Loading...

Detektivarbeit für das betterplace lab

11.08.2014 | Author: Medje Prahm | 0  Kommentare

In einer neuen Zusammenarbeit mit der Benckiser Stiftung Zukunft entwickeln wir ein neues, spannendes Projekt: Eine Übersicht über alle Kinder- und Jugendhilfeangebote in Berlin und Brandenburg. Das sind eine Menge, und die meisten kennen wir noch gar nicht. Deshalb suchen wir nach studentischen Detektivmitarbeitern (m/w), die uns bei der Recherche helfen.

Wir suchen zum 15. September:

Drei studentische Researcher (m/w) zur Datenbankrecherche und -pflege

Deine Aufgaben:

  • Online-, telefonische und Vor-Ort-Recherche von Daten von Organisationen, die in der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind (Raum Berlin-Brandenburg) im Team und allein.
  • Einpflegen und Duplikat-Check der gesammelten Daten.
  • Umfang: Die ersten 4 Wochen Vollzeit, danach als 10-Stunden-Job neben dem Studium.

Wir bieten Dir:

  • Einblick in Strukturen und Abläufe in einem professionellen und unternehmerischen Arbeitsumfeld.
  • Hautnahes Mitarbeiten in der Startphase eines innovativen Projekts.
  • Regelmäßiges Feedback.
  • Nach der ersten Einarbeitungsphase flexible Arbeitszeiten und unabhängige Zeiteinteilung.
  • 10 Euro/Stunde mit Abrechnung auf Stundenbasis.

Wir erwarten von Dir:

  • Gute Kenntnisse und Erfahrung in der Online-Recherche.
  • Keine Scheu vor telefonischem Nachhaken.
  • Gründlichkeit und Spaß an detektivischer Recherche
  • Grundlegende Kenntnisse von Excel oder Datenbanksoftware
  • Idealerweise: Kontakte oder Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe.
  • Du bist als Student oder Studentin immatrikuliert.

Haben wir Dich neugierig gemacht? Dann schick Deine Bewerbung inklisuve Lebenslauf und Arbeitszeugnisse bis 31.8. an Medje – mp@betterplace.org!

Medje Prahm

Die nächste Welle: Selbstkritische Reflektionen zu Labs und Social Innovation

06.08.2014 | Author: Joana Breidenbach | 0  Kommentare

Wieso tun wir das, was wir tun und bringt es überhaupt etwas? Nachdem es mittlerweile auf der ganzen Welt Social Innovation Labs gibt, erscheinen auch die ersten selbstkritischen Analysen der Weltverbesserer-Bewegung und ihrer DesignThinking geprägten Post-It Kultur.

Wieso haben wir betterplace.org gegründet und ein paar Jahre später das betterplace lab? Weil wir etwas verändern wollten – nämlich einer großen Vielzahl von lokalen Initiativen die Chance geben sich „der Welt“ zu zeigen und Unterstützung zu mobilisieren.  Und wir wollten den Hunderttausenden Weltverbesserer-Vereinen und Gruppen in Deutschland zeigen, wie sie ihre Arbeit mit Hilfe digitaler Medien wirksamer verrichten können. Kurz: wir wollen ein System verändern, das zu eingefahren und selbstgefällig ist und das es nicht schafft, viele der großen Probleme unserer Gesellschaft signifikant zu verbessern, geschweige denn zu lösen.

Diese Zielsetzung verbindet uns mit vielen anderen Menschen – mit denen, die sich das Thema „Soziale Innovation“ auf die Fahne geschrieben haben und in „Social Impact Labs“, „Living Labs“ und „Innovation Hubs“ arbeiten, Stanfords Social Innovation Review lesen, mit „Social Innovation Toolkits“ experimentieren und an Hackathons und Changemaker Challenges teilnehmen. Sie folgen neuen Prozessen – Design-Thinking, Service Design oder User-Led-Innovation - bei denen sie mit den Zielgruppen gemeinsam Innovationen entwickeln, diese pilotieren und dann „pivotieren“, d.h. sie entlang der realen Nutzungsgewohnheiten „agil“ anpassen und schlussendlich die gefundene Lösung „skalieren“, d.h. möglichst weit verbreiten. Das Endresultat – so das Versprechen – ist systemischer sozialer Wandel, hin zu einer gerechteren und gesünderen Welt.


Wissen wir überhaupt was wir tun?

Aber, bringt das alles überhaupt etwas? Oder verfallen wir unserem eigenen Hype, so wie wir vor kurzem noch Mikrokredite als Panacea für Armut preisten, bis dann die vielen Studien offenbarten, dass Mikrokredite gelegentlich sinnvoll, oft ineffektiv und gelegentlich sogar katastrophal sind? Ist „Social Innovation“ einfach nur die neue heilige Kuh, die durchs Dorf getrieben wird, um dann am Ende in der Sackgasse zu landen und von einem neuen Erlösungskonzept abgelöst zu werden?

Vor diesem Hintergrund ist es spannend zu lesen, was das holländische Lab2 Projekt herausgefunden hat. Im Rahmen dieses zweitägigen „Lab über Labs“ trafen sich 20 Social Innovation Labs aus der ganzen Welt, um über ihre Praktiken, Annahmen und Erfolge zu reflektieren und die Ergebnisse danach als Studie Lab Matters. Challenging the Practices of Social Innovation Laboratories zu veröffentlichen.

Zuerst einmal die nüchterne Erkenntnis in einem Zitat: „We struggled to find documentation or clues for how and if labs are causing or contributing to discontinous, systemic change“.  D.h. – obwohl eine regelrechte Social Innovation Branche entstanden ist, lassen sich keine Beweise für ihre Wirksamkeit finden. Kein einziges solides Beispiele dafür, dass ihre Arbeit dazu beigetragen hat, eine etablierte, aber dysfunktionale strukturelle Ordnung durch ein besser funktionierendes System zu ersetzen. Das ist erstmal erschütternd.

Nun kann das natürlich daran liegen, dass die Soziale Innovationsbranche vergleichsweise jung ist und es voreilig wäre, schnelle Erfolge zu erwarten. Aber die Probleme scheinen doch etwas tiefer zu liegen. Denn vier falsche Annahmen, so Autorin Marlieke Kieboom, stehen strukturell einem Erfolg der Social Innovation und Lab-Szene im Weg. Diese benennt sie als die „Lösungsfalle“, der „politische blinde Fleck“, die „Diktatur der Skalierung“ und die menschliche „Post-it-Verliebheit“.

Die Lösungsfalle
Der Großteil der Lab- und Social Innovation Szene ist dem „Solutionism“ verfallen und hat eine stark vereinfachte Sicht auf systemischen Wandel; darauf, wie komplexe Systeme sich verändern und adaptieren. Sie gehen davon aus, dass Probleme identifiziert und mit konkreten technokratischen Eingriffen gelöst werden können. Aber die im Labor entwickelten Lösungen werden der interdependenten realen Welt nicht gerecht. Sie übersehen, dass Systeme, in der Metapher von Steve Johnson, wie Zauberhäuser sind: geht man in den ersten Raum, kommt man in drei weitere, die sich wieder zu unzähligen weiteren Räumen hin öffnen. Wenn hinter unseren großen Problemen wie Armut, dysfunktionalen Institutionen und Ungleichheit, einfache kausale Zusammenhänge stecken würde, wären sie schon längst gelöst.

Negierung von Machtdynamiken
Zudem tut die Szene so, als wenn ihre Arbeit apolitisch sei und Labs ein neutraler Raum wären, auf dem sich unterschiedlichste Menschen machtfrei bewegen könnten. Diese Überzeugung scheint weltweit verbreitet zu sein, denn auch die Lab-Betreiber, die wir in unseren LabAround The World Ländern trafen, legten Wert darauf, nicht als politische Akteure verstanden zu werden. Aber wie sollte das möglich sein? Denn alleine die Zusammensetzung der Laboristen, die Zielgruppen die sie aussuchen und die Probleme an denen sie arbeiten, beinhalten implizite Annahmen (wer hilft wem, welches sind die „Begünstigten“ und welches die „Designer“?). Kieboom spricht davon, dass nach den Missionaren, Anthropologen und Entwicklungshelfern, nun die Designer diejenigen sind, die das Leben „der anderen“ verbessern, d.h. dem eigenen Leben ähnlicher machen wollen. Labs und der Social Innovation Diskurs drohen dadurch bestehende Machtungleichheiten zu konsolidieren; eine Gefahr die durch den politischen blinden Fleck nochmals verstärkt wird. Wenn man die eigene Arbeit aber als apolitisch und rein funktional ansieht, ist es unwahrscheinlich, dass die entwickelten Lösungen dem radikalen Wandel zuarbeiten, der vielleicht notwendig wäre, um wirklich systemischen Wandel zu erzeugen. Da die Labs und Forscher auch von etablierten Geldgebern abhängig sind, Unternehmen, Stiftungen, Regierungen, die kein Interesse an wirklicher Disruption haben (wer will sich schon selbst abschaffen?), wird die neoliberale Agenda letztendlich einfach perpetuiert.

Diktatur der Skalierung
Auch den Fokus auf Skalierung hinterfragt der Report. Seelos und Mair folgend, erfordern Innovation und Skalierung zwei sehr unterschiedliche Logiken und wenn eine Innovation Marktreife erlangt hat, muss sie ihre Produkte und Prozesse weitgehend standardisieren und sich von der ständigen Innovation lösen.

The Revolution will not be flip charted
Zuletzt hinterfragten die Teilnehmer des Lab2 Projekts, inwieweit sie selbst eine Scheinrealität aufbauen: mit ihren supergestylten, farbenfrohen, flexiblen Büros voller gut gekleiderter, lachender Designer, die die Wände mit farbigen Post-Ist vollpflastern, vermitteln sie ein Bild, welches mit der Realität wenig zu tun hat. Denn wir sind als Menschen nicht die glücklichen, kollaborativen Menschen der Lab-Broschüren, sondern oft irrational, unvorhersehbar und unordentlich. Ihre durchdesignte Umgebung hilft Lab-Mitarbeitern dies nur zu leicht zu vergessen.

Was sollten Labs anders machen?
Die Zukunft der Labs könnte in eine andere Richtung deuten. Sie haben nämlich ein paar wirkliche Stärken: sie können öffentliche Diskussionen in Gang setzen und ein fruchtbares Klima für neue Ideen bieten. Statt ständig nach konkreten Lösungen für komplexe Probleme zu suchen (die es meist nicht gibt), könnten sie helfen, bessere Prozesse zu bauen und in Institutionen durchzusetzen- von neuen Zuliefererprozeduren und Entscheidungsfindungsprozessen bis zu innovativen Feedback-Methoden und Regulationen. Ihre Effektivität ließe sich steigern, wenn sie politisch besser verdrahtet wären und ihre Fähigkeiten – darunter auch die Tendenz ungewöhnliche, sektorübergreifende Partnerschaften einzugehen - auf lokale Gemeinschaften und Institutionen übertragen würden.

Und - das betterplace lab?
Nach Lektüre des Reports frage ich mich natürlich, wie das betterplace lab inmitten dieser Kritik dasteht. Wir teilen die Ungeduld und Frustration vieler Lab-Anhänger mit den bestehenden Zuständen, sind schnell in der Umsetzung und denken, dass innovative Prozesse und Produkte maßgeblich zu einer besseren Welt beitragen können. Hier hören die Gemeinsamkeiten meines Erachtens aber auch schon auf. (Oder bin ich auf dem Auge blind?)

Unser Anspruch ist wesentlich bescheidener als "Lösungen" für die ganz großen Probleme zu entwickeln. Wir möchten bestehende Entwicklungen und Erfahrungen sichtbar machen und alte und neue Initiativen, inspirieren sich mit digitalen Medien auseinander zu setzen. Die Chancen und Potentiale zu sehen und die Risiken bewusst zu managen. Wir haben die Lab-DNA nach keiner Blaupause entwickelt, sondern sehr organisch entlang der Leidenschaften unseres Teams und der Anforderungen unserer Kunden. Unser Post-It-Verbrauch hält sich in Grenzen. Und ja, wir bemühen uns auch selbstkritisch zu reflektieren, welche Machtdynamiken unsere Forschungsagenda und Ergebnisse reflektieren und welche realen Auswirkungen unsere Arbeit hat. Dennoch: diese letzten beiden Aspekte sollten jedoch, davon hat mich Lab Matters überzeugt, mehr Raum erhalten; hohe Arbeitsbelastung und Finanzierungsdruck bedeuten, dass wir uns im Team weniger Raum für die kritische Meta-Reflektion unserer Arbeit haben.

Dadurch, dass in der weltweiten Lab-Szene viele engagierte Menschen an den Grenzen der Gegenwart und ihrer neuralgischen Schmerzpunkte arbeiten, diese erforschen und mit neuen Möglichkeiten experimentieren, sind sie potentiell gut dafür geeignet die nahe Zukunft (das, was Steve Johnson „the adjacent possible“ nennt) zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, dass wir uns unsere eigenen Praktiken und Annahmen, Erfolge und Mißerfolge kritisch ansehen und unsere Praktiken dementsprechend anpassen.

Joana Breidenbach

Neu im Trendreport: Silbersurfer

05.08.2014 | Author: Thomas Rößl | 0  Kommentare

Viele glauben, das Internet sei ein Ort der Jugend, eine raue Lebensumgebung, in die man sich als Fremder, nicht digital Eingeborener besser gar nicht hinein wagen sollte. Viel zu kompliziert, viel zu gefährlich für Unkundige. Opa hat im Krieg vielleicht mal Morsen gelernt, das war’s dann aber auch in Sachen Medienkompetenz. Unser neuer Trend Silbersurfer nimmt die Klischees unter die Lupe.

Dieses Vorurteil wird in der Form bald der Vergangenheit angehören. Schon fast die Hälfe der über 60jährigen und die absolute Mehrheit der ü-50er waren 2013 online. Ein Trend, der in Anbetracht biologischer Konstanten nicht aufhaltbar ist.

Eigentlich ist das Internet genau aus denselben Gründen, für die es für die Trägheit der Jugend verantwortlich gemacht wird, gerade für Ältere perfekt:

Einkäufe lassen sich bequem nach Hause bestellen, kostenlose Videotelefonie, Messaging und soziale Netzwerke bieten gute Möglichkeiten, den Kontakt mit alten Freunden und der Familien zu halten, ohne das Haus zu verlassen. Informationen aller Art sind zu großen Teilen frei verfügbar.  Spiele können Koordination und Erinnerungsvermögen schulen.

Das haben Web- und Softwareentwickler längst erkannt und arbeiten deshalb daran, sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte des Alterns durch das Internet zu unterstützen und zu kompensieren. Von Zeitzeugenportalen bis hin zur digital begleiteten Pflege – junge Ideen bedienen den digitalen Markt des Alterns.

Thomas Rößl

Wie Big Data in Tansania Kleinunternehmern hilft

28.07.2014 | Author: Kathleen Ziemann | 0  Kommentare

Dieser Blogpost erscheint auch bei den Impatient Optimists.

Wer kein Konto hat, ist meist auch arm: 75 Prozent der Menschen, die unter der Armutsgrenze* leben, haben keinen Zugang zu finanziellen Dienstleistungen. Kleine Anschaffungen wie ein  Hahn für den Aufbau einer Hühnerzucht oder Bauholz für den Ausbau eines Kiosk, sind für sie ohne Kredit nicht möglich. Hier helfen Mikrokredite Kleinunternehmern in der ganzen Welt, ihre Existenz zu sichern. Dafür braucht das Kreditinstitut allerdings Sicherheiten, die ohne Kontodaten nur schwer beizubringen sind. Ein Social Business in Tansania will diesen Prozess vereinfachen.

"Wir wollen Mikrokredite besser und schneller machen", sagt Athu Karume von First Access. Er ist Leiter des Büros in Dar Es Salaam. "In informellen Märkten wie hier in Tansania, sind Mikrokredite teuer", so Karume. "Die Kreditinspektoren müssen oft weit reisen und lange Evaluierungsbögen ausfüllen, um die Kreditwürdigkeit eines Bauern oder Kioskbesitzers irgendwo auf dem Land einzuschätzen". Meist gibt es keine buchhalterischen Unterlagen zum Geschäft oder der Anbaufläche – die Evaluierungen des Inspektors beruhen auf Augenschein. Wegen dieser Bürokratie dauert es einige Wochen bis ein Kredit genehmigt ist. Für Menschen in Existenznot kann das schon zu lange sein.

Damit die Kredit-Evaluierung in Zukunft schneller und verlässlicher ist, nutzt First Access das Prinzip Big Data. Die potenzielle Kreditnehmerin muss zunächst per SMS die Einsicht in ihre Daten genehmigen. Anhand von Handyrechnungen und 85 anderen Variablen (zum Beispiel Anzahl der Anrufe) prüft dann ein Algorithmus, wie kreditwürdig der Bewerber ist. Mit dem First-Access-Algorithmus lässt sich berechnen, wie viel Geld dem potenziellen Kreditnehmer gestattet werden sollte. Auch für die Auszahlung braucht die potentielle Kundin kein Konto: Per mobile Payment Dienst mPesa kann das Geld einfach aufs Handy überwiesen werden. Bei meinem Besuch in Tansania war der Service noch in der Pilotphase. Nun kündigten vor wenigen Tagen Vodacom und First Access den Start des Programms an!

*) Unter 2 US-Dollar am Tag

Kathleen Ziemann

Weblieblinge

20.07.2014 | Author: Thomas Rößl | 0  Kommentare

Und es gibt sie noch. Die Weblieblinge. Nachdem wir letztes mal leider nicht dazu gekommen sind, diesmal mit ca. 19% extra.


  • Video: Wenn Vinnie Jones dir was erzählt, dann hörst du gefälligst zu!
Thomas Rößl

IQ? YouQ? WeQ! Am 10./11. September findet der Vision Summit statt – das lab ist dabei

17.07.2014 | Author: Moritz Eckert | 0  Kommentare

Befehl, Gehorsam und Top-Down-Prozesse – das war prägend fürs 20. Jahrhundert. Das 21. Jahrhundert kann anders werden: mehr Netzwerk-Prozesse, mehr Zusammenarbeit und mehr wir-statt-ich-bezogene Ziele. Ein Jahrhundert der Kollaboration! Anders kommen wir mit den großen (und kleinen) Problemen der Welt ja auch nicht wirklich weiter.

Peter Spiegel, Initiator vom Vision Summit, hat dafür das Schlagwort „WeQ“ gefunden. Unter diesem Motto steht der diesjährige Vison Summit, eine der wichtigsten Konferenzen zum Thema Soziale Innovationen. „WeQ meint vor allem zwei Dinge: Orientierung auf die Stärkung, das Empowerment jedes Menschen und des Gemeinwohls – und Orientierung auf partizipative Prozesse, bei denen sich alle einbringen können.“, so Peter Spiegel. Im Rahmen des Vision Summits soll sogar ein – natürlich gemeinsames – „WeQ“-Manifest entstehen.

Bei Sozialen Innovationen und kollaborativem Arbeiten darf das lab natürlich nicht fehlen. Wir sind Partner des Vision Summits 2014. Joana wird am 11. September um 12:30 Uhr auf der Hauptbühne über das „lab around the world“ berichten, über die interessantesten digital-sozialen Cases, die wir gefunden haben, und verschiedene Erfolgsfaktoren. Das komplette Programm als PDF findet Ihr hier. Außerdem möchten wir den Teilnehmern über kommende Trends von der Schnittstelle digital-sozial berichten – mit unserem brandneuen betterplace lab Trendreport. Denn eins ist klar: Digitale Technologien sind für „WeQ“ nicht nur vielfach Grundvorrausetzung, sondern auch das größte Potential für seine Zukunft.

Seid Ihr auch dabei beim Vision Summit im Allianz Forum am Pariser Platz? Die Veranstaltung beginnt am 10. September mit verschiedenen Workshops und Diskussionsrunden, u. a. mit dem Gehirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther und dem Zukunftsforscher Prof. Dr. Harald Welzer. Am 11. September gibt es u. a. eine Keynote von Tanja Gönner, Vorstand der GIZ und Panels mit Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

We see Q - äääh you!

Moritz Eckert

betterplace lab meets Stanfords Digital Civil Society Lab

14.07.2014 | Author: Joana Breidenbach | 0  Kommentare

Wie werden Internet und Mobiltelefonie weltweit für das Gemeinwohl genutzt? Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede sehen wir im Bereich digital-sozialer Innovationen in so unterschiedlichen Ländern wie Bolivien und Indonesien? Welche Bevölkerungsgruppen sind am innovativsten und wie finanzieren sich digital-soziale Innovationen? Und wie regulieren wir die gigantische neue Menge digitaler Daten? Diese und ähnliche Fragen standen im Zentrum unserer Arbeitsklausur in der ersten Juliwoche in Frankreich.

Teamfoto: ohne Medje, dafür mit Nachwuchstalent.



Unsere Arbeitsklausuren in Südfrankreich - eine im Winter, eine im Sommer - sind ein fester Bestandteil im betterplace lab Jahresrhythmus. Dieses Jahr war die Klausur besonders spannend, denn die wohl bedeutendste amerikanische digital-soziale Forscherin Lucy Bernholz, vom Stanford Digital Civil Society Lab, war mit von der Partie.

Schon seit den Anfängen von betterplace.org bin ich ein großer Fan von Lucy und verfolge ihren Blog Philanthropy 2173. Im Frühjahr dieses Jahres hatten wir dann erstmalig die Chance, uns persönlich in San Francisco kennenzulernen. Und Lucy war so cool, auf meine spontane Einladung nach Südfrankreich ebenso spontan einzugehen. Eine Woche teilten wir unsere Erfahrungen vom Lab Around The World – und Lucys scharfe analytische Linse half uns Strukturen in das Dickicht unserer verwirrend vielfältigen Befunde zu bringen.

Ein erstes Arbeitsergebnis der neuen Partnerschaft wird der Blueprint 2015 sein, Lucy Bernholz jährliche Philanthropie-Vorschau. Darüber hinaus werden wir für das Lab Around The World 2015 (ja, wir ziehen wieder los!) kooperieren und gemeinsam daran arbeiten, dass die digital-soziale Forschung (bzw. in Lucys Bezeichnung, die Erforschung der digitalen Zivilgesellschaft), keine westliche Nabelschau, sondern eine wirklich globale Angelegenheit wird.

Hier findet ihr ein Interview von Ben mit Lucy, gedreht unterm Maulbeerbaum, dem Ort vieler produktiver Arbeitssessions.

Joana Breidenbach

Kollektives Gedächtnis Online: „Wir wollen genau wissen, was passiert ist.“

10.07.2014 | Author: Kathleen Ziemann | 0  Kommentare

Als Sasha Kinney die ersten Nachrichten über ein Attentat in der Westgate Shopping-Mall bekam, saß sie gerade mit ihrem Laptop in einem Café und arbeitete. „Ich habe mich zuerst nicht um die Nachrichten geschert. Westgate war weit weg, und eigentlich geht keiner von meinen Freunden in Edel-Shopping-Malls.“ Doch immer mehr SMS und WhatsApp-Messages kamen auf ihrem Handy an, „die Flut an Nachrichten wurde immer größer, ich wusste, da passiert gerade wirklich etwas Schlimmes.“

Als jeder versuchte von Westgate weg zu kommen, gingen wir hin

Sasha ist Aktivistin und Politikwissenschaftlerin, hat in Harvard und am MIT studiert und lebt seit drei Jahren in Nairobi. Dort arbeitet die 31-jährige US-Amerikanerin mit dem Künstler-Kollektiv Pawa254. Pawa ist das Swahili-Wort für Power. 254 ist der Ländercode für Kenia. In dem bunt besprayten Coworking-Space im Süden Nairobis arbeiten Musiker, Graffiti-Künstler, Fotografen und Journalisten am sozialen Wandel für eine bessere, gerechtere Welt. „Als jeder versuchte, von Westgate weg zu kommen, gingen wir hin“, erzählt Sasha. Sie verabredete sich mit Freunden und eilte zu dem Einkaufszentrum. Mit dabei ihr Kollege Boniface Mwangi, ein ausgezeichneter Kenianischer Foto-Aktivist und Magnum Photography Fellow sowie ein befreundeter Kameramann.

Als die Gruppe der Freunde am Abend nach Hause ging, war ihnen klar, dass sie diese Bilder nicht los werden würden

„Wir waren also dort, und es war das totale Chaos“, erzählt Sasha. „Wir gingen immer wieder rein in die Mall, filmten und fotografierten, was wir dort sahen.“ In den Gängen lagen Leichen und Angeschossene.

Überlebende versteckten sich unter Treppen, hinter Säulen und Regalen. Immer wieder konnten einige von ihnen nach draußen fliehen. Vor dem Einkaufszentrum wurde die Menschenmenge immer größer. Viele waren auch gekommen, um ihre Angehörigen zu finden, um zu erfahren was geschehen war. Verletzte wurden direkt auf dem Parkplatz behandelt, sie weinen und schreien im Schock. „Einem Mann, Angestellter im Nakumatt-Supermakt, war das Auge herausgeschossen worden. Er stand aufrecht da, als sei mit ihm alles in Ordnung. Wenig später ist er gestorben“, berichtet Sasha. Als die Gruppe der Freunde am Abend nach Hause ging, war ihnen klar, dass sie diese Bilder nicht los werden würden. „Wir alle, die an diesem Tag dort waren, wollten genau wissen, was eigentlich passiert ist“, so Sasha.

Shasha Kinney: Mitinitiatorin von Westgate Story

Ein virtuelles, kollektives Gedächtnis

Am Sonntag Abend, ein Tag nachdem der Überfall von Al-Shabaab auf das Einkaufszentrum begonnen hatte, trafen sich diejenigen, die am Vortag vor Ort gewesen waren und tauschten sich über ihre Erlebnisse aus. Darunter auch der Programmierer und Pawa254-Aktivist Ahmed Maawy. „Als wir sprachen und uns gemeinsam die Fernsehberichte ansahen, die Tweets der Polizei lasen, stellten wir fest, dass es Lücken und Ungereimtheiten in der offiziellen Berichterstattung gab,“ so Sasha. Ahmet und Sasha taten sich zusammen. Sie programmierten eine virtuelle Plattform, auf der Augenzeugen ihre Erlebnisse teilen können. „Wir wussten von den unzähligen Fotos, SMS-Daten und Handy-Videos, die währen des Attentats gemacht wurden. Diese wollten wir online sammeln“, sagt Sasha. Mit der Summe dieser Dokumente will die Aktivistengruppe die Ereignisse des Attentats abbilden und eine kollektive Timeline der Ereignisse darstellen. Sie nennen sie Westgate Story https://secure.westgatestory.com.

„Tag und Nacht haben wir an unserer Plattform gearbeitet und uns mit internationalen Datensicherheits-Experten ausgetauscht“, sagt Sasha. „Denn uns war klar, dass wir unsere Informanten schützen müssen.“ Das Unterfangen war schwieriger als gedacht: Zunächst verwendete die Gruppe eine Software, die auch nach dem Attentat auf den Bostoner Marathon im Einsatz war und Augenzeugenberichte zu einer Timeline verdichtete. Aber es wurde schnell deutlich, dass sie nicht den Sicherheitsanforderungen der Gruppe entspricht. Die Lösung ist schließlich die Whistleblowing-Software GlobaLeaks. Aber: „Uns lief die Zeit davon. Wir wussten, dass viele Augenzeugen ihre Nachrichten, Fotos und Videos nicht behalten würden, weil sie nicht an die schrecklichen Ereignisse erinnert werden wollten“, so Sasha.

Mit Hilfe der Italienischen Programmierer von GlobaLeaks schafften es Sasha und Ahmet die Plattform innerhalb von eineinhalb Wochen fertig zu stellen. Dann kommt der nächste Rückschlag: Sie finden auf die Schnelle keinen sicheren Server für ihre Daten. Und: Die GlobaLeaks Software stellt sich als besonders schwer zu benutzen heraus. „Wir waren naiv und haben gedacht, dass wir schnell etwas Brauchbares schaffen können. Letzen Endes hat es aber drei Wochen gedauert, bis die Plattform online war. Das war natürlich viel zu lang“, sagt Sasha. Nur Wenige konnten ihre Erlebnisse bislang online dokumentieren. Sasha: „Wenn man hier die Dinge nicht sofort dokumentiert, gehen sie verloren. Dann ist es so, als wäre es gar nicht geschehen“.

Kathleen Ziemann

PEP sucht neue Stipendiaten

26.06.2014 | Author: Kathleen Ziemann | 0  Kommentare

Machst Du ein soziales Projekt? Bist Du jünger als ich (genauer: nicht älter als 27 Jahre)? Wärst Du gern Vollzeit-Sozialunternehmer? Dann ist vielleicht das PEP-Stipendium was für Dich!

Mit PEP will Ashoka junge Menschen mit Stipendien, Projektförderung und Weiterbildungen in ihrem Beitrag zum gesellschaftlichen Wandel unterstützen und neue Perspektiven für ihr Wirken schaffen. SAP ermöglicht den Start des Programms in Deutschland und bringt sich darüber hinaus mit seinem Produkt-Know-How und dem persönlichen Engagement seiner Mitarbeiter aktiv in seine Gestaltung ein.

Das einjährige PEP Stipendium umfasst:

  • eine finanzielle Unterstützung zur Deckung der Lebenshaltungskosten (max. 1.200 Euro/Monat),
  • ein begleitendes Coaching durch Ashoka,
  • einen Mentor mit langjähriger Wirtschaftserfahrung,
  • die Möglichkeit, an Weiterbildungen und Peer-Veranstaltungen teilzunehmen.
  • Zugang zu Ashokas nationalem und internationalem Netzwerk.

Auf die Vollzeitstipendien können sich Engagierte bewerben, um sich ein Jahr komplett der Professionalisierung ihres Projekts zu widmen. Klingt doch gut!

Interessiert?

Der Bewerbungsschluss ist der 5. Juli 2014 mit Stipendienstart ab September, Oktober oder November 2014. Die komplette Ausschreibung als pdf findest Du hier, bewerben kannst Du Dich bis zum 5. Juli 2014.

Kathleen Ziemann

Zauberwort Direkt-Feedback – Ein kleiner Überblick aktueller Entwicklungen

26.06.2014 | Author: Jella Fink | 0  Kommentare

Mit unserem Projekt Direkt-Feedback haben wir schon vor einiger Zeit gezeigt, wie Begünstigte ihre Meinung zu Projekten in Echtzeit mitteilen können und wie das die Arbeit des Sozialen Sektors verbessern kann. Jella fasst nun aktuelle Direkt-Feedback-Projekte – vor allem aus dem Stiftungssektor – zusammen.

Feedback, bereits während eines Projektes, kann für alle Akteure von großer Hilfe sein – gerade für kleinere Stiftungen bieten sich hier Chancen, in einen Dialog mit den Begünstigten einzusteigen und so ihre Arbeit zu verbessern ohne dazu viele Ressourcen zu benötigen. Immer mehr Stiftungen entdecken nun das Thema Direkt-Feedback für sich. Dabei ist die Umsetzung allerdings noch recht zögerlich.

Wie deutsche Stiftungen Feedback sammeln

„Die Stiftung“ (3/2014) verweist in einem aktuellen Artikel auf die Studienstiftung des Deutschen Volkes, die nun beispielsweise geförderte Studenten als Interessenvertreter an ihren Gremiensitzungen teilnehmen lässt. Auch die Herbert Quandt-Stiftung will Begünstigte aktiv in ihre Arbeit integrieren. Dazu greift sie auf strukturierte Erhebungen mit Fragebögen zurück und sucht den Dialog mit allen Beteiligten in einer Lernwerkstatt. Klingt gut. Was aber oft vergessen wird: Mit Veranstaltungen und Erhebungen ist es nicht getan. Diese Maßnahmen erfordern auch finanzielle und zeitliche Ressourcen. Zum Beispiel muss das Feedback durch Mitarbeiter verarbeitet und umgesetzt werden. Gerade an dieser Stelle könnte Feedback in digitaler Form hilfreich sein. Damit tun sich die Stiftungen aber noch schwer. Wenn sie so etwas wie einen digitalen Dialog ermöglichen, dann vor allem per Social Media Kommunikation. Ein Beispiel ist die Facebook-Seite der Bertelsmann-Stiftung. Die Kommentare werden aber derzeit nicht systematisch ausgewertet. Was es noch nicht gibt: Digitale Feedbacksysteme, wie sie z.B. auf unserer Spendenplattform betterplace.org integriert sind – hier können die Spender ihre Erfahrungen mit Projekten und mit der Plattform teilen.

Die Einführung von Feedback Loops

Direkt-Feedback ist nicht nur ein Trend für Stiftungen und NGOs – auch Regierungen können vom Meinungsaustausch profitieren. Genau das wollen die Feedback Labs etablieren. Sie wollen das Direkt-Feedback-Konzept für NGOs und Regierungen nutzbar machen und so die Zusammenarbeit und den Informationsfluss für alle Seiten verbessern. Daher sprechen sie auch von Feedback Loops, die zwischen allen Beteiligten bestehen sollten.  Ziel ist es, mit Hilfe der Meinungsäußerung der Bürger philanthropische und staatliche Fördermittel sinnvoll einzusetzen. Dabei beziehen sich die Feedback Labs vor allem auf die Entwicklungszusammenarbeit und haben ein Pilotprojekt in Daressalam gestartet. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Akteure verläuft hier über das Finanzministerium und die NGO Development Gateway, die auf der von ihnen geschaffenen Aid Management Platform (AMP) Informationen zur Entwicklungshilfe von über 50 Organisationen sammeln. Diese Partner wurden im Prozess miteinbezogen und leiten Zahlen zu Finanzen an die AMP weiter, damit die tansanische Regierung eine gute Basis für allgemeine und finanzielle Entscheidungen hat. Langfristig sollen so permanente Feedback Loops entstehen, die der Regierung die Bedürfnisse der Bürger zutragen.

Jella Fink
follow us
     
dig in