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Gastblog: Viva con Agua über den Erfolg bei Spendenmuffeln

31.08.2010 | Author: Dennis Buchmann | 1 Kommentar

Jugendliche spenden kaum. Nur viereinhalb Prozent der vom deutschen Spendenrat erfassten Geldspender waren in diesem Jahr unter 29 Jahre alt. Egoismus? Desinteresse? Vielleicht auch das. Der Grund für die Spenden-Unlust bei jungen Leuten liegt wahrscheinlich eher an saftigen Studiengebühren oder an unbezahlten Praktika, die das Ersparte aufgefressen haben. Dem 25-jährigen freiberuflichen Texter machen wahrscheinlich auch die letzten beiden unbezahlten Krankenversicherungszahlungen à 243,00 Euro mehr Sorgen, als das Schicksal der Flutkatastrophen-Opfer in Pakistan.

Spendenflaute bei Jugendlichen?

Die Trinkwasserinitiative Viva con Agua de St. Pauli e.V. merkt davon nicht viel. Ein großer Teil der Spenden kommt von Festivalbesuchern, die den Pfand ihrer Getränkebecher spenden (etwa indem sie Die Ärzte damit bewerfen) oder von jungen Hamburgern, die bei einem Benefizspiel der „Viva con Agua-Allstars“ gegen Musiker wie „Kaiser Chiefs“ oder „Gentleman“ am Eingang des Sportplatzes freiwillig fünf Euro geben. Die sich dann während des Spiels auch noch den Viva con Agua-Hoodie am Merchandisingstand kaufen. Und ihn natürlich tragen, weil er extrem gut aussieht!

Wie schafft es Viva con Agua, die jungen Spendenmuffel zu mobilisieren?

Ganz klar: Die Fundraising-Organisation Viva con Agua zielt auf Festivals, auf Sport- und Kulturevents, direkt ins Spaßzentrum. Statt mit traurigen äthiopischen Kinderaugen  an plakatierten Hauswänden zum Spenden zu ermahnen, heißt die positive Botschaft: Trinkt! Feiert! Habt Spaß! Und sorgt mit ein paar Euro für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern. Wenn man so will, steht Viva con Agua für hedonistischen Altruismus. Und es wirkt.

Denn: auch das Projekt an sich überzeugt.

Seit der damalige St. Pauli Spieler Benjamin Adrion Viva con Agua 2005 ins Leben gerufen hat, kämpft der Verein für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern. Konkrete Ergebnisse sprechen für sich: Von Burundi, wo Grundschulen mit sanitären Anlagen ausgestattet wurden, über Tiefbohrbrunnen im äthiopischen Dorf Sodo bis zum Wasser-Verteilernetz in Pasobullo/Ecuador: Über  55.000 Menschen weltweit haben mittlerweile dank Viva con Agua Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Hilfe zur Selbsthilfe

Nehmen wir einen Brunnen, der im Zentrum eines äthiopischen Dorfes gebaut wurde und der jetzt die Dorfbewohner mit sauberem Trinkwasser versorgt. Das bedeutet zunächst einmal ganz klar: Die Hygiene verbessert sich, weniger Dorfbewohner leiden unter schweren Durchfallerkrankungen, weil sie Wasser aus verdreckten Flüssen trinken mussten. Die positiven Effekte gehen aber noch weiter: Kinder, die vorher damit beschäftigt waren, in kilometerlangen Märschen Wasser zu besorgen, können jetzt Schulen besuchen. Frauen, die auch traditionellerweise auch für die Wasserversorgung verantwortlich sind, können nun ein eigenes Einkommen erzielen. Denn sie haben die Zeit und die Kraft, zum Beispiel ihre Feldfrüchte auf Märkten zu verkaufen.

Sind die Projekte abgeschlossen, werden die Menschen vor Ort in der Wartung und Pflege der  Brunnen, Zisternen und Sanitäre Anlagen geschult. Sie sind so in der Lage, die Anlagen selbständig zu verwalten und in Stand zu halten.

So macht Entwicklungszusammenarbeit Sinn: Sie hilft den Menschen, sich selbst zu helfen. Das sieht auch der von Studiengebühren gebeutelte Sportstudent so. Und versenkt bei jedem Festival ein paar Pfandbecher in der Viva con Agua-Sammeltonne.

PS: Gutes Viva con Agua Projekt auf betterplace.org: HIER

Text: Astrid Plonske / Viva con Agua

Dennis Buchmann
  1. Arne
    06.10.2010

    Schöner Artikel!

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