Da in Deutschland die meisten Stiftungen in Richtung Öffentlichkeit nicht besonders kommunikativ sind, könnten die „Foundations“ der USA als Inspirationsquelle dienen. 300 Teilnehmer trafen sich am 11. und 12. Oktober auf einer Tagung zur Stiftungskommunikation in Seattle: Die Jahrestagung des Communication Networks lud Kommunikationsverantwortliche amerikanischer Stiftungen zum jährlichen Austausch und gemeinsamen Lernen ein. Ich war für das betterplace lab dabei und habe auch bei zahlreichen Pappbecher-Kaffee-Gesprächen drei Themen aufgeschnappt, die auch für Stiftungen und NGOs in Deutschland interessant sind.

In zwei Keynotes von Autor Sherman Alexie und Spiele-Entwicklerin Jane McGonigal sowie 14 interaktiven „Breakout Sessions“ (Workshops) ging es um alles, was Stiftungskommunikatoren dieser Tage beschäftigt: von der Krise über die Technologie bis zur Evaluation. Bei amerikanischen Stiftungen gehört es mittlerweile zur Status-Quo-Rhetorik, über Dinge zu sprechen, die (noch) nicht so gut laufen. Kein Tagungs-Referent verzichtete beispielsweise auf die „Lessons Learnt“ oder kritische Randbemerkungen zu den eigenen Erfolgen. Ein Novum für den Stiftungssektor ist es trotzdem, dass sich eine Stiftung für Produktiv Scheitern als Markenkern entschieden hat. Seit Frühjahr diesen Jahres versucht die Case Foundation mit der BeFearless-Kampagne eine breitere Debatte über Risikobereitschaft und Innovationspotenziale im sozialen Sektor anzustoßen und hat dafür eine dreiteilige Kampagne aufgesetzt. „Be Fearless“ richtet sich mit einer ansprechenden Social Media-Bekenntniskampagne an die breite Öffentlichkeit. Und mit dem gerade gestarteten Finding Fearless-Webbewerb werden die 20 besten Ideen von Innovatoren, die sich für sozialen Wandel engagieren, mit $10.000 gefördert. Hinzu kommt eine Reihe von Veranstaltungen und persönlichen Terminen mit Case-CEO Steve Case für Entscheider von NGOs und Stiftungen, um mehr Unterstützer für die jeweilige Initiative zu gewinnen (am 26. und 27. Oktober 2012 findet zum Beispiel ein TedTalk statt). Spannend an der Kampagne ist übrigens auch, dass die Idee als Ergebnis einer Diskussion der Kommunikationsabteilung entstanden ist – vielleicht sind die Kommunikatoren ja die neuen Innovationstreiber für den Stiftungsmarkt? Hier noch ein Video des Communication Network-Kamerateams, die Allyson Burns, stellvertretende Kommunikationschefin der Case Foundation zur Idee interviewt haben. Offene Daten – tranparent, aufbereitet und weiterverwendbar Die Ankündigung passierte zwar nicht auf der Konferenz, sondern zwei Tage vor Beginn in New York, aber ein viel diskutiertes Thema war das Reporting Commitment von 15 der größten amerikanischen Stiftungen trotzdem. Es ist eine kleine Revolution für den Stiftungssektor, denn fast in Echtzeit werden die beteiligten Stiftungen  – AnnenbergAtlantic Philanthropies, California Endowment, Carnegie, Energy Foundation, Gates, Getty, Hewlett, Robert Wood Johnson, Kellog, MacArthur, MooreMott, Packard und Rockefeller – ihre Bewilligungen nicht nur veröffentlichen, sondern die Daten gemeinsam mit dem Foundation Center so aufarbeiten, das sie maschinenlesbar und auf einer interaktiven Karte geo-lokalisiert der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Fast in Echtzeit bedeutet, dass die Daten vierteljährlich aktualisiert werden. Das Foundation Center arbeitet schon seit Jahren an ähnlichen Open Data-Projekten (siehe zum Beispiel auch das Vorgängerprojekt washfunders.org) und hat bereits mehr als 700 Stiftungen überzeugt, ihre Bewilligungen in eGrant Reporting-Program elektronisch zu übermitteln. Damit sind bereits 20% der gesamten Stiftungsausgaben in den USA abgedeckt. Diese Daten werden, wenn überhaupt, jedoch nur jährlich aktualisiert. Denn wer den Stiftungsalltag kennt, weiß, dass bisher die jährliche Veröffentlichung der Zahlen mit dem Jahresbericht erfolgt und die Zahlen damit meist erst eineinhalb Jahre später vorliegen. Visualisierungen machen die Daten verstehbar „In einer Wirtschaftswelt, in der Mehrwert durch die Analyse von Echtzeitdaten durch Suchmaschinen, Endverbraucher-Anwendungen und Facebook-Likes generiert wird, bleibt der gemeinnützige Sektor bisher eine 640-Milliarden-Dollar-Industrie, die sich, um Förderungstrends zu verstehen, auf Daten verlässt, die über zwei Jahre alt sind“, so Bradford K. Smith, Präsident des Foundation Center in der aktuellen Pressemitteilung. Auch die Visualisierung der Daten setzt neue Standards. Mithilfe von GeoTree, einer Software, die vom Foundation Center entwickelt wurde, liegen Code und Schnittstellen als geografischer Standard offen. Dadurch kann man auf der interaktiven Karte jetzt nicht nur nach 3.800 Förderungen nach Stadt, Region, Land oder Schlagwort filtern, sondern die Daten auch weiterverwerten. Mit dem Projekt und der Einladung an den gesamten Sektor, sich zu beteiligen, rückt die Stiftungswelt damit näher an Open Data-Vorreiter wie die World Bank oder Entwicklungshilfe-Initiativen wie Open Aid Partnership und Publish What You Fund heran. Auch internationale Stiftungen sind eingeladen mitzumachen. Kommunikationsmenschen sind von der Venus, Programmmanager vom Mars Doch zurück zur Tagung: Die Workshop-Titel sprechen Bände: „When a Program/Communications Collaboration is Like a Breath of Fresh Air“, „Working Together: Overcoming the Program/Communications Divide“ oder „We’re from the Program Department: We’re busy doing the work. Why should we care about talking about it?“ Drei von den 14 Sessions widmeten sich dem Verhältnis von Kommunikations- und Projektmanagent und machen deutlich, dass das Thema den Stiftungen unter den Nägeln brennt. Dadurch, dass Trends wie Offene Daten, Transparenz oder Storytelling immer mehr an Bedeutung gewinnen und oft von Kommunikations- und Programmmitarbeitern gemeinsam bearbeitet werden müssen, um wirklich erfolgreich im Stiftungsalltag umgesetzt zu werden, ergeben sich völlig neue Herausforderungen an beide Berufsrollen. Bisher stehen aber selbst bei den amerikanischen Stiftungen antelle von strukturellen Lösungsansätzen zur besseren Zusammenarbeit meist noch die wenigen guten Beispiele und einzelnen Kampagnen im Vordergrund, bei denen die Zusammenarbeit funktioniert. Die Sessions auf dem Kongress fühlten sich daher oft an wie Therapiesitzungen, die deutlich machten, dass beide Gruppen unabstreitbar einen unterschiedlichen Arbeitsalltag haben – die Projekte sind von langfristigen Entwicklungszielen und inhaltlicher Qualität, die Kommunikation von kurzfristigen Erfolgen und tagesaktuellen Themen getrieben. Und dennoch sind sich alle einig: Es geht nur zusammen. Und es braucht dafür Unterstützung vom Top-Management. Die Diskussion, wie genau die Zusammenarbeit darüber hinaus jedoch aussehen kann, hat auch in den USA gerade erst begonnen und steht mit Sicherheit auch bei den deutschen Stiftungen und NGOs noch an.