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NGO-Meter 2014: E-Mailings lohnen sich

22.01.2015 | Author: Angela Ullrich | 0  Kommentare

Hier kommen die aktuellen Ergebnisse des NGO Meter aus dem 1. Halbjahr 2014. Im NGO Meter erheben wir Kennzahlen von 15 NGOs rund ums Online-Fundraising. Warum machen wir das? Um Entwicklungstendenzen zu dokumentieren und vor allem, damit einzelne NGOs ihre Leistungen im Online-Fundraising besser vergleichen können. Einen Teil der Ergebnisse stellen wir hier und auf unserer NGO Meter Projektseite zur Verfügung, einen Teil behalten wir jedoch nur den Teilnehmern vor. Mitmachen lohnt sich also!

Unsere Auswertung zeigt, dass Online-Einzelspenden deutlich höher ausfallen als Offline-Spenden. 2014 war die durchschnittliche Online-Spende mit 95 Euro etwa dreimal so hoch wie die Offline-Durchschnittsspende von 33 Euro (s. GfK). In den Vorjahren lag die Online-Spende in unserer Stichprobe bei durchschnittlich 100 bis 115 Euro, der Trend zur höheren Spende hält demnach an.

Lastschrift ist nach wie vor beliebt

Und wie spenden die meisten Unterstützer online? Mit der guten alten Lastschrift. Sie liegt im Vergleich der Zahlungswege mit 73 Prozent weit vorne. Auf den hinteren Plätzen: Paypal (11,3 Prozent) und Kreditkarte (11,9 Prozent), wobei beide Kanäle im Vergleich zum Vorjahr aber an Bedeutung gewonnen haben (2013 lag ihr Anteil noch bei 4 bis 5 Prozent).

Online-Spendenvolumen größtenteils noch niedrig

Hier zeigen sich deutliche Unterschiede: Ein Fünftel der NGO-Meter-Teilnehmer akquirieren 20 bis 50 Prozent ihrer Spenden online! Für die Mehrheit der teilnehmenden Organisationen liegt das Onlinespendenvolumen im Vergleich zu den gesamten Spendeneinnahmen jedoch noch unter fünf Prozent.

E-Mailings erhöhen Website-Traffic

Die Emailing-Öffnungs- und Klickraten entwickeln sich positiv und liegen deutlich über den Vorjahreswerten. Einen positiven Trend gibt es – vor allem bei den großen NGOs – auch bei den Traffic-Kennzahlen. Das heißt: Die Besuchszahlen nach einem E-Mailing sind erneut deutlich angestiegen. Im Vergleich zu den kleinen Organisationen haben die „Großen“ außerdem längere Besuchszeiten und geringere Absprungraten. Die „Kleinen“ haben dafür im Gegenzug eine höhere Anzahl aufgerufener Seiten pro Besuch. Wer kurz vergleichen möchte: Die Öffnungsraten von E-Mailings liegen durchschnittlich bei 28,5 Prozent und die Klickrate (also, ob ein Beitrag im E-Mailing angeklickt wird) liegt bei 8,5 Prozent.

Unsere NGO Meter Teilnehmer

An der aktuellen Auswertung für das 1. Halbjahr 2014 haben 15 NGOs teilgenommen. Um die Erhebung zu vereinfachen und die Darstellung übersichtlicher zu gestalten, haben wir die Kennzahlen erstmals online via Surveymonkey abgefragt und die Auswertung anhand von Ergebnis-Intervallen durchgeführt.

Die Macherinnen des NGO Meter

Das NGO Meter wird von Silke Penner und Angela Ullrich betrieben (mehr auf unserer Über uns Seite). Wir danken beiden ganz herzlich! Die beiden würden sich über Feedback und natürlich noch mehr Teilnehmer freuen. Eine E-Mail genügt

Herzlichen Dank natürlich auch an die bisherigen Teilnehmer: action medeor e.V. , Aktion Deutschland Hilft e.V.CARE Deutschland-Luxemburg e.V.Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V., Die Arche e.V.Go Ahead!Help – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.Kinder von nebenan e.V.Masifunde Bildungsförderung e.V., PETA DeutschlandSave the ChildrenShelterBox GermanyMenschen für MenschenTeach First Deutschland gGmbHWWF Deutschland.

Angela Ullrich

Warum wir einen Jahresfilm machen

15.01.2015 | Author: Kathleen Ziemann | 0  Kommentare

Es ist eine kleine Tradition im lab, das Jahr mit einem Jahresfilm abzuschließen. Seit 2010 halten wir in dieser Form Rückschau und neben der professionellen Sicht auf unsere Jahreshighlights erlauben wir uns dabei jede Menge Spaß.

Sei es, dass Post-Its das Laufen lernen (2010), ein außerirdisches Knetmännchen die Führung übernimmt (2011), wir Klebeband animieren (2012), Schnaps auf Ex trinken (2013) oder sich eine Banane ins Bild schmuggelt (2014). Der Jahresfilm schwankt zwischen Profiarbeit und Party. Andere Organisationen veröffentlichen trockene Jahresberichte auf Papier – wir machen lieber ein Video. Das ist vielleicht nicht so übersichtlich, aber dafür ist eines sicher: Jeder Film ist mit Liebe für Detail und Humor gemacht. Und genau dieser Raum für Kreativität macht die Arbeit im lab so schön. Wir hoffen, dass Du Dich darüber mit uns freust. Hier nun der Film 2014, den wir zusammen mit Jana Fitzner erstellt haben – vielen Dank!

PS: Wer es übersichtlich wünscht, der muss noch auf unsere Jahresmetrik von Angela warten. Dort gibt es dann trockene Daten und Fakten.

Kathleen Ziemann

Digital-soziale Highlights 2014

23.12.2014 | Author: Joana Breidenbach | 0  Kommentare

Inmitten der vielen Jahresrück- und Ausblicke werden auch wir vom betterplace lab nach den Highlights des vergangenen Jahres und unseren Prognosen für 2015 gefragt.

Deshalb folgt hier - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - eine kleine Zusammenstellung der digital-sozialen Entwicklungen, die mich beeindruckt haben - und von denen wir in 2015 vorraussichtlich noch mehr sehen werden.

1. Online Fundraising schießt nach oben

Sowohl bei betterplace.org, als auch auf vielen anderen Plattformen und NGO-Websites sind die Nutzerzahlen und die Spendensummen in 2014 so stark nach oben geschossen, wie in keinem Jahr zuvor. Bei betterplace haben sich dieses Jahr 7300 Projekte neu registriert (Vergleich zum Vorjahr: 4150). Und auch wenn uns über das Gesamtspendenvolumen noch keine abschließenden Zahlen vorliegen (die Hauptspendenzeit läuft ja noch), so ist auch dieses für kleinere und mittelgroße Organisationen mit 5 Millionen EUR deutlich angestiegen.

In Folge der über social media weltweit verbreiteten Ice Bucket Challenge wurden weit über 100 Millionen EURO für ALS-Forschung gespendet. Bei der 2. Social Entrepreneur Challenge der Skoll Foundation kamen über 11 Millionen USD zusammen (hier ein interessanter Blogpost zu den Erfolgsfaktoren der Challenge), das dreifache vom Vorjahr. Wachstumsraten von 36% verzeichnete auch der diesjährige #GivingTuesday - alleine in den USA sammelten 4500 Charities über 26 Millionen USD über Online-Kanäle ein.

2. Die Diskussion um Daten und Zivilgesellschaft startet

Viel wird mittlerweile über die Nutzung unserer digitalen Daten durch Überwachungsdienste und Unternehmen geredet. Die Debatte, wie zivilgesellschaftliche Organisationen mit ihren Daten umgehen, wird dagegen bislang hauptsächlich im angelsächsischen Raum und auf Konferenzen wie The Ethics of Data geführt. Die Frage, wie NGOs, Stiftungen und Sozialunternehmer digitale Daten nutzen können, um ihre Mission besser zu erfüllen und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, wird bald - so hoffen wir - auch den deutschen sozialen Sektor erreichen.

3. Das Kulturerbe wird digitalisiert

Ein Thema, welches wir im betterplace lab erst seit kurzem verfolgen, ist die Digitalisierung des Kulturerbes. Immer mehr kulturelle Artefakte in Bibliotheken, Archiven und Museum (z.B. die grandiose Website vom Amsterdamer Rejksmuseum oder die Deutsche digitale Bibliothek) werden digital aufbereitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die damit einhergehenden Veränderungen der Kulturförderung, Arbeitsweisen in Kulturinstitutionen und Konsumgewohnheiten von Bürgern werden wir in einem unserer nächsten betterplace lab Trends beleuchten.

4. Die Digitale Agenda der Bundesregierung löst einen Digitalisierungschub aus.

Auch wenn sie erst ein Anfang ist, so konnten wir in den letzten Monaten konkret erleben, wie die Digitale Agenda in der politischen Landschaft in Deutschland ein neues Bewußtsein für die Chancen der Digitalisierung auslöst. Im Bereich der Förderung des Gemeinwohls und des sozialen Engagements werden im Familienministerium, ebenso wie im Innenministerium und dem BMZ in den nächsten Monaten eine Vielzahl neuer Projekte entstehen, die wir mit Spannung beobachten werden (und zu denen wir hoffentlich auch konkret beitragen werden).

5. Gemeinwohl 4.0.

In einigen unserer letzten Trends, z.B. Digitale Nothilfe und Bauern Empowern, berichteten wir von Projekten, bei denen Sensoren eine wichtige Rolle spielen. Parallel zur Industrie 4.0., dem Internet of Things, spielen miteinander kommunizierende Objekte eine immer größere Rolle auch im zivilgesellschaftlichen und humanitären Bereich. Auch zu diesem Thema arbeiten wir gerade an einem neuen Trendbericht, auf den ihr euch schon jetzt freuen könnt!

Und damit verabschieden wir uns in die Weihnachtsferien. Wir wünschen euch allen ein paar entschleunigte Tage zwischen den Jahren und freuen uns auf ein frisches, neues Jahr voller digital-sozialer Innovationen!

PS. Wer unterm Tannenbaum lachen möchte, dem sei diese Zusammenstellung der besten Aid Comedy Videos empfohlen.

Joana Breidenbach

Vorhang auf: Der Blueprint 2015!

15.12.2014 | Author: Joana Breidenbach | 0  Kommentare

Seit sechs Jahren faßt die führende amerikanische Philantropieexpertin und Social Sector Guru (oder Gurvi, wohl die weibliche Form von Guru im Sanskrit) Lucy Bernholz, die wichtigsten Entwicklungen der amerikanischen digital-sozialen Szene in ihrem Blueprint zusammen. Die Publikation, herausgegeben in Kooperation mit GrantCraft, bietet zum einen einen Jahresrückblick, inklusive den heißesten Buzzwords der Szene. Zum anderen prognostiziert Lucy, welche Themen und Akteure im kommenden Jahr bedeutsam sein werden. Wir freuen uns sehr, dass wir zu dem gerade erschienenen Blueprint 2015 die Ergebnisse unserer Lab Around The World Recherchen einbringen konnten.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen des Blueprint 2015:

Joana Breidenbach

Keine Angst vor der Digitalisierung! Internationale Konferenz des Vodafone Instituts zur digitalen Gesellschaft

12.12.2014 | Author: Angela Ullrich | 0  Kommentare

Am 4. Dezember trafen sich Experten aus Politik, Wirtschaft und Forschung im Berliner Gasometer zu Konferenz: „Digitising Europe – Opportunities for the next generation, organisiert vom Vodafone Institut. Dabei wurde jede Menge Einblick und Ausblick für uns als digitalisierte Gesellschaft gegeben. Hier kommt ein Querschnitt durch wichtigste Themen und Thesen.

Die virtuelle und die reale Welt verschmelzen immer stärker miteinander. Im Internet der Dinge werden Objekte intelligent und tauschen untereinander Informationen aus: Drucker, die eigenständig Toner nachkaufen, Waschmaschinen, die genau dann waschen, wenn der Strom günstig ist und Fleisch, das alle Daten über seine Herstellung und seine Lieferwege speichert. Die Wirtschaft und die Arbeitswelt werden sich dadurch stark verändern und stehen vor einer echten Herausforderung. „Eine Antihaltung wird uns nicht nach vorn bringen“, warnt Kanzlerin Angela Merkel gleich zu Beginn der Konferenz und wünscht sich, dass die Chancen der Digitalisierung in Deutschland stärker genutzt werden sollen.

Taktitles Internet verändert den Alltag

Taktiles Internet bringt uns in eine neue Sphäre der digitalen Welt. Objekte sind nicht nur mit Sensorik versehen, sondern können in Echtzeit durch Menschen oder auch Maschinen gesteuert werden, was für viele Tätigkeiten wie z.B. Operationen, Produktionsprozesse oder Wissensvermittlung ganz neue Möglichkeiten schafft. Gerhard Fettweis von der TU Dresden zeigt sehr eindrucksvoll in einem Film, wie ampelfreies autonomes Fahren funktionieren kann, bei dem kooperative Verkehrssysteme die Steuerung übernehmen. Alle Fahrzeuge fahren auf den ersten Blick wild durcheinander, aber der Verkehr fließt. Eigentlich toll, denn so werden Unfälle vermieden, Energie gespart und nebenher entstehen neue Grünflächen, da wir die großen Ampelkreuzungen nun nicht mehr brauchen. Und vor nicht berechenbaren Zwischenfällen, wenn z.B. ein Kind einem Ball nachjagt, schützt uns ein „Personal Bubble“, der auf einem Mobilfunktracking basiert. Irgendwie aber auch beängstigend, denn ein zentraler Eingriff ins Steuerungssystem könnte verheerende Konsequenzen mit sich bringen.

Nehmen uns die Maschinen die Arbeit weg?

Die große Frage der Konferenz war, wie die zukünftige Rolle des Menschen, oder ökonomisch ausgedrückt des Produktionsfaktors Arbeit, in dieser immer digitaler werdenden Welt aussehen wird. Die Angst, dass der Mensch durch Maschinen ersetzt und seine Arbeitskraft obsolet wird, ist seit jeher ein bekanntes Phänomen. Michael Osborne, Experte für Machine Learning an der Oxford University, will uns hier beruhigen und erinnert daran, dass technische Innovationen wie die Sockenstrickmaschine oder auch die Waschmaschine zu ihrer Zeit große Ängste um Arbeitsplatzverlust hervor riefen. Dann aber stellte sich heraus, dass die eingesparte Zeit an anderer Stelle viel sinnvoller eingesetzt werden konnte und Frauen z.B. nun nicht mehr stundenlang mit der Wäsche beschäftigt waren, sondern sich weiter bilden oder einen anderen, produktiveren Tätigkeit nachgehen konnten.

Das ist natürlich richtig und aus genau diesem Grunde wünscht man sich auch mehr Technik für viele Haushalte in weniger entwickelten Länder. Aber treffen diese Beispiele wirklich den Kern der heutigen Ängste? Klar erfordert die Digitalisierung auch die Tätigkeit von Menschen. Es muss programmiert werden, die Hardware muss produziert werden, Anwendungen müssen analysiert und evaluiert werden und vieles mehr. Fraglich ist, ob diese neuen Jobs die wegfallenden alten Jobs auch nur annähernd kompensieren können.

Potenzial: Neue Arbeitsformen durch Digital Skills

Immerhin ermöglichen digitale Tools völlig neue Arbeitsformen. Sinead Mac Manus vom Digital Skill Startup Fluency betont, dass die Digitalisierung ein Umdenken in der Arbeitswelt bewirkt, hin zu einer komplett neuen „Nature of Work“. Der Zugang zu Arbeit wird einfacher, z.B. über Plattformen, wo Freiberufliche um Aufträge konkurrieren. Arbeitsort und die Arbeitszeit werden immer flexibler, so dass mehr Menschen, und insbesondere Frauen, mitwirken können. Man hat mehrere Jobs gleichzeitig und mehrere Karrieren nacheinander. Die Menschen, die ihr Leben lang für eine Firma gearbeitet haben, wird es zukünftig kaum noch geben. Um in der neuen Jobwelt mithalten zu können, sind jedoch Digital Skills wichtig.

Gering Qualifizierte sind Verlierer der Digitalisierung

Die Untersuchungen von Michael Osborne ergaben, dass durch die Digitalisierung auch nicht jede Arbeit durch Maschinen ersetzt werden kann. So bleiben Kreativität, soziale Intelligenz und der Umgang mit unstrukturierten, nicht vorhersehbaren Situationen den Menschen vorenthalten. Und vor allem die Hochqualifizierten müssen sich recht wenige Sorgen machen. Problematisch ist, dass in unserer Wirtschaftswelt bereits jetzt die weniger Qualifizierten das Gros der Arbeitslosigkeit präsentieren. Diese Schieflage wird durch die zunehmende Digitalisierung verstärkt. Glaubt man der empirischen Forschung von Jochen Kluve, Arbeitsmarktökonom an der Humboldt-Universität, so wird dieser „Skill-Bias“ weiter fortschreiten. In der digitalisierten Arbeitswelt wird die qualifizierte Arbeit komplementär mitwachsen, während die unqualifizierten Arbeitskräfte durch Roboter substituiert werden.

Digital Natives blicken recht zuversichtlich in die digitale Zukunft

Um einen noch größeren Mismatch am Arbeitsmarkt zu vermeiden, macht es offensichtlich viel Sinn, gleich von vornherein die richtige Qualifikation für eine Arbeit in der digitalen Welt zu erwerben. Aber was wollen und erwarten denn junge Menschen heute überhaupt? Zu dieser Frage hat das Vodafone Institut eine internationale Studie in neun Ländern durchgeführt und rund 9000 junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren zur Einschätzung ihrer Chancen in einer zunehmend digitalisierten Welt befragt.

David Deissner vom Vodafone Institut präsentiert, dass die Mehrzahl der Befragten recht zuversichtlich ist, was ihre zukünftigen Jobaussichten und ihren erwarteten monetären Lebensstandard betrifft. Es fällt jedoch auf, dass die italienische Jugend hier mit Abstand am pessimistischen votiert.

Mehrheitlich wird erwartet, dass die Digitalisierung ein Plus an Jobs bringen wird. Um so erstaunlicher ist, dass nur durchschnittlich 30 Prozent der Digital Natives planen, im ICT Bereich tätig zu werden; in Deutschland sind es sogar nur erschreckende 13 Prozent. Als Grund dafür werden mangelndes Interesse, fehlende Fähigkeiten und vor allem auch eine fehlende Begabung angegeben. Die Mehrheit der Befragten meint zudem, dass die Schulbildung derzeit nicht hinreichend auf solche Jobs vorbereitet.

Bildung ist die Antwort

Fazit aus all dem kann nur einmal mehr sein, dass die Bildung verbessert werden muss: Gering qualifizierte Menschen müssen befähigt werden, in der digitalisierten Welt mithalten zu können. Digital Skills sind breit und niederschwellig zu vermitteln. Die Ausbildung in Schulen und Hochschulen muss besser auf das Berufsleben in einer digitalen Arbeitswelt vorbereiten und zu Tätigkeiten im ICT Sektor motivieren.

Üblicherweise hinkt die Bildung den technischen Neuerungen um einige Jahre hinterher. Diese Verzögerung wird oft mit 15 Jahren beziffert. Zum Glück schaffen digitale Möglichkeiten auch hier Abhilfe und Bildung ist nun schneller möglich. Zum Beispiel durch online Tutorials, Digital Academies oder die viel zitierten MOOCS werden Bildungsangebote schnell einer breiten Masse zugänglich gemacht und dadurch letztlich demokratisiert. Das derzeitige Bildungssystem krankt daran, dass zu viele Schüler mit stark differenzierter Leistung zumeist frontal unterrichtet werden, betont Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung. Das Ergebnis dieser Ausbildung ist schlecht und teuer. Digital Learning, so Dräger, ermöglicht hingegen neben dem breiten Zugang vor allem mehr maßgeschneiderte, individuelle Lernmöglichkeiten für den Einzelnen und hat zudem über die Vernetzung in Gruppen auch ein wichtiges soziales Element.

Big Data wichtige Voraussetzung

Für Lernprogramme und überhaupt alle Algorithmen, die hinter digitalisierten Prozessen stehen, werden Daten gebraucht. „Big data ist the biggest natural ressource of the 21th century“, betont Rich Hume von IBM in seinem Vortrag wohl nicht ganz zu unrecht. Die große Herausforderung besteht nun darin, diese Ressource sinnvoll zu nutzen und auch, nachhaltig mit ihr umzugehen. Hier ist das Thema Datenschutz von großer Relevanz. Von politischer Seite müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Schutz persönlicher Daten sichern, aber gleichzeitig Anwendungen und Entwicklungen des Big Data Management ermöglichen. Das wird, so Kanzlerin Angela Merkel, mit der Datenschutzgrundverordnung jetzt auf europäischer Ebene in Angriff genommen.

Start ups als neuer Wachstumsmotor? We are all entrepreneurs know!

Fast schon wie früher beim Mittelstand wird nun den innovativen Start Ups eine wichtige Rolle für Wachstum, Jobs und Wettbewerbsposition zugeschrieben. Als Impulsgeber und Innovatoren - insbesondere im derzeit hinkenden Bildungsbereich -bergen sie viel Potential für die wirtschaftliche Zukunft gesehen. Deswegen, so möchte es Kanzlerin Angela Merkel, sollen die Rahmenbedingungen für Start Ups verbessert oder gar auf Europaebene harmonisiert werde; insbesondere der Zugang zu Wagniskapital. Allerdings fehlt hierzulande wohl oft noch die entsprechende Einstellung und Unterstützung der Arbeitgeber, wenn Mitarbeiter ein eigenes Unternehmen gründen wollen, wie Ijad Madisch von ResearchGate berichtet. Er versuchte zunächst vergeblich in Deutschland seinen Start Up zu gründen. Glücklicherweise kehrte er nach erfolgreichem Start in den USA dann doch wieder nach Berlin zurück.

Wie so oft bei dieser Konferenz wurde auch zu diesem Thema eine kurze digitale Meinungsabfrage durchgeführt. Mit Hilfe von kleinen Reflektoren (SwarmWorks, siehe Bild) konnten in Sekundenschnelle per Infrarotlicht die Ergebnisse ermittelt und als Graphik auf die Leinwände projiziert werden.

Erstaunlich war, dass mehr als 80 Prozent der Anwesenden angaben, dass sie gern ein eigenes Unternehmen gründen würden bzw. selbst schon Gründer sind. Erstaunlich vor allem, da mindestens 30 Prozent der Teilnehmer aus Politik, Verbänden und Stiftungen stammten.

Angela Ullrich

Digitale Lösungen im Kampf gegen Ebola

10.12.2014 | Author: Franziska Kreische | 0  Kommentare

Kann man via Skype die Heilungschancen eines Ebola-Erkrankten erhöhen? An der bisher schlimmsten Ebola-Epidemie in Afrika sind laut Angaben der WHO bereits 6.070 Menschen gestorben. Internationale Organisationen, Regierungen und Gesundheitshelfer haben in den vergangenen Monaten viele kreative, technische Lösungen entwickelt um den Menschen vor Ort zu helfen. Worin liegt ihr Potenzial und wie können sie auch die Arbeit der Helfer vor Ort effektiv unterstützen?

Während der Ausbruch des Ebola-Virus in Nigeria in kurzer Zeit gestoppt werden konnte, ist die Situation in den drei westafrikanischen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone kritisch – in letzterem steigt momentan noch die Anzahl der Neuerkrankungen. Die ohnehin schwachen Gesundheitssysteme in den betroffenen Staaten sind mit der Patientenversorgung völlig überfordert. Mit einer intensiven medizinischen Versorgung ist die Überlebenschance eines Erkrankten um ein Vielfaches höher – das  beweisen die wenigen Fälle in den USA und Europa. Es kommt bei der Behandlung vor allem auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung und die Überwachung des Elektrolytehaushalts an. Dafür braucht es ein geschultes Pflegepersonal, das den Zustand des Patienten rund um die Uhr im Auge behält. Weil es in den westafrikanischen Ländern jedoch nicht genug Personal gibt und außerdem die Gesundheitszentren schlecht ausgestattet sind, liegt die Wahrscheinlichkeit, an Ebola zu sterben, momentan zwischen 50-70 Prozent.

IKT in der Gesundheitsversorgung

In unserem Innovationsreport „Wie Kommunikationstechnologien Leben verbessern“ hat das betterplace lab bereits die wichtige Rolle neuer Technologien (Handys, Apps, das Internet und transportable Geräte) in der Gesundheitsversorgung untersucht: Ihr Potenzial liegt vor allem in der Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten, aber auch in Administration und Management sowie (Weiter-)bildung von Personal. Sie zeigen zudem neue und effiziente Wege auf, um bisher unterversorgte oder schwer erreichbare Menschen und Gesundheitshelfern besser zu helfen.

Der Erfindungsreichtum an neuen, kreativen IKT-Lösungen, die die Arbeit der Helfer in den Ebola-Gebieten unterstützten sollen, ist enorm. Besonders effektiv wirken sie vor allem im Zusammenspiel. TechChange hat dazu eine gute, übersichtliche Infografik erstellt:

Geo-Mapping
Neben der Behandlung eines Infizierten ist es ebenso wichtig, zurückzuverfolgen, wie sich die Krankheit ausbreitet. Das Team der Humanitarian OpenStreetMap hat seit Beginn der Epidemie versucht, diese Spuren auf einer digitalen Landkarte zu erfassen. Unterstützt wird es von der globalen Freiwilligenorganisation Standby Taskforce, die zudem auch Informationen über die vorhandenen Gesundheitseinrichtungen sammeln und in eine Karte einpflegen.

Administration 2.0
Viele Gesundheitseinrichtungen, vor allem in entlegenen Regionen, befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Das überlastete Personal muss sich neben der Behandlung der Patienten auch um die Erfassung aller Daten in den Krankenakten kümmern. Damit dieser Prozess (zeit-)effizienter gestaltet werden kann – und die Informationen schneller an die zentralen Behörden weitergeleitet werden – hat die US-amerikanische Organisation Magpi eine digitale Lösung entwickelt, mit der Mitarbeiter alle relevanten Patienten-Informationen über ihr Handy versenden können, die dann in eine Datenbank eingepflegt werden.

SMS-Service und Online-Übersetzung
Damit Gesundheitspfleger selbst auch immer auf dem neuesten Stand in Sachen Patientenversorgung sind, versendet der SMS-Service mHero regelmäßig Updates über Ebola. Und um Einwohner in entlegenen Regionen über Risiken und Vorsorge aufklären zu können, bietet Translators Without Borders kostenlos online Übersetzungen von Plakatkampagnen in lokale Sprachen an.

Skype
Viele Menschen weigern sich, ihre erkrankten Verwandten in den Gesundheitseinrichtungen abzugeben. Vor allem Mütter haben Angst, ihre Kinder nie wieder lebend zu sehen. Der physische Kontakt ist aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr während der Behandlung strengstens untersagt. Diese zusätzliche psychische Belastung verringert die Heilungschancen für die Erkrankten und führt dann eben dazu, dass viele Menschen zu Hause bleiben und weitere Personen in ihrer Umgebung anstecken. Aus diesem Grund hat Save the Children in einigen Einrichtungen die Möglichkeit genutzt, innerhalb lokaler Netzwerke eine Skype-Verbindung zwischen Erkrankten und Angehörigen einzurichten. Hier konnten sie sich austauschen, Zuspruch erhalten und den Kontakt zur Außenwelt halten.

Social Media
Über Ebola und Möglichkeiten ihrer Behandlung sind inzwischen viele, teils gefährliche Informationen im Umlauf. So hat das Baden im und Trinken von Salzwasser natürlich keinen heilenden Effekt – stattdessen gab es in Folge mehrere Todesopfer, die dieser Theorie Glauben geschenkt haben. Daher nutzen die WHO und andere Organisationen ihre Social Media Kanäle, um solche Falsch-Informationen möglichst im Keim zu ersticken. Facebook & Co. mag vielleicht in Guinea und Sierra Leone nur von einer Minderheit genutzt werden – viele Einwohner haben aber Verwandte in der Diaspora, denen sie meist größeren Glauben schenken als staatlichen Initiativen. Einwanderer in den USA oder Europa sind die Zielgruppe solcher Social Media-Kampagnen, denn sie stehen besonders in Krisenzeiten wie jetzt mit ihrer Familie in engem Kontakt.

Hackathons
Das GEN Editors Lab, ein Programm, das regelmäßig Entwickler, Journalisten und Designer im Rahmen von 2-tätigen Hackdays zusammenbringt, um neue Prototypen verschiedenster Arten zu entwickeln, hat eine Serie von drei Hackathons in Accra, Lagos und Dakar gestartet. Ziel ist, SMS-basierte Lösungen zu entwickeln, die möglichst viele Menschen in den betroffenen Regionen erreichen und sie über die Krankheit aufklären und Unterstützung bieten. Die Gewinner der Hackathons werden von einer Expertenjury ausgewählt, die ihnen dann auch bei der Umsetzung ihrer Ideen beratend zur Seite steht.
In Nigeria hat EbolaGo gewonnen: Es stellt wichtige Informationen und Updates über den Ebola-Status im Web, per SMS und als App für’s Smartphone bereit. Zusätzlich ermöglicht es die Kommunikation zwischen Arzt und Patient, bzw. Arzt und Krankenhaus.

Wie Nigeria Ebola besiegt hat

Nigeria wurde vor einigen Wochen offiziell von der WHO als Ebola-frei erklärt. Das schnelle Eingreifen der Behörden nach Bekanntgabe der ersten Infizierten, die Ausrufung des Notstands und ein sehr gut abgestimmtes Vorgehen aller Verantwortlichen sind nur eine der Gründe warum das bevölkerungsreichste Land Afrikas vergleichsweise glimpflich davon gekommen ist. Denn obwohl Nigeria als digital nur schwach durchdrungen gilt (nur 8,1 Prozent haben Zugang zu einem eigenen Computer), haben IKT vor allem bei der Informationsweitergabe eine entscheidende Rolle gespielt. Nigeria liegt nämlich trotz seiner schlechten digitalen Infrastruktur auf Platz drei der Twitter-Nutzerrate in Afrika. @EbolaAlertTwitter, von einem Zahnarzt gestartet, hatte in kürzester Zeit 76.000 Follower, die Informationen über die Krankheit und Hilfe-Hotlines erhalten wollten. Ebenso hat die Regierung täglich mehrere SMS an über 50.000 Nigerianer versendet, in denen sie über die Krankheit aufgeklärt hat. eHealth & Informations Systems hat eine App entwickelt, mit deren Hilfe Gesundheitspersonal Symptome ermitteln und Berichte versenden konnten. Das hat die Zeit, die normalerweise für die Berichterstattung über Neuinfektionen gebraucht wird, um 75 Prozent reduziert.

Aussicht

Neben den oben bereits genannten Vorteilen von IKT im Bereich Gesundheit liegt ihr Potential in Krisensituationen wie der Ebola-Epidemie also vor allem in der Schnelligkeit der Berichterstattung, Datenübertragung und Bereitstellung von Informationen. Bei einer so hoch infektiösen Krankheit wie Ebola ist dies besonders wichtig. Dennoch: Um die Krankheit nachhaltig und vollständig in den Griff zu bekommen, müssen bald entsprechende Impfstoffe entwickelt werden. Erst im nächsten Jahr rechnet die WHO mit einem wirklichen Durchbruch. Bis dahin werden weitere (digitale) Zwischenlösungen gefunden. Partners in Health entwickelt beispielsweise eine flexible Datenbank und IT-Plattform, in der alle Erkenntnisse über die Krankheit jetzt und zukünftig gesammelt werden und sich darüberhinaus ein Netzwerk zwischen Industrie, Wissenschaft und Spendenorganisationen bilden soll, das mit vereinten Kräften neue Weg beschreitet.

Franziska Kreische

Der neue NT100-Report und ein Vergleich zwischen Trendreport und Social Tech Guide

08.12.2014 | Author: Ben Mason | 0  Kommentare

Oft werde ich nach den drei bzw fünf besten digital-sozialen Projekten gefragt. Nun, der NT100 setzt da ein bisschen höher an…

Digitale Technologien für den sozialen Sektor nutzen. Dafür mag es viele unterschiedliche Begriffe geben, doch es steht außer Frage, dass es passiert – angestoßen durch immer mehr Menschen überall auf der Welt. Die Geschwindigkeit, mit der diese Innovationen entstehen, stellt selbst für Menschen, die sich mit dem Phänomen digital-sozial intensiv beschäftigen, eine Herausforderung dar: Wer macht was und vor allem wo? Grund allein, einen Platz zu schaffen, wo viele solcher Beispiele für Untersuchungen oder Vergleiche gesammelt werden.

Genau das ist das Ziel des Social Tech Guide, ein Projekt der britischen Stiftung Nominet Trust. Deren Platform listet hunderte inspiriender sog. “Tech for Good”- Beispiele und in Form des NT100 veröffentlichten sie vor kurzem eine Auswahl der 100 inspiriendsten Projekte des Jahres (zufällig war Lucy Bernholz dieses Jahr Mitglied der Auswahljury, Vorreiterin im Bereich digital-sozial und eine Freundin des lab). Der NT100 stellt eine wunderbare Ressource für Forscher und Praktiker dar und informiert bzw begeistert darüberhinaus auch sein Publikum, das sich vor allem in Großbritannien befindet.

Warte, das hab ich doch schon mal irgendwo gehört…

Wenn du die Arbeit des betterplace lab kennst, dann mag dir das alles ziemlich vertraut klingen. Mit unserem wichtigsten Projekt, dem Trendreport, verfolgen wir ein ähnliches Ziel: tolle Beispiele sammeln, die inspirieren, zum Austausch ermuntern oder einen Überlick geben sollen. In diesem Jahr sind wir aufeinander aufmerksam geworden und nach einigen Treffen wurde sehr schnell klar, dass unsere beiden Projekte, aber auch allgemeinen Ziele und Intentionen sich so überschneiden, dass es an der Zeit für eine Zusammenarbeit war. Nun befinden wir uns in einer frühen Phase von etwas, das ich für einen langfristigen und fruchtbaren Austausch halte. Ein großer Dank dafür geht an das Team des Nominet Trust und vor allem an den Projektleiter und Datenbank-Zauberer Ed Anderton, für eine kollaberative und offene Zusammenarbeit.

Ein Vergleich zwischen dem Trendreport und dem Social Tech Guide

Wir begannen unsere Zusammenarbeit damit, unsere Datenbanken miteinander zu vergleichen. Dabei haben wir überraschenderweise festgestellt, dass wir nur wenige Überschneidungen in unseren Projektlisten gibt. Dafür kann es zwei Gründe geben: Erstens kann es bedeuten, dass wir verschiedene Kriterien und Foki haben. Das stimmt bis zum einen gewissen Ausmaß, da es gewiss einige Projekte im Social Tech Guide gibt, die wir mit Absicht nicht aufgenommen haben. Beispielsweise Bitcoin, das zwar ein großes Potential für den sozialen Sektor hat, im Internet aber auch fragwürdigen Nutzen findet. Ich glaube, dass wir eher versuchen würden, ein  Projekt herauszustellen, das sich für verbesserte internationale Geldüberweisungen via Bitcoin einsetzt. Ähnliche Betrachtungen ergeben sich auch bei Tor, einer Technologie, die Lösungen ermöglicht – wir beschränken uns eher auf Technologie, die bereits eine Lösung darstellen. Zugegeben, ontologisch ist dies eine eher unklare Linie, und ich behaupte auch nicht, dass eine Methode besser als die andere ist – es handelt sich lediglich um verschiedenen Arten der Fragestellung.

Worin sich der Trendreport außerdem unterscheidet, ist der engere Fokus auf den effektiven Nutzen digitaler Technologien für Kampagnen und Fundraising. Darüberhinaus scheint es eine geographische Eingrenzung zu geben: der Social Tech Guide listet sehr vor allem Projekte aus Großbritannien und den USA, während wir sehr viel mehr Innovation aus Entwicklungsländern vorstellen (vor allem dank unserer Projektreise Lab around the World).

Im Zusammenhang mit der geographischen Einschränkung und dem klaren Fokus auf soziale Unternehmen scheint es – wenn man sich die Liste des NT100 anschaut – als wenn hier vor allem Projekte stehen, die ein hohes Wachstumspotential aufweisen. So wirkt es jedenfalls auf mich. Wir arbeiten noch immer an einem systematischen Vergleich – diese Woche haben wir im Lab diskutiert, wie wir in Zukunft Projekte in unserer Datenbank taggen und kategorisieren wollen. Daraus soll sich dann auch eine gründlichere Analyse ableiten lassen.

Die wichtigste Lektion

Die Unterschiede sind trotz allem eher gering. Beim Vergleichen unserer jeweiligen Projektlisten fällt vor allem auf, wie sich unsere Ideen, mit dem  wonach wir schauen, überschneiden – ein Großteil der Beispiele aus dem NT100 wären auch bei uns gut aufgehoben oder vice versa. Und dennoch, unsere Datenbank aus 611 Projekten und die des Social Tech Guide aus 700 hatten insgesamt nur 74 Übereinstimmungen (und davon haben viele Eingang in den NT100 gefunden, was auf eine sehr ähnliche Haltung bezüglich der Qualität der Projekte schließen lässt).

Abgesehen also davon, dass wir ein neues Licht auf wichtige Fragen bezüglich Definitionen und Kategorien geworfen haben, ist die wichtigste Lektion aus diesem Vergleich eher ernüchternd:  Wenn jeder von uns so viele Beispiele gefunden hat, die dem anderen nicht aufgefallen sind, kann dies nur bedeuten, dass die Gesamtheit sehr viel größer als angenommen ist. Diesen Gedanken im Hinterkopf ist eine Zusammenarbeit zwischen dem betterplace lab und der Nominet Trust Fundation umso wichtiger. Wir freuen uns jedenfalls auf mehr.

Ben Mason

Online-Helden: Von den Gewinnern lernen

28.11.2014 | Author: Kathleen Ziemann | 0  Kommentare

Social Media Kampagnen sind aufwendig und teuer. So oder ähnlich denken viele NGO. Die Hilfsorganisation l'appel hat mit viel Engagement, aber wenig Geld eine tolle Kampagne auf die Beine gestellt und so mehr als 500 Spender mobilisiert! Diese  tolle Leistung hat die Jury des Online-Helden-Awards so überzeugt, dass die Kampagne #meinappell  Gesamtsieger im Online-Helden-Wettbewerb wurde. Was haben die Helden gemacht, dass diese Kampagne nun so gut funktionierte?

Der Medienmix macht's: l'appel ist auf allen wichtigen Social Media Kanälen mit der Kampagne unterwegs gewesen. Zum Beispiel auf Facebook, YouTube und Twitter. Das heißt nicht, dass auf jedem Kanal die gleichen Texte oder Bilder gepostet wurden – das wird dann ja schnell langweilig. Die Kampagnenmacher haben bei jedem Medium darauf geachtet, den optimalen Inhalt zu verwenden. So wurde auf Facebook vor allem mit Kampagnenbilder gearbeitet. Auf Twitter mit kurzen knackigen Zitaten. Newsletter kündigten die Kampagne an und beschrieben deren Ziel. Und wichtig: Die eigene Website wurde nicht vergessen, sondern war auch deutlich mit der Kampagne gebrandet.

Kampagnen-Branding: #Hashtag überall
Eigentlich denkt man bei Hashtags ja vor allem an twitter. Aber l'appel hat das Hashtag konsequent an allen Stellen verwendet. So wurde es zum Wiedererkennungszeichen der Kampagne – unabhängig vom Kanal

Offline nicht vergessen!
Schlau: Die Kampagnenmacher haben nicht vergessen Offline-Medien einzubeziehen. So verteilten die Mitmacher zum Beispiel Flyer, hingen Poster an Infowänden aus und traten sogar im Fernsehen auf.

Die Community mobilisieren – zum Beispiel mit WhatsApp
Diese geballte multimediale Präsenz war vor allem möglich, weil es l'appel gelungen ist, ganz viele Unterstützer zur Verbreitung der Kampagne zu mobilisieren. Für schnelle und direkte Absprachen mit ihren Unterstützern haben sie zum Beispiel WhatsApp benutzt – das haben wir vorher von noch keiner Kampagne gehört, finden aber, dass das eine ziemlich gute Idee ist. Denn durch diesen direkten Draht zur eigenen Community war die Kampagne eben besonders erfolgreich.

Visuell sein: Mit Infografiken arbeiten
L'appel ist es gelungen für diese kleine Kampagne eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Und zwar lediglich dadurch, dass Schrifttyp, Schriftfarbe und Logo immer gleich verwendet wurden. So kamen die Kampagnenbilder viel professioneller rüber. Ohne dafür großen Aufwand betreiben zu müssen.

Für eine übersichtliche Darstellung ihres Kampagnenziels haben die Online-Helden auch noch eine Infografik umgesetzt. Dafür muss man nicht unbedingt Grafiker sein. Es gibt viele Online-Tools, mit denen man schnell und einfach Informationen visuell umsetzen kann (hier eine Zusammenstellung).

Kathleen Ziemann

Unsere Weblieblinge

28.11.2014 | Author: Franziska Kreische | 0  Kommentare

Weblieblinge

Social Media: Beth Kanter erklärt dir, wieviele und welche sozialen Kanäle deine Non-Profit Organisation am besten nutzen sollte.

Du und Dein Schatten: Verfolge hier, welche Spuren Du im Netz hinterlässt.

Entwicklungshilfe: Organisationen fordern globales Recht auf Gesundheit, um Katastrophen wie Ebola zukünftig zu verhindern.

Studie I: In diesem Modell wird erklärt, wie durch  die Kraft von Social Media der soziale Sektor gestärkt und an neue Herausforderungen angepasst werden kann.

Studie II: Das Frauenhofer Institut erklärt die Vorteile von Co-Working Spaces – für Freischaffende, Gründer und Unternehmen.

Studie III: Schon mal von Digital Humanitarians gehört? In diesem Buch erfährt Du, woher sie kommen und was ihre Mission ist.

Digital-sozial: Hier findest Du eine Übersicht digitaler Innovationen, die Menschenrechtsaktivisten bei ihrer Arbeit helfen.

Online Fundraising: Ein neuer Versuch, ein globales NGO-Verzeichnis online zu bringen. Sieht schon mal ganz schick aus.

Digitales Erbe: #machtsgut erklärt Dir, was Du über deinen Nachlass im Netz wissen musst.

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Franziska Kreische

Innovationsreport: Wie Kommunikationstechnologien Leben verbessern

25.11.2014 | Author: Franziska Kreische | 0  Kommentare

Lernvideos per Mini-Beamer, Sprachnachrichten über Themen wie Fischfutter oder Bananenpreise, Versicherungen gegen Wetterschäden – die Anwendungsmöglichkeiten von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Landwirtschaft sind vielfältig. In unserem Innovationsreport "Wie Kommunikationstechnologien Leben verbessern” stellen das betterplace lab und die Bill & Melinda Gates Foundation einige dieser Beispiele vor.

Weltweit haben 842 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Mit den wachsenden Bevölkerungszahlen verschärft sich das Problem der Nahrungsmittelknappheit. Die Landwirtschaft nimmt deshalb eine Schlüsselstellung ein: Die Entwicklung eines Landes ist eng verknüpft mit der Produktivität und Effizienz des Agrarsektors. In Entwicklungsländern arbeiten zum Beispiel bis zu drei Viertel der Bevölkerung in diesem Sektor. Wie können digitale Technologien dazu beitragen, dass die Landwirtschaft weltweit mehr Erträge hervor bringt?

Im Rahmen der Forschungsreise “lab around the world” hat das betterplace lab 2014 u.a. in Ghana, Tansania und Indien nach Anwendungsbeispielen für IKT in der Landwirtschaft gesucht und Interviews mit Erfindern, Anwendern und Investoren geführt. Im Zentrum dieses Innovationsreports stehen die Chancen und Risiken ausgewählter Anwendungen mit Blick auf die Herausforderungen in den entsprechenden länderspezifischen Kontexten. Für eine bessere Einordnung wurden die Fallbeispiele nach  Anwendungsmöglichkeiten gegliedert: Anbauwissen, Martkwissen und Mikrofinanzierung. Hier dazu eine kurze Zusammenfassung:

Anbauwissen – Mit Wissen Bauern empowern

Der  Zugang zu Wissen über die richtigen Anbautechniken oder Methoden für die Viehzucht und Ernte ist der Schlüssel zur Steigerung der Produktivität und Qualität in der Landwirtschaft. Erfolgreiche Beispiele aus Indien und Ghana zeigen das: Die indische Non-Profit Organisation Digital Green beipielsweise berät Kleinbauern mithilfe technischer Mittel wie Videos, Projektoren und einer Analyse-Software und hat auf diese Weise bereits Kleinbauern in 470.000 indischen Dörfern erreicht. IKT erleichtern hier nicht nur den Zugang zu Wissen in unzugängliche Regionen – die multimedialen Angebote erreichen auch Analphabeten und sie ermöglichen  Wissentransfer zwischen den Bauern.

Marktwissen – Wie IKT Bauern zu besseren Preisen verhelfen

Kleinbauern sind für den Verkauf ihrer Waren oft abhängig von Zwischenhändlern und müssen sich ohne das Wissen über den tatsächlichen Marktpreis auf deren Forderungen einlassen. Das führt zu Einkommensverlusten für sie und unbegründeten Preisspannen zwischen Produkten gleicher Art auf verschiedenen Märkten. In allen drei Ländern existieren inzwischen erfolgreiche Beispiele von IKT, die Bauern Zugang zu Marktinformationen und damit die Chance auf ein besseres Einkommen ermöglichen. Der Agrar-Informationsservice ESOKO in Ghana hat ein eigenes Netzwerk von Scouts, die Martkpreise sammeln und per SMS Kleinbauern zur Verfügung stellen. Neben der Preistransparenz helfen IKT in diesem Bereich den Bauern auch dabei, strategische Entscheidungen für den Anbau zu treffen, um besser wirtschaften zu können.

Mikrofinanzierung – Warum Bauern auch Banker sind

Der fehlende Zugang zu Finanzdienstleistungen insbesondere in ländlichen Regionen stellt für Kleinbauern mit einem geringen Einkommen bisher ein großes Problem dar. Sie können weder notwendige Investionen tätigen, noch sich finanziell gegen wetterbedingt schlechte Ernten oder Preisschwankungen auf dem Markt absichern. Insbesondere in diesem Anwendungsbereich wurden zahlreiche IKT entwickelt, die Bauern den Zugang zu Finanzgeschäften erleichtern sollen. Das Beispiel First Access aus Tansania prüft mithilfe eines Algorhitmus in sekundenschnelle die Kreditwürdigkeit des Bewerbers – langwierige Solvenzprüfungen fallen weg. Die App schlägt auch vor, wieviel Geld dem Kreditnehmer gestattet wird, über den Mobile-Payment Dienst m-Pesa gibt es den Kredit für neues Saatgut direkt aufs Handy.

Ausblick

Die vielversprechenden Anwendungsbeispiele aus den drei Ländern zeigen, dass digitale Technologien in der Landwirtschaft viel bewirken können. Investitionen in IKT und eine stabile Landwirtschaft sind daher essentiel – sie können den wirtschaftlichen Fortschritt in sich entwickelnden Ländern wie Ghana, Tansania und Indien vorantreiben.

Franziska Kreische
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