Während bei der diesjährigen activate digital-politische Themen viel Raum einnahmen, gab es auch welche, die sich sozialen und Menschenrechtsfragen widmeten. 100 Stunden Weltverbesserung Als Einführung zu seinem 100-Stunden Projekt stellte Matt Webb, CEO der Designfirma BERG fest, dass unsere Kapazität Probleme effektiv zu lösen maßgeblich dadurch eingeschränkt ist, dass wir uns nur schwer vorstellen können, wie viele kleine Handlungen von Einzelnen zusammen etwas ganz Großes schaffen können.  Stellen wir uns eine Großtat wie die erste Mondlandung vor und zerlegen sie in ihre Einzelteile: um die Mondlandung möglich zu machen, arbeiteten um die 300.000 Amerikaner und 20.000 Unternehmen. Gemeinsam verwendeten sie ca. 100 Millionen Stunden, bis Apollo 11 auf dem Mond aufsetzen konnte. Müßte es mit den gleichen Ressourcen nicht auch möglich sein viele brennende gesellschaftliche Probleme zu lösen? Genau darauf zielt das 100 Stunden Projekt ab: Wenn jeder von uns für den Rest dieses Jahres 100 Stunden für die Umsetzung eines Projekts beiseitestellen würde, könnte dies unsere Gesellschaft und unser eigenes Leben nachhaltig verändern. Welche Auswirkungen 100 Stunden haben können, beschrieb Webb anhand eines Berliners namens Valentin Heyde, der mit 100 Stunden Porkcamp entwickelte. Inzwischen ist aus dem kleinen Hobby ein eigenes Business geworden: über foodtri.ps organisiert Heyde Reisen für Foodies. Apps für Menschenrechtsaktivisten In einer Paneldiskussion zu digital storytelling (dazu auch unser neuester Trend Digitalanekdoten) stellte Sam Gregory von Witness Informacam vor, eine App mit der sich Amateurvideos authentizifieren lassen. Bislang sind die vielen Videos mit denen Bürger in Krisengebieten Menschenrechtsverletzungen filmen und online stellen, nicht als Beweismittel z.B. am Internationalen Gerichtshof in Den Haag angesehen und auch viele traditionelle Medien sind sich unsicher, in wie weit sie den Dokumentationen von “citizen journalists” trauen können. Informacam ermöglicht es nun einen Video zu machen und dabei zugleich Kontextinformationen – beispielsweise den Standort mittels GPS zu bestimmen oder die Zustimmung von Zeugen – einzuholen. Ein anderer Versuch um bei Menschenrechtsrelevanten Videos die Spreu vom Weizen zu trennen ist der neue von Witness, Storyful und youtube gestartete Human Rights Channel, bei dem ein Journalistenteam die besten Geschichten aus Social media Kanälen heraussucht und auf der Seite präsentiert. Neue Tools für gute Geschichten In einer Session mit dem Mitgründer von visua.ly ging es um neue Tools, mit denen die Vielfalt von verfügbaren Informationen verständlich gemacht werden kann. Auch in diesem Bereich erleben wir einen Generationenwechsel, in der jüngere Generationen Geschichten anders rezipieren als ältere: statt lange Bücher und Zeitschriften zu lesen konsumieren sie kurze multimediale Geschichten online. Um eine Geschichte zu verbreiten, gilt es sie möglichst so zu erzählen, dass Menschen sie gerne in ihren eigenen Netzwerken verbreiten möchten (hier (the odds of you being born) die bislang wohl viralste Infographik) Neue digitale Endgeräte, wie tablets und smartphones, verstärken diese Entwicklung.

#hiddencrisis roadmap

Neal Mann, social media Leiter beim Wall Street Journal, berichtete von einer Reise nach Burkina Faso die er in Kooperation mit Save the Children unternahm. Burkina Faso: putting a #hiddencrisis on the map ist auf Storyful dokumentiert und besteht nur aus social media Versatzstücken. Dennoch erreichte diese Digitalanekdote fünfmal so viele Menschen wie eine vergleichbare, längere, redaktionelle Geschichte, die der Guardian in Mosambik erzählt hatte und die ebenfalls in Kooperation mit Save the Children entstand. Dies hängt allerdings wohl auch damit zusammen, dass Neal Mann als Journalist eine treue Gefolgschaft hat, die ihm in alle möglichen Bereiche des Netzes und der Welt folgen würde. Dennoch: die Möglichkeit im Netz eine Geschichte auf vielen verschiedenen Ebenen, in jeweils unterschiedlichen Formaten UND im Dialog mit den Lesern zu erzählen, ist eine immens spannende Entwicklung. Und Hut ab vor Save the Children, die es mal wieder verstanden haben effektiv mit mainstream und Bürger-Journalisten zusammenzuarbeiten (s. auch #blogadesh).