Unsere Freundin und Volkswirtin Dr. Angela Ullrich analysiert jedes Jahr exklusiv für das betterplace lab den deutschen Spendenmarkt. Sie bringt die Zahlen in Einklang und beantwortet folgende Fragen:

  • Wie viel wird gespendet?

  • Wer spendet?

  • Wohin fließen die Spenden?

  • Warum wird gespendet?

Private Geldspenden 2017 – die aktuellen Zahlen sind da!

In diesem Jahr hat es eine Weile gedauert bis wir Euch mit frischen Informationen zum deutschen Spendenmarkt versorgen. Der Grund dafür: immer wieder tröpfelten aus einzelnen Quellen neue Zahlen, die – angesichts der nach wie vor bescheidenen Datenverfügbarkeit – auf jeden Fall noch berücksichtigt werden sollten. Doch nun ziehen wir für dieses Jahr eine Zwischenbilanz und präsentieren Euch unsere aktualisierten Zahlen. Immer noch gibt es keine amtliche Spendenstatistik und damit keine wirklich verlässlichen und vergleichbaren Daten für die Geldspenden in Deutschland. Unsere jährliche Präsentation ist der Versuch, aus den vorhandenen Zahlen ein grobes Gesamtbild zusammen zu puzzeln, das allen am Spendenmarkt Interessierten einen transparenten ersten Überblick geben und viel Zeit sparen soll.

Private Geldspenden legen im Trend weiter zu

Immer wieder steigen die Geldspenden sprunghaft an, wenn es irgendwo in der Welt eine Katastrophe gibt und viele Menschen mit finanziellen Mitteln helfen wollen. Dies führt zu starken Schwankungen der Geldspenden im Jahresvergleich. Im langfristigen Trend hat das Geldspendenaufkommen weiterhin zugenommen. Unter Fortschreibung einer um Sondereffekte bereinigten langfristigen durchschnittlichen Wachstumsrate von 4,8 Prozent schätzen wir das aktuelle Spendenmarktvolumen auf rund 8,6 Mrd. Euro für Deutschland. Diese Schätzung beruht auf den Zahlen der Einkommensteuerstatistik, genauer gesagt auf den geltend gemachten Spenden ohne politische Zwecke. Berücksichtigt man, dass darin weder bar geleistete Spenden noch solche, die nicht geltend gemacht werden (können), enthalten sind, dürfte der wahre Umfang der privaten Geldspenden noch deutlich höher liegen.

Weniger Menschen spenden geringere Beträge, aber dafür häufiger

Der Anteil der Menschen, die in Deutschland Geld spenden, hat sich gemäß der neusten CharityScope Auswertung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)  bei etwa einem Drittel eingependelt. Hier fand zuletzt ein leichter Rückgang (von 33,6 auf 32,7 Prozent) statt. Auch die Höhe der durchschnittlichen Spende ist um 2 Euro auf 35 Euro gesunken. Gleichzeitig wurde jedoch etwas häufiger spendet als in den Vorjahren, wodurch der negative Effekt auf das gesamte Geldspendenvolumen im Vergleich zum Vorjahr teilweise ausgeglichen werden konnte. Weiterhin haben Menschen über 70 mit Abstand den größten Anteil am Spendenaufkommen. Allerdings haben die unter 40jährigen ihr Engagement gesteigert und spendeten zum Beispiel vergleichsweise viel Geld für die Flüchtlingshilfe.

Die untere Einkommensklasse spendet den größten Anteil der Einkünfte

Grundsätzlich spenden Menschen mit höheren Einkommen größere Beträge und zudem häufiger als Menschen mit niedrigen Einkommen. Der Anteil  Steuerpflichtiger mit geltend gemachten Spenden an allen Steuerpflichtigen steigt mit den Einkommensstufen von 11,6 Prozent auf 84,3 Prozent. Bemerkenswert ist jedoch, dass die unterste Einkommensklasse (0-20.000 Euro) im Vergleich zu allen anderen Einkommensklassen den größten Anteil ihrer Einkünfte (rund 3 Prozent) spendet. Die mittleren Einkommensklassen zwischen 50.000 und 500.000 Jahreseinkommen kommen hier lediglich auf einen Spendenanteil von durchschnittlich 0,8 Prozent ihrer Einkünfte.

Dauerspenden dominieren den Markt, neue Medien akquirieren junge Spender

Weiterhin ist die Dauerspende oder die Fördermitgliedschaft in einem der mittlerweile über 600.000 Vereine der wichtigste Spendenanstoß. Der traditionelle adressierte Werbebrief bleibt auf dem zweiten Platz, ist aber im Vergleich zu den Vorjahren weniger relevant geworden und ermunterte zuletzt nur noch rund ein Fünftel der Spender zu ihrer Geldspende. Aus Sicht der geschätzt rund 400.000 Geldspenden sammelnden Nonprofits, die mehrheitlich sehr klein und dringend auf Geldspenden angewiesen sind,  gewinnen Online Fundraising und Social Media weiter an Bedeutung. Auf diesen Kanälen werden vor allem die jüngeren Spender erreicht, die vergleichsweise häufiger an kleine Organisationen spenden.

Großteil der Geldspenden fließt an kleine Organisationen

Die Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ)  zählt derzeit mehr als 630.000 Nonprofit-Organisationen in Deutschland. Rund zwei Drittel davon verfügt über ein jährliches Budget von weniger als 20.000 Euro. In der Summe fließt der Großteil des gesamten deutschen Geldspendenaufkommens an all diese Tausende kleiner Nonprofits. Die 232 Spendensiegel-Organisationen des DZI (Deutsches Zentralinstitut für die Sozialwirtschaft), zu denen die meisten der wenigen ganz großen deutschen Nonprofit-Organisationen zählen, erhielten im Jahr 2013 rund 1,4 Mrd. Euro Geldspenden. Dies entspricht in etwa 20 Prozent des gesamten Geldspendenaufkommens. Die restlichen 80 Prozent verteilen sich demnach auf wenige weitere Große und all die vielen Kleinen.

Geldspenden und Zeitspenden begünstigen sich gegenseitig

Gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe hat sich eine große Bereitschaft für Sach- und Zeitspenden in Deutschland gezeigt. Fast jeder zweite Deutsche spendete im Jahr 2016 Geld, Sachen oder Zeit für Flüchtlinge, wobei der Anteil der Geldspenden mit rund 500 Mio. Euro eher gering ausfiel. Die Ergebnisse des aktuellen Freiwilligensurveys belegen, dass sich immer mehr Deutsche zeitlich engagieren. Im Jahr 2014 waren es 43,6 Prozent der über 14jährigen und damit zehn Prozent mehr als bei der ersten Erhebung im Jahr 1999. Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen dem freiwilligen zeitlichen Engagement und den Geldspenden. Personen, die Geld gespendet haben, engagieren sich deutlich häufiger mit freiwilliger Tätigkeit. Umgekehrt lässt sich aus diesem Zusammenhang schlussfolgern: Wer Zeit spendet, spendet auch Geld. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass man guten Gewissens an die Nonprofit spendet, für die man selbst freiwillig tätig ist. Dann nämlich ist man nicht nur ohnehin schon von der Mission der Organisation überzeugt, sondern hat zudem einen Einblick in die Arbeitsweise, die Effizienz und auch die Effektivität der Organisation. Diese Transparenz fehlt nach wie vor für potentielle „außenstehende“ Spender bei vielen Nonprofit-Organisationen. Das Geldspendenaufkommen ließe sich deutlich vergrößern, wenn mehr Einblick in Zahlen und Tätigkeiten gewährt und

 

Die Spendenmarktanalyse findest in voller Gänze hier auf Slideshare:
Spenden in Deutschland 2017: unsere Analyse des Spendenmarktes

oder gleich hier zum Durchblättern:

 

 Der Spendenmarkt 2016.

Es ist immer schwierig, verlässliche und vergleichbare Zahlen zum deutschen Spendenmarkt zu finden. Nach wie vor gibt es keine amtliche Spendenstatistik. Man ist auf die wenigen, öffentlich zugänglichen Umfrageergebnisse sowie die zeitverzögerten Angaben in der Einkommensteuerstatistik angewiesen. Den größten Informationsgehalt bietet die Auswertung des GfK Charity Scope für den deutschen Spendenrat, die gerade für das Jahr 2015 als „Bilanz des Helfens 2016“ vorgestellt wurde. Diese frischen Zahlen haben wir nun neben die anderen aktualisierten Fakten und Daten in unsere Spendenmarktpräsentation eingepflegt und geben Euch damit einen Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen.

 

Die privaten Geldspenden haben auch im Jahr 2015 weiter zugelegt. Die GfK errechnet hier einen sehr dynamischen Zuwachs von fast 12%, der u. a. durch das Erdbeben in Nepal und die Flüchtlingshilfe erklärt werden kann. Wir schätzen das gesamte private Spendenvolumen im Jahr 2015 auf 8,3 Mrd. Euro. Diese Prognose basiert auf den Zahlen der Einkommensteuerstatistik und errechnet sich aus der Fortschreibung des prozentualen Wachstums in der Vergangenheit für die Jahre 2012 bis 2015, für die noch keine amtlichen Zahlen vorliegen.

Mehr Menschen spenden häufiger und größere Beträge, insbesondere für humanitäre Zwecke

Im Vergleich zum Vorjahr haben 2015 etwa 300.000 mehr Menschen Geld gespendet. Dabei lag der durchschnittliche Spendenbetrag mit 37 Euro 1 Euro höher als 2014, was im Langzeitvergleich ein neuer Rekord ist. Hinzu kommt, dass pro Person 6,6 mal gespendet wurde, während es im Vorjahr nur 6,2 mal waren. In Summe erklärt dies den entsprechenden Anstieg der gesamten Spenden. Neues Engagement ist vor allem im Bereich der Not- und Katastrophenhilfe entstanden. Hier fand der stärkste Zuwachs bei den Geldspenden statt, getragen durch neue Spender und höhere Ausgaben bei Altspendern. In allen Einkommensklassen wurde mehr gespendet, überproportional stark war der Anstieg bei den Großverdienern mit über 500.000 Euro Jahreseinkommen.

Großes Engagement für Flüchtlinge

Eine Sonderabfrage der GfK ergab, dass sich nahezu jeder zweite Bundesbürger über 10 Jahre im Jahr 2015 für Flüchtlinge engagiert hat – das sind rund 32 Millionen Menschen. Dabei haben Geldspenden mit 8% jedoch eine eher untergeordnete Bedeutung gespielt. 34% hingegen haben Sachspenden gegeben. Zudem haben etwa 2 Millionen Menschen ihre Zeit für die Flüchtlingshilfe gespendet. Hier haben sich vor allem die über Sechzigjährigen eingebracht.

 

Hintergrund zur jährlichen betterplace lab Spendenmarkt Analyse

Bei unserer Spendenmarktanalyse stehen Geldspenden von Privatpersonen im Mittelpunkt. Ein großer Teil der sozialen Aktivitäten in Deutschland wird über private Spenden finanziert. Der Anteil der Spendeneinnahmen am Gesamtbudget der rund 620.000 registrierten gemeinnützigen Organisationen beträgt etwa 20 Prozent. Bei den nicht eingetragenen sozialen Initiativen dürften Geldspenden eine noch größere Rolle für die Finanzierung spielen. Vor allem die zahlreichen kleinen Organisationen, die nicht durch öffentliche Mittel gefördert werden und selbst keine oder nur sehr geringe Mittel erwirtschaften, konkurrieren um Geldgeber und Sponsoren.

Ein grundlegendes Verständnis des traditionellen Offline-Spendenmarktes ist eine wichtige Voraussetzung für sämtliche Analysen rund um den sozialen Sektor. Aus dem Volumen des Spendenmarktes kann man Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Größenordnung des Sektors ziehen; aus der Verteilung des Volumens wiederum wichtige Informationen über die strukturellen Gegebenheiten. Wie funktioniert dieser Markt? Wie groß ist er, und wie hat er sich im Zeitablauf entwickelt? Wie sieht die Marktstruktur aus?

Trotz lückenhafter Datenlage können all diese Fragen zumindest ansatzweise beantwortet werden, indem man die Ergebnisse der unterschiedlichen Umfragen, Studien und Analysen rund um den Spendenmarkt bündelt und auswertet. Die Spendenmarktanalysen der vergangenen Jahre findest Du auf unserem Slide-Share-Kanal (nicht gefunden? Frag uns direkt!).