviert und Spenden sammelt.
Meines Erachtens spricht nichts dagegen, Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Wie meine Freundin Josefina, der ich den ersten Hinweis auf das Video verdanke, mir eben in einer SMS schrieb: "Wenn ich heute Abend beobachte, wie Zwölfjährige sich auf einmal mit einer solche Thematik beschäftigen, dann finde ich die Aktion trotzdem gelungen."
Die Kunst besteht jetzt darin, das entfachte Interesse weiter zu treiben, die einfachen Botschaften zu hinterfragen und statt Marketing wirkliche Antworten anzubieten.
Aufrunden bitte!
Seit wenigen Tagen ist eine der spannendsten Fundraising-Aktionen in Deutschland gestartet: Deutschland Rundet Auf.
Painless Giving ist schon seit einigen Jahren ein internationales Schlagwort: nebenbei Gutes tun, und zwar so, dass man den finanziellen Verlust gar nicht merkt. Die Payback Spendenwelt ist dafür ein Beispiel, ebenso wie viele Cause-Related Marketing Aktionen (im lab Jargon Verkaufen mit Herz).
Bei Deutschland Rundet Auf (DRA) können Konsumenten in insgesamt 12.000 Filialen mit 40.000 Kassen ihren Rechnungsbetrag auf die nächsten 10 Cent aufrunden lassen. Die gesammelten Centbeträge werden dann zu 100% an speziell ausgewählte soziale Organisationen gespendet. So kommen die ersten Beträge der Eltern AG zu Gute. Mit am Start sind 15 Handelsketten, darunter Douglas, Görtz, Penny und KiK.
Was mir gefällt
Die Protagonisten - ungeschminkte Typen, statt platter Models
Die Mitmachseite - hier kann jeder den Satz vervollständigen "Ich runde auf, weil..." und Teil der Bewegung werden. Ebenso kann man weitere Handelsketten auffordern sich Deutschland Rundet Auf anzuschließen.
Was ich mir wünsche
Das möglichst viele Bürger an den Kassen Bitte Aufrunden! sagen und dadurch viel Geld für gute soziale Arbeit zusammenkommt.
Mehr Informationen zur Finanzierung der Initiative selbst - Da 100% an die Spendenprojekte weitergeleitet werden, frage ich mich, wie die Finanzierung von DRA gesichert ist. Zahlen dafür die beteiligten Handelsketten? Auf der Website läßt sich dazu (noch) nichts finden.
Worauf ich gespannt bin
Deutschland Rundet Auf kündigt an durch Projektfilme und detaillierte Informationen die Wirkung der Spenden für jeden Besucher der Website nachvollziehbar zu machen, sowie Finanzdaten offenzulegen. Als Vorbild könnten sie sich dabei an charity:water (s. dazu unser brandneues Insight) orientieren, und natürlich an unser Transparenztafel und Metriken.
P.S. betterplace.org ist einer der Umsetzungspartner von Deutschland Rundet Auf.
"Do we really want to know?" Der Wirkung auf der Spur
Er ist in aller Sozial-Experten Munde, wird aber kontrovers diskutiert: Der Social Return on Investment (SROI). Um diese Methode der Wirkungsmessung ging es vergangene Woche auch in Potsdam, wo 200 internationale Wissenschaftler und Praktiker unter dem Motto „A Time für Social Value“ zusammen gekommen waren. Doch lässt sich die Wirkung von sozialen Projekten überhaupt messen und obendrein auch noch verständlich darstellen? Beziehungsweise: Ist die Quantifizierung von sozialem Mehrwert nicht irgendwie paradox?
Diese Fragen begleiten uns bei betterplace.org schon seit den Anfängen. Denn unser Ziel ist immer noch, nicht nur mehr Spendenvolumen zu generieren, sondern dieses vor allem in bessere Projekte zu leiten. Nur welche sind besser als andere? Und wenn wir es wüssten: Wie könnten wir es einfach für die Unterstützer auf der Plattform sichtbar machen? Im betterplace lab gehen wir deshalb im Stakeholder Feedback-Projekt schon länger der Vermutung nach, dass Internet und Mobiltelefone eine Beitrag dazu leisten könnten, mehr über die Wirkung eines sozialen Projekts zu erfahren. Ganz einfach, weil diese Medien sehr nah dran sind an all den Menschen, für die sich etwas positiv verändern soll. Ich fuhr also mit der Frage zur Konferenz, ob das nicht zusammenpassen könnte – unser „Stakeholder Feedback“-Ansatz und SROI.
Denn der SROI zeichnet sich als Methode durch eine konsequente Stakeholder-Orientierung aus, in der alle Menschen, die durch ein Projekt eine Veränderung erleben – egal ob positiv oder negativ – berücksichtigt werden, um den Impact zu beschreiben. Analog zur wirtschaftlichen Rechengröße Return on Investment (ROI), werden beim SROI Investitionen und Ergebnisse quantitativ bewertet, so dass man am Ende einen Quotienten errechnen kann: Ein investierter Euro kreiert zum Beispiel 3 Euro sozialen Wert. Aber wie kommt man zu dem Ergebnis?
Bisher ist der gesamte Prozess einer SROI-Analyse aufwendig und analog, meist beinhaltet er Fragebögen, Fokusgruppen und Interviews mit Stakeholdern. Von Technologie keine Spur. Zwar gibt es mittlerweile Software, die einzelne Schritte im unterstützen (The Value Game) oder gesamten Prozess managen helfen (social e-valuator) soll. Aber um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, für die ein Projekt etwas verändern soll, werden Kanäle genutzt die oft nicht besonders intuitiv sind – etwa ein 18-seitiger Papier-Fragebogen für sozial schwache Familien. Könnten Internet und Mobiltelefonie hier helfen, noch mehr Menschen in die Analyse einzubinden, einfacher ins Gespräch zu kommen und authentischere Ergebnisse zu produzieren?
Darüber konnten Susanna und ich mit Peter Scholten und Thomas Meier-Ahrends, die mit anderen den SROI in Europa eingeführt haben, und buddY, einem Bildungsprogramm, das den SROI bereits anwendet, sprechen. Ergebnis: Wir alle sehen potentielle Synergien und wollen nun gemeinsam über eine Integrationsmöglichkeit für digitale Kommunikationstechnologie in den SROI-Prozess nachdenken.
Zurück zu den fundamentalen Fragen nach dem Wie und Warum der Wirkungsmessung, zu denen es im abschließenden Panel der sonst eher wenig disruptiven Konferenz noch ein paar spannende Bemerkungen gab: Sara Olsen von der Global Social Venture Competition ging noch einmal einen Schritt zurück und stellte die Frage, ob wir wirklich alle wissen wollen, was unsere Arbeit bewirkt. „Science is quite threatening for our way of doing things the way we want to do them“, erinnerte sie die Teilnehmer an die möglichen Auswirkungen von Wirkungsmessung, wenn man einmal damit angefangen hat. Einig waren sich die meisten Referenten darin, dass der SROI und andere Methoden zur Impact-Analyse in der Zukunft Mainstream-Instrumente für Unternehmen, NGOs und den öffentlichen Sektor werden.

